Hummels-Vorstellung in München Dortmund, wer?

Der FC Bayern inszeniert die Vorstellung von Mats Hummels als die Rückkehr des verlorenen Sohnes, der Nationalspieler ist gerührt. Sein Debüt gibt er ausgerechnet gegen Borussia Dortmund - und erwartet Pfiffe.

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Von Florian Kinast, München


Anfangs stand Mats Hummels im Abseits, ganz am Rand, im Presseklub der Allianz Arena. Hummels schaute nach vorne auf eine große Leinwand, dort liefen Bilderschnipsel seiner Karriere. Hummels wirkte berührt, Hummels sah den kleinen Mats als sechsjährigen Bub mit Ball und Bayern-Trikot 1995, dann als Jugendlichen bei seinen ersten Einsätzen im Stadion an der Grünwalder Straße, in der zweiten Mannschaft des FC Bayern, und er hörte noch einmal seinen alten Trainer Hermann Gerland knurren: "Der wird mal Bundesliga-Spieler. Da leg ich meine Hand ins Feuer." Und Hermann Gerland hat ja immer recht.

Ach ja, es kamen dann noch ganz kurze Sequenzen, in denen man Hummels in einem sonderbaren schwarz-gelben Trikot sah, aber die dauerten nicht lang, das Filmchen endete ganz schnell mit harmonischen Szenen von der Säbener Straße, Hummels und Karl-Heinz Rummenigge im Mai 2016 bei der Vertragsunterzeichnung und bei der Trikotpräsentation mit der Nummer fünf.

Ein kleines, schön inszeniertes Videostück, das zeigen sollte, dass Mats Hummels endlich wieder dort ist, wo er hingehört, nämlich beim FC Bayern. Als seien seine achteinhalb Jahre bei Borussia Dortmund ein kleiner unbedeutender Abstecher gewesen. Nicht weiter der Rede wert.

Hummels? Dortmund? War da was?

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Hummels-Vostellung bei Bayern: Die Rückkehr des verlorenen Sohns

Am Samstag stellte der FC Bayern seinen Rückkehrer vor, als der Film zu Ende war, saß Mats Hummels auf dem Podium neben einem weiteren Zugang, Renato Sanches, dem portugiesischen Europameister. Hummels sagte, die EM sei längst kein Thema mehr, er habe "dem Renato" eben zum EM-Titel gratuliert und dass der Renato nächstes Mal ja vielleicht ihm zu einem Titel gratulieren müsse, der Renato neben ihm lachte dabei. Hummels machte aber auch klar, dass er nicht nur die EM endgültig abgehakt hat.

Sondern vor allem das Thema Borussia Dortmund.

War schon toll beim BVB, klar. Aber sein eigentlicher Platz ist eben doch hier in München, so die Botschaft. "Die Entscheidung hatte mir doch einige Wochen Kopfzerbrechen bereitet", sagte Hummels zwar noch, "es war ein langer und schwieriger Prozess." Aber sportlich biete sich mit dem Wechsel eben doch die Möglichkeit für einen Schritt nach vorne, mit größeren Chancen auf mehr Titel als zuletzt. "Bayern ist eine der drei besten Mannschaften der Welt." Und Dortmund ist das eben nicht. Fertig.

Eher Bravo-TV statt Bayern-TV

Dortmund ist auch das Ziel des ersten Pflichtspiels mit seinem neuen alten Verein, kommenden Sonntag, 14. August, wenn beide Vereine den Supercup ausspielen. Der Meister und Pokalsieger Bayern gegen den Vizemeister und Pokalfinalisten Dortmund. Was ihn dort erwartet, kann sich Hummels schon ausmalen, er musste das schon erleben, als er nach Bekanntgabe seines Wechsels Anfang Mai von Dortmunder Fans ausgepfiffen und beschimpft wurde.

Renato Sanches, Mats Hummels
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Renato Sanches, Mats Hummels

"Es wird sicher einige Leute geben, die mich nicht so gut empfangen werden", sagte Hummels am Samstag, "das ist aber auch nachvollziehbar, Fußball ist eine sehr emotionale Angelegenheit. Ich komme trotzdem gerne zurück, ich werde die Zeit dort immer wertschätzen, auch wenn ich bei den nächsten 15 Mal in Folge dort ausgepfiffen werde. Meine Leistung wird das nicht beeinflussen."

Sehr laut war nach dem ersten Hummels-Auftritt auch der anschließende Nachmittag in der Münchner Arena. Unter dem Motto "#FCBDAY1" übertrug der Klub erstmals seine Teampräsentation via Facebook in die ganze Welt, jugendliche Moderatoren hüpften dabei mit hektischen Armbewegungen durchs Bild und schrien bei den Interviews mit Spielern und Trainern überdreht ins Mikrofon, man solle viel hashtaggen. Die Sprache war amerikanisch, sie trugen coole Klamotten und so, es wirkte eher wie Bravo-TV als Bayern-TV, aber so sieht das heute eben aus, wenn man weltweit junge Fans erreichen möchte. Die Folge: ein veritabler Shitstorm in den sozialen Netzwerken.

Karl-Heinz Rummenigge hashtaggte übrigens nicht, dafür sagte er, mit Mats Hummels hätten er und Carlo Ancelotti ihren Wunschspieler verpflichtet. Dass "unser Eigengewächs wieder zurück ist", sagte er fröhlich, und dass Hummels mit Jérôme Boateng natürlich das perfekte Duo in der Innenverteidigung bilde. Das magische Defensiv-Dreieck mit Hummels, Boateng und Torwart Manuel Neuer, genau die richtige Basis, um in der kommenden Saison die fünfte Meisterschaft in Serie anzustreben und die Verfolger auf Distanz zu halten, allen voran die Konkurrenz aus Dortmund.

Dortmund? Wer?



insgesamt 86 Beiträge
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Seite 1
Oihme 06.08.2016
1. Wer glaubt das noch?
Im Monatstakt kommt eine neue Begründung des Herrn Hummels, weshalb er nach München gewechselt ist. Erst war es der Wunsch, zum Lebensmittelpunkt seiner Familie zurückzukehren, dann war es die angebliche "Erkenntnis", dass mit dem Weggang von Mkhitaryan und Gündogan der BVB "auseinanderbricht",die ihn zum Wechsel veranlassten haben soll, jetzt ist es der schnöde Hunger nach Titeln. Was kommt wohl als nächstes? Ernst zu nehmen ist dieser Mann wirklich nicht mehr.
richardheinen 06.08.2016
2.
Jeder, der noch alle fünf Sinne beisammen hat, wechselt den Arbeitgeber, wenn es für ihn günstiger ist. Selbst dann, wenn der neue Arbeitgeber aus Bayern kommt, was mir persönlich auch nicht passt. Also, was soll die Aufregung? Statt Hummels auszupfeifen, sollten auch Dortmundfans dankbar sein für das, was sie mit ihm an Erfolgen erleben durften.
trader_07 06.08.2016
3. Und Sie...
Zitat von OihmeIm Monatstakt kommt eine neue Begründung des Herrn Hummels, weshalb er nach München gewechselt ist. Erst war es der Wunsch, zum Lebensmittelpunkt seiner Familie zurückzukehren, dann war es die angebliche "Erkenntnis", dass mit dem Weggang von Mkhitaryan und Gündogan der BVB "auseinanderbricht",die ihn zum Wechsel veranlassten haben soll, jetzt ist es der schnöde Hunger nach Titeln. Was kommt wohl als nächstes? Ernst zu nehmen ist dieser Mann wirklich nicht mehr.
Und Sie kommen mit Ihrem doch eher begrenzten Schubladen-Denken nicht auf die Idee, für den Wechsel nach München könnte es mehrere Gründe gegebenhaben? Natürlich hat Mats gegenüber den BVB-Fans den Grund Familie in den Vordergrund gestellt. Was hätte er sagen sollen? Ich möchte Titel gewinnen und das hat der BVB einfach nicht drauf? Dafür ist Mats zu taktvoll.
colja_kosel 06.08.2016
4. Ein Fähnchen im Wind
Hummels-Aussagen sind nicht authentisch, eher taktischer Natur, der Mann kann niemandem gerade und aufrecht in die Augen schauen, das liegt weniger am Silberblick als am schlechten Gewissen. Zum FC Bayern passt er allerdings.
rrrr43 06.08.2016
5. Si tacuisses,...
Hummels, Juli 2016 (auf die Frage "Haben Sie nicht das Gefühl, nach acht sehr erfolgreichen Jahren mehr verdient zu haben als wüste Beschimpfungen?"): "Es gab aber dann die Leute, die meine Aussagen von 2013 herangezogen haben. Doch selbst die sind – wenn man sie genau durchliest – noch immer sinnvoll und stimmig." Hummels, Februar 2014: Ich muss nicht unbedingt in der besten Mannschaft der Welt spielen, nur um eine relative Garantie auf Titel zu haben. Ich würde einen Champions-League-Titel mit dem BVB sechs mit einem anderen Verein vorziehen“.
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