Reaktionen auf Videobeweis in Mainz "Darf ich nach dem Schlusspfiff nach Hause gehen? Oder gibt's noch Elfer?"

Trainer, Spieler, selbst Teams, die gar nicht auf dem Platz standen: Alle sind verunsichert nach der kuriosen Schiedsrichter-Entscheidung im Spiel Mainz gegen Freiburg. Die Reaktionen.

Christian Streich (l.) und Sandro Schwarz
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Christian Streich (l.) und Sandro Schwarz


Freiburg ist nach dem 30. Bundesliga-Spieltag der große Verlierer im Abstiegskampf. Nach der 0:2-Niederlage in Mainz mit dem kuriosen Halbzeit-Elfmeter steht der SC auf dem Relegationsplatz und reist nun - immerhin mit acht Punkten Vorsprung - zum Tabellen-17. Hamburger SV. Trotzdem droht der Abstieg, die aktuelle Form und die mentale Verfassung der Mannschaft sprechen gegen eine Rettung.

Freiburgs Trainer Christian Streich, bekannt für seine meinungsstarken Äußerungen, hielt sich nach dem Spiel zurück, brachte so aber trotzdem sein Missfallen über den im Nachgang der ersten Hälfte von Schiedsrichter Guido Winkmann verhängten Strafstoß gegen sein Team zum Ausdruck. "Ich sag nichts mehr dazu", sagte Streich und spielte auf die vom DFB verhängte Geldstrafe wegen seiner Reaktion auf den Platzverweis für Nils Petersen auf Schalke an. "Ich habe mir vorgenommen, diese Dinge über mich und die Mannschaft ergehen zu lassen. Wir thematisieren das nicht und probieren die Dinge zu beeinflussen, die wir beeinflussen können."

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Für Freiburgs Abwehrspieler Manuel Gulde war Winkmanns Entscheidung nicht nachvollziehbar. "Das kann man am letzten Spieltag machen, wenn es nur noch um die Goldene Ananas geht", sagte Gulde bei Eurosport. "Da können sie den Videobeweis ausprobieren. Aber bei solch einem Spiel - unglaublich, dass man da so eine Entscheidung trifft."

Unklar ist bisher, ob der SC gegen die Wertung des Spiels Einspruch einlegen wird. Die Aussagen von Sportvorstand Jochen Saier sprechen eher dagegen, eine offizielle Stellungnahme des Klubs steht jedoch noch aus. "Erst war es ein bisschen Ungläubigkeit", sagte Saier. "Aber regeltechnisch ist das völlig in Ordnung. Wir müssen das schweren Herzens akzeptieren, es wird immer kurioser."

Nach Informationen des Sportinformationsdienstes hätten die Freiburger ohnehin keine Handhabe für einen erfolgreichen Protest. Die Video- und Tonaufzeichnung aus dem Kontrollcenter in Köln sollen eindeutig belegen, dass Video-Assistentin Bibiana Steinhaus den Kontakt zu Schiedsrichter Winkmann aufgenommen hat, als dieser noch auf dem Platz stand. Wenn er diesen bereits verlassen hätte, wäre eine nachträgliche Video-Entscheidung nicht regelkonform gewesen.

Auch bei den Mainzern sorgte die Entscheidung für Verwirrung. "Die Elfmeterszene war bizarr", sagte Abwehrspieler Abdou Diallo. "Wir waren mit dem Kopf schon in der Kabine. Aber der Videobeweis ist ein Fortschritt für die Bundesliga, den wir ausnutzen sollten."

Trainer Sandro Schwarz fühlte angesichts des "extrem unglücklichen" Zeitpunkts mit den Freiburgern. "Ich habe schon Video-Sequenzen ausgesucht, die ich den Jungs in der Pause zeigen wollte", sagte Schwarz. "Plötzlich kam unser Mannschaftsarzt und sagte: 'Trainer, es gibt Elfmeter.' Da bin ich wieder raus."

Einfluss nimmt das Ergebnis auch auf die nun nahezu abgeschlagenen Konkurrenten aus Hamburg und Köln. HSV-Vorstand Frank Wettstein wollte sich gegenüber SPIEGEL ONLINE nicht zum Videobeweis in Mainz äußern, in einer Stellungnahme auf der Webseite des Vereins sagte er zu den kommenden Spielen des HSV: "Wir sind nicht blauäugig und wissen, dass sich die Ausgangslage vor den letzten vier Spielen nicht verbessert hat. Das ändert aber nichts daran, wie wir in die kommenden Spiele gehen werden. Uns helfen nur Siege, um uns noch eine Restchance zu erarbeiten." Der 1. FC Köln war bisher zu keiner Aussage bereit. Dafür äußerten sich FC-Anhänger via Twitter:

Auch sonst löste Winkmanns Entscheidung bei Twitter eindeutige Reaktionen hervor:

Selbst im internationalen Fußball gab es Reaktionen. So spielte der ehemalige norwegische Fußballer Jan Åge Fjørtoft auf das Wembley-Tor 1966 an und der englische TV-Kommentator Gary Lineker schrieb "Varcical" - eine Wortkreation aus VAR (Video Assistent Referee) und "farcical", dem englischen Wort für lächerlich.

eho/krä/sid



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