Pressekonferenz vor Barça-Spiel: FC Bayern verbietet Fragen zu Hoeneß

AFP

Nur Fragen zum Spiel: Der FC Bayern untersagt den Journalisten bei der Pressekonferenz zum Champions-League-Halbfinale gegen Barcelona jede Nachfrage zum Fall Hoeneß. Ansonsten droht der Sprecher des Vereins mit Abbruch. Unterstützung bekommt der Bayern-Präsident von Berti Vogts und Lukas Podolski. 

Hamburg - Nachfragen nicht erwünscht: Der FC Bayern München hat sich bei der Pressekonferenz zur Champions-League-Partie gegen den FC Barcelona Fragen zum Steuerfall Uli Hoeneß verbeten. "Ich möchte Sie im Vorfeld darüber informieren, dass wir dazu keinerlei Stellung abgeben werden", sagte Pressesprecher Markus Hörwick. Falls dies doch versucht werde, kündigte er an, werde man "die Pressekonferenz gegebenenfalls abbrechen". Danach äußerten sich Trainer Jupp Heynckes sowie die Spieler Philipp Lahm und Javi Martínez nur zu sportlichen Themen.

Zur Seite ist dem Bayern-Präsidenten derweil Nationalspieler Lukas Podolski gesprungen. "Ich finde es nicht in Ordnung, dass viele über einen Menschen, der so viel Gutes für andere und Traditionsvereine getan hat wie Uli Hoeneß, so früh urteilen", schrieb der frühere Profi des deutschen Fußball-Rekordmeisters am Montag auf seiner Facebook-Seite. "Wir machen alle Fehler, genauso ich wie ihr auch!", fügte der Offensivspieler des FC Arsenal hinzu.

Der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts hat seinem früheren Nationalelf-Kollegen Hoeneß ebenfalls moralische Unterstützung zugesagt. "Ich werde immer an der Seite von Uli Hoeneß stehen. Er ist so ein feiner Mensch, der sich immer für die Leute eingesetzt hat. Alles Weitere kann und will ich nicht kommentieren", sagte Vogts am Montag. Im Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft waren der heutige Nationalcoach Aserbaidschans und Hoeneß 1974 Weltmeister geworden.

Merkel kritisiert Hoeneß

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will die Steueraffäre dagegen nicht kommentieren. "Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, bitten wir um Verständnis, dass sich der DFB aktuell nicht weiter äußern möchte", sagte DFB-Sprecher Jens Grittner.

Doch bezahlen muss Hoeneß seine Verfehlung bereits jetzt mit einem beträchtlichen Imageschaden. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) distanzierte sich mit deutlichen Worten von ihm. "Viele Menschen sind jetzt enttäuscht von Uli Hoeneß, die Bundeskanzlerin zählt auch zu diesen Menschen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Diese Enttäuschung sei natürlich umso größer bei jemandem, der für so viel Positives stehe. Es gebe weiterhin Verdienste des Bayern-Präsidenten. "Aber es ist jetzt durch die Tatsache der Selbstanzeige wegen Steuerbetrugs eine andere, traurige Facette hinzugekommen."

Gegen Hoeneß wird nach seiner Selbstanzeige wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete unter Berufung auf Justizkreise, Hoeneß habe seit mehr als zehn Jahren versteuertes Geld in Millionenhöhe bei einer in Zürich ansässigen Bank angelegt, ohne dem deutschen Fiskus die anfallende Kapitalertragsteuer gezahlt zu haben. Inzwischen habe er eine Abschlagszahlung auf seine Steuerschuld von drei Millionen Euro überwiesen.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat über seine Pressestelle klarstellen lassen, dass er nicht über Details der Steuerermittlungen gegen Uli Hoeneß informiert war. Er habe nach Hoeneß' Selbstanzeige "aus der Staatsregierung heraus" lediglich Kenntnis darüber erlangt, dass gegen den Präsidenten des deutschen Fußball-Meisters FC Bayern ermittelt werde. Einzelheiten über den Fall hätten nicht dazugehört, teilte die bayerische Staatskanzlei am Montag mit.

Hoeneß lehnt Rücktritt ab

Die Grünen im bayerischen Landtag verlangen von der Staatsregierung vollständige Aufklärung, welche Behörde und welches Ministerium wann von den Steuerhinterziehungs-Vorwürfen wusste. "Wann kam die Selbstanzeige, was kam vorher, und was lief im Nachgang", fragte Grünen-Fraktionschef Martin Runge am Montag in München. Die Grünen wollten wissen, wann das Finanzministerium, wann das Justizministerium und wann die Staatskanzlei und Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) eingeschaltet gewesen seien. Runge bezeichnete den Freistaat als "Eldorado für Steuerhinterzieher".

Einen Rücktritt als FC-Bayern-Präsident lehnt Hoeneß bisher ab. Mit Spannung wird der angekündigte Besuch von Hoeneß am Dienstag in der heimischen Allianz Arena beim Halbfinal-Hinspiel in der Champions League gegen den FC Barcelona erwartet. Äußerungen zum schwebenden Verfahren soll es dabei allerdings nicht geben: "Ich werde einige Wochen ins Land ziehen lassen, ehe ich mich äußere", erklärte Hoeneß.

aha/tok/dpa/sid

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 209 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Dann haben die
notlegal 22.04.2013
beiden Herren bestimmt nichts dagegen, die eigenen Konten aufzudecken! Wie schön, Reiche unter sich...
2. Kavaliersdelikt?
maggi1947 22.04.2013
Offensichtlich halten beide den Steuerbetrug von Hoeneß für eine minder schwere Straftat, die allein durch sein gutes Wirken eigentlich nicht erwähnenswert scheint. Ein sonderbares Rechtsverständnis.
3. optional
philkopter 22.04.2013
ich schließe mich den beiden insofern an, alsdass ih absolut nicht nachvollziehen kann wieso sich presse, öffentlichkeit und politiker so auf ihn stürzen, während sonst alle nase lang nach dem rechtsstaat gerufen wird, in dem die unschuldsvermutung gilt. da gab es schon einige andere fälle, in denen das ganz schnell aufgehoben wurde und menschen vorverurteilt wurden, sodass es ansich gar keines rechtsstaatlichen urteils mehr bedurfte, da karrieren und/oder privatleben ohnehin ruiniert waren. ich möchte da an die fälle kachelmann (freispruch!) oder türck (freispruch!) erinnern. erstens denke ich sollte man erstmal abwarten was die ermittlungen im fall hoeness ergeben und zweitens, selbst wenn sich herausstellt dass er steuern hinterzogen hat und dafür bestraft werden muss, ist es immer noch so dass es wesentlich wichtigere angelegenheiten gibt als die paar peanuts eines uli hoeness.
4. optional
hansmaus 22.04.2013
und? Steuerhinterziehung ist nicht mal ein "Kavaliersdelikt" das ist ein reiner Verwaltungsakt geworden. Herr Lambsdorf hat das schon 1983 festgestellt und saß trotz Verurteilung noch lange im Bundestag. Also mal bei Herrn Hoeneß schön die Kirche im Dorf lassen und daran denken das der Mann reich ist also ist das was er getan hat vollkommen in ordnung. Herr Schumacher, Beckenbauer, Vettel und wie sie alle heißen ham sich ja auch aufgrund von Steuern verpisstund wir jubeln diesen "Helden" zu ;)
5. Fehler?
80erleo 22.04.2013
...in der Regel werden Fehler aus Dummheit und/oder Unwissenheit gemacht. Herr Podolski sollte zwischen Vorsatz und Fehler unterscheiden können.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik WM-News
RSS
alles zum Thema Champions League
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 209 Kommentare
Fotostrecke
Uli Hoeneß: Ein Leben für den FC Bayern

"Ich muss nicht auf die Malediven"

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil

Themenseiten Fußball
Tabellen