Wolfsburg gegen Werder In der norddeutschen Tiefebene 

Mit Wolfsburg und Werder Bremen treffen zwei Teams aufeinander, die ihre besten Zeiten hinter sich haben. Der VfL versucht es bereits nach vier Spieltagen mit einem neuen Trainer. Auch der wird es nicht leicht haben.

Enttäuschte Wolfsburger Spieler
Bongarts/Getty Images

Enttäuschte Wolfsburger Spieler

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Am 18. September war es vorbei. Die Saison hatte zwar gerade erst angefangen, aber die Verantwortlichen im Verein glaubten schon handeln zu müssen, erst zwei erzielte Tore, das war einfach zu wenig. Also musste der Trainer gehen.

Die Rede ist von Viktor Skripnik, und er wurde am 18. September des Vorjahres nach nur drei Spielen bei Werder Bremen entlassen. Es folgte ihm Alexander Nouri, der dann am fünften Spieltag das erste Mal jubeln konnte. Werder bezwang den VfL Wolfsburg 2:1. Das war die Wende zum Besseren.

Das sind schon so viele Parallelen zur jetzigen Spielzeit, dass es fast unheimlich ist. Wieder muss am 18. September der Coach eines Nordklubs gehen, diesmal ist es der Niederländer Andries Jonker beim VfL Wolfsburg, die Saison hat zwar gerade erst angefangen, aber erst zwei erzielte Tore, das ist einfach zu wenig. Am Abend steht der fünfte Spieltag an, und der VfL Wolfsburg trifft mit seinem neuen Coach Martin Schmidt auf, na, klar, Werder Bremen (20.30 Uhr Sky, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Der Umbruch in Wolfsburg ist in vollem Gange

Werder hatte nach vier Spieltagen der Vorsaison null Punkte, jetzt immerhin einen, der VfL dagegen vergleichsweise kommode vier Zähler. Dennoch hat die Vereinsspitze mit dem rührigen Sportdirektor Olaf Rebbe ihrer Unzufriedenheit mit dem Saisonstart in der denkbar drastischsten Weise Ausdruck verliehen. Martin Schmidt, in der Vorsaison noch Trainer in Mainz, soll es richten. Der Verein wollte "einen neuen Impuls setzen", hieß es am Montagabend vor der Presse. Er hat zuletzt viele Impulse dieser Art gesetzt.

Der VfL Wolfsburg, das muss man regelmäßig ins Gedächtnis rufen, ist der Vizemeister des Jahres 2015, der Meister des Jahres 2009, er ist ein Klub, der bis zum Vorjahr noch vollgesogen war mit Investitionen und Ambitionen. Das erste Saisonspiel der abgelaufenen Spielzeit, ein 2:0-Erfolg beim FC Augsburg, bestritten auf dem Platz die Premiumprofis Julian Draxler, Daniel Caligiuri, Bas Dost, Luis Gustavo und Ricardo Rodríguez. Draxler spielt heute bei PSG, Caligiuri auf Schalke, Dost bei Sporting Lissabon, Gustavo bei Olympique Marseille und Rodríguez beim AC Mailand. Man kann nicht behaupten, dass sich einer von ihnen verschlechtert hätte.

Vier Punkte nach vier Spieltagen hat der artige Jonker eingeholt. Das mag alles andere als überragend sein, aber von der gegenwärtigen Mannschaft viel mehr zu verlangen, wäre ein Verkennen der aktuellen Lage. Der VfL Wolfsburg hat sich in der Vorsaison letztlich dank der Tore von Mario Gomez in die Relegation gerettet und dort mit aller erdenklichen Mühe gegen ein spielerisch kreuzbraves Eintracht Braunschweig die Klasse erhalten.

Man hat danach viel Geld für Hertha-Verteidiger Anthony Brooks ausgebeben, er sollte so etwas wie der neue Hoffnungsträger werden, aber der US-Amerikaner verletzte sich noch vor dem ersten Spieltag schwer. Jetzt fällt auch noch Gomez wochenlang aus, es gibt nicht mehr viele, die dieses Team anführen können. Der VfL Wolfsburg ist derzeit kein Team, das Ansprüche nach oben anmelden kann. Die Zeit ist vorbei, und es ist die Frage, ob der ebenfalls schwer angeschlagene VW-Konzern und der von ihm mit Prokura ausgestattete Jungmanager Rebbe, auch einer mit jahrelanger Werder-Vergangenheit, das wirklich verstanden haben.

Schmidt kennt Abstiegskampf

Mit Schmidt haben sie jetzt einen Trainer, der zumindest weiß, wie man mit relativ wenig Ressource das Ziel Klassenerhalt anpeilen kann. Abstiegskampf ist ihm vertraut, das könnte ihm in Wolfsburg noch einmal zugute kommen. In Mainz ist er allerdings zum Saisonschluss auch deswegen gegangen worden, weil es den Verantwortlichen nicht reichte, auf Dauer um Platz 14 herumzukrauchen.

Werder Bremen war in der abgelaufenen Spielzeit Achter, Nouris Elf hat erst auf der Zielgerade eine mögliche Europacupteilnahme verspielt. Es war eine tolle Rückrunde, aber sie war auch sehr mit dem Namen Max Kruse verknüpft. Kruse wird wie Gomez auf der Gegenseite den Bremern nach seiner Verletzung vom Wochenende lange fehlen. Jener Kruse, der sein Glück auch mal in Wolfsburg gesucht hat, als es dem Verein erheblich besser ging. Gefunden hat er es erst wieder bei den anderen Grün-Weißen.

Wolfsburg und Bremen, das sind zwei Vereine, denen aus ganz unterschiedlichen Gründen Abstürze von sehr weit oben ins Mittelfeld und in die darunter liegenden Regionen unterlaufen sind. Vor ein paar Jahren war diese Partie noch ein Spitzenspiel. In dem Jahr, in dem Wolfsburg unter Felix Magath Meister wurde, spielte Werder im Europacupendspiel gegen Schachtjor Donezk. Bremen mit Mesut Özil, spätestens jetzt fangen Werder-Fans an zu weinen. Insofern umweht dieses so grau-grüne Duell sogar ein Hauch von Fußball-Nostalgie.

insgesamt 5 Beiträge
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RalfHenrichs 19.09.2017
1. Alles richtig, aber
Werder hat in dieser Saison gegen die Mannschaften gespielt, die aktuell auf Platz 3, 4 und 5 stehen. Sicher die Saison ist noch jung, aber zumindest bei München und Hoffenheim ist davon auszugehen, dass sie am Saisonende eher (oder was München betrifft) sicher besser stehen. Bei der einzigen Mannschaft, die aktuell in der unteren Hälfte ist (Berlin) reichte es immerhin auswärts zu einem Unentschieden. Und gegen Hoffenheim und Berlin gab es auch noch zwei sehr unglückliche Gegentore, die Punkte gekostet haben. Will sagen: die Mannschaften gegen die Werder punkten sollte, kommen noch. Heute und vor allem am Wochenende zu Hause gegen den HSV. Erst wenn sie gegen solche Gegner ebenfalls erfolglos bleiben, kann man sagen, dass Werder in dieser Saison Probleme haben wird. Noch halte ich das für offen.
cih 19.09.2017
2. tja da liegt das Problem
wird der Verein geschäftlich Werks-unterstützt ist alles ok... kaum hat das "Werk" Probleme weil diverse Klagen im Umlauf sind... tja hat man ja schon letzte Saison gesehen. Ich bin zwar Niedersachse aber glücklicher Roter :D auf wiedersehen WOB
christof.schroeter 19.09.2017
3.
"Wolfsburg und Bremen, das sind zwei Vereine, denen aus ganz unterschiedlichen Gründen Abstürze von sehr weit oben ins Mittelfeld und in die darunter liegenden Regionen unterlaufen sind." Man hätte an der Stelle vielleicht ganz gern gelesen, was denn nach Meinung des Autors diese "unterschiedlichen Gründe" sind....
christof.schroeter 19.09.2017
4.
Zitat von RalfHenrichsWerder hat in dieser Saison gegen die Mannschaften gespielt, die aktuell auf Platz 3, 4 und 5 stehen. Sicher die Saison ist noch jung, aber zumindest bei München und Hoffenheim ist davon auszugehen, dass sie am Saisonende eher (oder was München betrifft) sicher besser stehen. Bei der einzigen Mannschaft, die aktuell in der unteren Hälfte ist (Berlin) reichte es immerhin auswärts zu einem Unentschieden. Und gegen Hoffenheim und Berlin gab es auch noch zwei sehr unglückliche Gegentore, die Punkte gekostet haben. Will sagen: die Mannschaften gegen die Werder punkten sollte, kommen noch. Heute und vor allem am Wochenende zu Hause gegen den HSV. Erst wenn sie gegen solche Gegner ebenfalls erfolglos bleiben, kann man sagen, dass Werder in dieser Saison Probleme haben wird. Noch halte ich das für offen.
Ein Glück dass es gegen Schalke keine unglücklichen Gegentore gab. ;)
puttkammer1871 19.09.2017
5. VW und finanzielle Probleme?
Wenn ich daran denke, was man für einen großzügigen Vertrag als Hauptsponsor für die Nationalmannschaft geschlossen hat und sogar Mercedes von diesem Platz vertrieben hat, denke ich, dass es diesem. "Konzern" nicht so schlecht gehen kann. Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, den Herrn Rebbe auszutauschen, anstatt einen Trainer nach dem anderen zu verheizen. Mit den gegebenen Mitteln hat Herr Jonker relativ viel erreicht und finde, dass der Artikel ziemlich gut ist und in den meisten Punkten den Nagel auf den Kopf trifft.
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