Vor Argentinien-Spiel Schweinsteiger eröffnet den Psychokrieg

Schiedsrichter-Beeinflussung, Theatralik, Provokationen: Bastian Schweinsteiger hat Argentiniens Team vor dem Viertelfinale Unsportlichkeit vorgeworfen. Bei seiner Attacke schoss der DFB-Vizekapitän jedoch deutlich übers Ziel hinaus - er unterstellte einer ganzen Nation Charakterschwäche.

Aus Pretoria berichtet


Wir dürfen keine Fehler machen, sagt Joachim Löw. Es soll das deutsche Rezept sein im WM-Viertelfinale gegen Argentinien (Samstag um 16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). "Schon kleinste Fehler können bestraft werden", mahnt der Bundestrainer. Er meint die schnellen Konter der Südamerikaner nach gegnerischen Ballverlusten.

Wir dürfen keine Fehler machen, sagt Bastian Schweinsteiger. Auch er spricht über das Duell gegen Lionel Messi und Diego Maradona und von Kleinigkeiten, "die auf diesem Niveau Spiele entscheiden." Zehn Minuten hat Schweinsteiger zu diesem Zeitpunkt auf dem Podium im DFB-Pressezentrum gesessen - und den ersten Fehler bereits gemacht. Keinen kleinen übrigens.

Schweinsteigers Fehler war nicht, über die aufgeheizte Atmosphäre nach dem Viertelfinale vor genau vier Jahren zu reden, "über die Handgreiflichkeiten der Argentinier uns gegenüber" nach ihrem Ausscheiden im Elfmeterschießen. Es war auch kein Fehler, dem Maradona-Team auch bei dieser WM diverse Unsportlichkeiten vorzuwerfen, etwa Schiedsrichter-Beeinflussung, Provokationen, Theatralik.

Attacke auf ein ganzes Land

Schweinsteigers Fehler war, dass er genau das tat, was er dem sportlichen Gegner zuvor vorgeworfen hatte - er provozierte. Und er verlor bei seiner Kritik das Maß, denn er attackierte ein ganzes Land. "Wie man hört, setzen sie sich im Stadion zusammen, obwohl sie für andere Plätze Karten haben." Die übrigen Zuschauer müssten dann stehen. "Das zeigt den Charakter und die Mentalität."

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Psychokrieg: Schweinsteiger provoziert die Provokateure
Schweinsteiger war 2006 dabei, als es nach dem Abpfiff des Viertelfinales zu Tumulten auf dem Spielfeld kam, in deren Folge Torsten Frings für das Halbfinale gegen Italien gesperrt wurde. Das Erlebnis hat sich tief eingebrannt in das Gedächtnis des DFB-Vizekapitäns, so tief, dass Schweinsteiger ungefragt darüber sprach, als er eigentlich die Veränderungen zwischen 2006 und 2010 erklären sollte. "Die Aktionen der Argentinier sind viel mehr in Erinnerung geblieben", sagt er.

Warum der 26-Jährige deshalb gleich einer ganzen Nation charakterliche Schwäche unterstellt, wird ein Rätsel bleiben. Fest steht nur: Schweinsteiger hat damit weder sich einen Gefallen getan noch seinem Team. Hunderte Journalisten füllten an diesem Tag das DFB-Pressezentrum, viele davon aus Argentinien. Die Worte des Nationalspielers werden auch bei der "Albiceleste" ankommen. Oder sollen sie es am Ende sogar? Steckt hinter der Provokation ein großer Psycho-Plan?

Provoziert Schweinsteiger die Provokateure?

Schweinsteiger hat ja auch dem "Stern" ein Interview gegeben, darin wurde er ähnlich deutlich. Angesprochen auf die Auseinandersetzungen nach dem Viertelfinale 2006 sagte er: "So etwas vergisst man nicht. Einige der Argentinier sind damals mir gegenüber handgreiflich geworden." Argentinien sei "sicher nicht eine der fairsten Mannschaften. Sie fordern gelbe Karten, wenn sie gefoult werden, und wenn sie selbst Foul spielen, dann beschweren sie sich auch noch beim Schiedsrichter, weil der gefoulte Spieler am Boden aus ihrer Sicht doch nur simuliert."

Sehr offene Worte sind das in einem Interview, das vor der Veröffentlichung durch den DFB autorisiert werden muss. Und auch in der Pressekonferenz konnte Schweinsteiger seine Vorwürfe noch einmal wiederholen - diesmal setzte er mit seiner Pauschalkritik an allen Argentiniern sogar noch einen drauf. Will Schweinsteiger die Provokateure provozieren?

Sieben DFB-Kicker sind im Viertelfinale mit Gelb vorbelastet, sie würden bei einer weiteren Verwarnung in einem möglichen Halbfinale fehlen (siehe Infokasten in der linken Spalte). Jede Aufheizung des Spiels macht diesen Fall wahrscheinlicher. Wenn man so will, könnte sich Schweinsteiger selbst einen Bärendienst erwiesen haben. Schweinsteiger ist einer der sieben Gelbsünder.

"Ich hoffe, dass der Schiedsrichter ein gutes Auge hat und ein Gefühl entwickelt, wer wen provoziert." Das hat Schweinsteiger dann auch noch gesagt und seine Teamkollegen gewarnt: "Wir müssen aufpassen und uns nicht provozieren lassen." Aufpassen und Ruhe bewahren, so lautet das Rezept des Bayern-Profis für das Spiel gegen Argentinien. Aber bis dahin sind es ja noch drei Tage.

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surselva-29 30.06.2010
1. Übliches Ballyhoo
Bastian Schweinsteiger hat in der heutigen PK nicht dem argentinischen Volk, sondern lediglich deren Fußball-Nationalmannschaft gezielte Provokationen vorgeworfen. Wer sich an das WM-Viertelfinale 2006 erinnert oder an die Halbzeittumulte im Spiel gg. Mexiko, kann dem nur zustimmen. Ob diese Äußerungen im Hinblick auf die Motivation der Argentinier allerdings besonders klug waren, bleibt dahingestellt. Andererseits erinnern die Aussagen an das übliche Ballyhoo vor wichtigen Spielen.
curtisnewton 30.06.2010
2. SPON-Verschwörungstheorie mit Schönheitsfehler
Zitat von sysopSchiedsrichter-Beeinflussung, Theatralik, Provokationen: Bastian Schweinsteiger hat Argentiniens Team vor dem Viertelfinale Unsportlichkeit vorgeworfen. Bei seiner Attacke schoss der DFB-Vizekapitän jedoch deutlich übers Ziel hinaus - er unterstellte einer ganzen Nation Charakterschwäche. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,703895,00.html
Sie schreiben: "Sieben DFB-Kicker sind im Viertelfinale mit Gelb vorbelastet, sie würden bei einer weiteren Verwarnung in einem möglichen Halbfinale fehlen." Das ist schlichtweg Blödsinn. Bei dieser WM werden die gelben Karten nach dem Viertelfinale gestrichen. Wenn Schweinsteiger also eine weitere Gelbe bekommt ist er keineswegs im Halbfinale gesperrt! Ihre Verschwörungstheorie trifft an dieser Stelle nicht zu. Blöd wenn mal kein Fußball gespielt wird. Da muß man um eine Meldung zum Thema zu haben aus einer Mücke einen Elefanten machen.
D0nJuAn 30.06.2010
3. rk
Meine Mutter kommt selbst aus Südamerika. Als sie die Aussagengehört hat, hat sie gelacht. Das ist halt einfach so, dass es unorganisierter istwie in Deutschland. Wo ist das denn eine Kritik am Land wenn man Dinge sagt die man selbst erlebt hat ? Wer in Südamerika mal versucht hat pünktlich einenBus zu bekommen weiß was ich meine :)
F.uchur 30.06.2010
4. unprofessionell
Zitat von sysopSchiedsrichter-Beeinflussung, Theatralik, Provokationen: Bastian Schweinsteiger hat Argentiniens Team vor dem Viertelfinale Unsportlichkeit vorgeworfen. Bei seiner Attacke schoss der DFB-Vizekapitän jedoch deutlich übers Ziel hinaus - er unterstellte einer ganzen Nation Charakterschwäche. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,703895,00.html
Ein guter (vize)Mannschaftsführer geht zur Pressekonferenz und sagt Sätze wie "ich freue mich auf ein hartes, aber faires Spiel! Es wird nicht einfach, Argentinien ist ein sehr starker gegner, ich denke, am Ende wird die bessere Mannschaft gewinnen, und ich hoffe, dass wir diese sein werden!" Ein wenig mehr Arroganz kann sicherlich auch ok sein, z.B. indem man das hoffe durch denke ersetzt. Was vor 4 Jahren geschehen ist, war sicherlich nicht schön, und von einigen Spielern auch unsportlich. Aber anstatt die Vergangenheit Vergangenheit sein zu lassen, musste Schweinsteiger die alten Kamellen wieder aufgreifen und den Argentiniern unsportlichkeit vorwerfen, womit er sich selbst unsportlich gemacht hat.
Chris-Gardner 30.06.2010
5. Ist schon richtig gesagt!
Schweini macht das schon richtig. Er muss die Agrentinier nicht mit Samthandschuhen anfassen, nur weil er Deutscher ist. Die haben nunmal einen Verrückten als Trainer und sind absolut unsportlich und das soll auch klar ausgesprochen werden. Es reicht doch schon, dass wir eine Bundeskanzlerin haben, die NIE eine Meinung zu irgend etwas hat (wofür sie in der Bundesversammlung zum Glück wieder einmal abgestraft wird). Es hilft nur eins: auf Worte Taten folgen: - Argentinier aus dem WM Turnier kicken - Merkel auf in den Aufsichtsrat des Paritätischen Wohlfahrtsverband zwangsversetzen!
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