Supercup-Triumph über Bayern München Wolfsburg holt das Titelchen

Wolfsburg hat den Supercup gegen den FC Bayern gewonnen. Im Elfmeterschießen bewies der VfL die besseren Nerven, bei den Bayern gab Arturo Vidal ein bemerkenswertes Debüt. Die Partie im Überblick.

Wolfsburger bei der Siegerehrung: Ein kleiner Titel zum Saisonauftakt
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Wolfsburger bei der Siegerehrung: Ein kleiner Titel zum Saisonauftakt

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Ausgangslage: Supercup ist, wenn Meister und Pokalsieger sich irgendwann zwischen Trainingslager und Bundesligastart zu einem besonders aufwendig inszenierten Testkick treffen, sagen manche. Josep Guardiola gehört nicht dazu. Ein großer Titel sei das, um den sein Team gegen den VfL Wolfsburg antrete, sagte der Bayern-Trainer. Nebenbei war der deutsche Supercup der einzige Wettbewerb, den Guardiola trotz Teilnahme noch nicht hatte gewinnen können.

Ergebnis: Wolfsburg gewann 6:5 (1:1, 0:0) nach Elfmeterschießen. Arjen Robben (49. Minute) hatte Bayern in Führung geschossen, Nicklas Bendtner (89.) traf für den VfL.

Die erste Hälfte: War, obwohl keine Tore fielen, äußerst unterhaltsam. Nach etwas mehr als einer Minute erspielten sich die Bayern die erste Doppelchance, Robert Lewandowski und Xabi Alonso scheiterten aber (2.). Jérôme Boateng (Latte/8.) und Douglas Costa (26.) vergaben weitere Top-Gelegenheiten. Doch auch Wolfsburg arbeitete sich allmählich ins Spiel und kam zu Chancen. Die besten vergaben Ivan Perisic (32.) und …

Fehlschuss des Spiels: … Kevin De Bruyne. Der Belgier, der vor dem Spiel als Fußballer des Jahres ausgezeichnet worden war, hätte seinen VfL kurz vor der Pause eigentlich in Führung bringen müssen. In der 42. Minute jagte De Bruyne einem langen Ball von Naldo hinterher, hinter ihm Verfolger Medhi Benatia, vor ihm der aus seinem Tor stürmende Manuel Neuer. De Bruyne narrte beide, dann sich selbst. Per Kopf lupfte er den Ball über Neuer, der so in seinen Mitspieler stolperte. Statt dann ins Tor zu schießen oder den mitgelaufenen Bas Dost zu bedienen, schoss De Bruyne den Ball dann jedoch gut einen Meter neben das Tor.

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Supercup: Bendtner macht's für die Wölfe
Die zweite Hälfte: Begann mit dem 1:0 für die Münchner. Traumpass Boateng, scharfe Flanke Douglas Costa, Abschluss Robben, Tor. Hätte der Niederländer nicht vollstreckt, wäre Lewandowski zur Stelle gewesen. Neuer bewahrte die Gäste mit Paraden gegen Timm Klose (54.) und Dost (58.) vor dem schnellen Ausgleich. Der fiel kurz vor Schluss, als De Bruyne den eingewechselten Bendtner bediente.

Das Elfmeterschießen: Zehn Schützen traten an, nur einer scheiterte - Münchens Xabi Alonso. Der Schuss des Spaniers wurde von VfL-Keeper Koen Casteels artistisch pariert. Casteels war bereits in die von ihm aus rechte Ecke unterwegs, als er realisierte, dass Alonsos Schuss Richtung Mitte ging. Reflexartig zog er das linke Bein hoch und wehrte den Schuss im Fliegen ab.

Zahl des Spiels: Geht er oder bleibt er? Kevin De Bruyne soll begehrt sein auf dem Transfermarkt, über 80-Millionen-Offerten aus England wird spekuliert. Gegen die Bayern wirkte er davon unbeeindruckt - trotz seines Fehlversuchs aus der 42. Minute. Immer wieder bereitete er mit seinen perfekt getimten Pässen Chancen für den VfL vor. An sieben Abschlüssen war er insgesamt beteiligt. Das war mit Abstand der Top-Wert der Partie.

Debüt des Spiels: 73:19 Minuten lang musste er warten, dann kam er zu seinem ersten Auftritt für den FC Bayern: Arturo Vidal. Es dauerte 127 Sekunden, bis er sich mit einem Foul an VfL-Zugang Max Kruse den Zorn des Wolfsburger Publikums zugezogen hatte, und nochmal 345 weitere Sekunden, ehe er für ein riskantes Tackling die Gelbe Karte sah. Seine weitere Bilanz: Ein geblockter Schuss, 13 angekommene Pässe bei 14 Versuchen, drei gelungene Defensivaktionen und ein verwandelter Elfmeter. Es war ein bemerkenswerter Anfang für Vidal in München.

Metamorphose des Spiels: In den ersten Minuten schien es, als wären die Bayern eine aus taktischer Sicht ganz normale Mannschaft. Guardiola ließ sein Team in einem 4-1-4-1 starten, Philipp Lahm spielte Rechtsverteidiger, David Alaba hinten links, Lewandowski im Sturmzentrum. So weit, so gewöhnlich. Doch nach einigen Minuten entfaltete sich das System Guardiola. Lahm rochierte mit Thomas Müller, Robben wurde zum zweiten Stürmer, und Benatia spielte mitunter als klassischer Ausputzer hinter einer Dreierreihe. Das ursprüngliche 4-1-4-1 wurde ständig umgebaut.

Erkenntnis des Spiels: Die Bayern zeigten gute Ansätze, müssen aber noch an der Feinabstimmung arbeiten. Und Wolfsburg? Von Kampfansagen im Titelkampf will Trainer Dieter Hecking nichts wissen. Doch sein Team hat zumindest angedeutet, dass auch in dieser Saison mit ihm zu rechnen ist. Wie wenig Aussagekraft Supercup-Erfolge grundsätzlich besitzen, zeigte allerdings die vergangene Saison. Da bezwang Borussia Dortmund die Münchner - und holte in der Bundesliga 33 Punkte weniger als der FC Bayern.

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insgesamt 106 Beiträge
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susa_pilar 01.08.2015
1. Boateng, der Analytiker!
WIR WAREN DIE BESSERE MANNSCHAFT...!? bei welchem Spiel war der wohl gewesen? In der offiziellen Statistik stehen 7:1 Torschüsse und eine positive Zweikampf-Statistik für Wolfsburg
der-meister! 01.08.2015
2. Ankunft des Kriegers..
Großartig! 2 Minuten bis zum ersten Foul und ganze 8 Minuten reichen Vidal für die erste gelbe Karte in einem quasi Freundschaftsspiel. Ein Dank an den Schiedsrichter und ein Hinweis an seine Kollegen für die kommende Saison. Dass Wolfsburg am Ende gewinnt macht Mut für alle Fußballfans.
maxgil 01.08.2015
3. Mia
San schon wieder Letzter!
moskito 01.08.2015
4. Danke, Kalle!
Wer sich vor dem Spiel lustig über Wolfsburg macht wird mit leeren Händen nach Hause geschickt!
Lelas 01.08.2015
5.
VfL so die No. 1. Geht de Bruyne, wird's mit einem EL Platz schwer. Bekommen die das Verletzungsspech der Bayern, wird's Platz 9-12.
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