Videobeweis Anwalt fordert Annullierung des WM-Finales

Nicht der Schiedsrichter hat die Tätlichkeit Zinedine Zidanes im WM-Finale gesehen, sondern der vierte Unparteiische Luis Medina Cantalejo. Sollte dieser dabei unzulässigerweise Videobilder benutzt haben, müsse das Finale wiederholt werden, fordert ein französischer Jurist.


Hamburg - Der Anwalt Méhana Mouhou kündigte heute an, dass er Ende nächster Woche ein Eilverfahren vor einem Pariser Gericht anstrengen will. Sein Ziel sei es, Medina Cantalejo, den vierten Schiedsrichter des WM-Finals, zu den Umständen des Platzverweises gegen Zidane zu vernehmen.

Medina Cantalejo hatte den Kopfstoß des französischen Kapitäns gegen Italiens Verteidiger Marco Materazzi gesehen und per Funk an Schiedsrichter Horacio Elizondo und dessen Assistenten weitergegeben.

Falls der vierte Unparteiische dabei unzulässigerweise Videobilder genutzt haben sollte, müsse das Endspiel vor Gericht annulliert und neu ausgetragen werden, so Mouhou weiter. Der Anwalt handele nach eigenen Angaben "im Namen mehrerer Fußballclubs", deren Identität er nicht nennen wolle.

Die Fifa hatte den Videobeweis bisher abgelehnt. "Solange ich Fifa-Präsident bin, wird es keinen Videobeweis geben. Der Fußball ist ein Spiel mit menschlichem Gesicht, ein Spiel mit Irrtümern von Trainern, Spielern und Schiedsrichtern", hatte Fifa-Chef Joseph Blatter zur Begründung gesagt.

Im Fall Zidane hatte der Weltverband erklärt, Videoaufnahmen seien bei der Entscheidung des Schiedsrichters nicht verwandt worden. Medina Cantalejo habe "den Vorfall von seiner Position am Spielfeldrand direkt (ohne Zuhilfenahme eines Monitors) gesehen", hieß es in einer Pressemitteilung.

Der Sünder selbst hat sich bislang nicht zu dem Vorfall geäußert. Heute Abend will sich Zidane jedoch das erste Mal erklären. Der französische Fernsehsender Canal plus kündigte für 20 Uhr ein Live-Interview mit dem 34-Jährigen an.

hut/afp/dpa



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