Gesperrter Uefa-Boss Platini "Blatter wollte mich erledigen"

"Alles ist von ihm ausgegangen": Der gesperrte Uefa-Präsident Michel Platini hat dem ebenfalls gesperrten Fifa-Boss Joseph Blatter schwere Vorwürfe gemacht. Dieser habe seine Karriere im Fußball-Weltverband unbedingt verhindern wollen.

Gesperrter Fifa-Präsident Blatter (links), Platini: "Sein letzter Skalp"
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Gesperrter Fifa-Präsident Blatter (links), Platini: "Sein letzter Skalp"


Michel Platini hat Joseph Blatter für seine verhinderte Karriere als möglicher Fifa-Präsident verantwortlich gemacht. "Alles ist von Blatter ausgegangen, er wollte mich erledigen", sagte der für acht Jahre vom Fußball verbannte Uefa-Präsident der französischen Sportzeitung "L'Équipe". "Er wollte nicht, dass ich zur Fifa gehe. Er hat oft gesagt, dass ich sein letzter Skalp wäre, aber er ist zur gleichen Zeit gestürzt wie ich."

Platini hatte am Donnerstag seinen endgültigen Rückzug aus dem Rennen um den Chefposten beim Weltverband erklärt, obwohl er bis dato stets unterstrichen hatte, um seine Chance auf das Präsidentenamt kämpfen zu wollen. Der Franzose hätte für eine Kandidatur bei der Wahl am 26. Februar jedoch ohnehin erst erfolgreich gegen seine Sperre durch die Ethikkommission des Weltverbandes vorgehen müssen.

Die Ethikkommission der Fifa hatte eine von Blatter bewilligte Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken an Platini aus dem Jahr 2011 als Verstoß gegen die Fifa-Ethikregeln gewertet - und beide daraufhin gesperrt. Gegen diese Strafe will Platini aber vor den Europäischen Gerichtshof klagen. Er behauptete, das Geld für lange zurückliegende Beratertätigkeiten erhalten zu haben.

Platinis Rückzug beschäftigt auch den Deutschen Fußball-Bund. In zwei Wochen will der DFB seine Strategie im Rennen um den Chefposten des Weltverbands besprechen. "Das Präsidium wird in seiner nächsten Sitzung am 22. Januar darüber beraten, welchen Kandidaten der deutsche Fußball bei der Wahl zum Fifa-Präsidenten nunmehr unterstützen wird", sagte DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball. "Zuvor werden wir uns darüber selbstverständlich auch eng mit der Uefa und Wolfgang Niersbach, dem deutschen Vertreter im Exekutivkomitee von Fifa und Uefa, abstimmen." Niersbach war in Folge des Skandals um die Vergabe der WM 2006 als DFB-Präsident zurückgetreten, hatte aber seine internationalen Ämter behalten.

Favorit auf die Nachfolge Blatters ist derzeit Scheich Salman Bin Ibrahim al Khalifa aus Bahrain. Zuletzt hatte sich auch Rauball positiv über den Chef der asiatischen Konföderation geäußert. Dieser steht jedoch in der Kritik von Menschenrechtsorganisation. Seiner Familie wird vorgeworfen, an der Niederschlagung der Anti-Regierungsproteste in Bahrain beteiligt gewesen zu sein.

bka/dpa

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
Urschweizer 08.01.2016
1. Olala!!
Da lehnt sich der Herr Platini aber ganz weit aus dem Fenster! Obwohl - zu verlieren hat er ja nichts mehr. Er ist ohnehin erledigt.
Trainspotter 08.01.2016
2.
Mir ist bis heute unverständlich, nach welchen Kriterien bei diesem 'Integrity Check' verfahren wird, denn unter normalen Umständen dürften solche Kriminellen, wie der Herr aus Bahrain, unter keinen Umständen für so ein Amt in Frage kommen.
Schlaflöwe 08.01.2016
3. Die alte
korrupte Führung scheint - übrigends zu Putins erklärtem Verdruss - endgültig von der Macht verdrängt zu werden. Es wird jetzt spannend sein zu sehen, ob etwas Akzeptables entsteht, oder wieder der alte Dreck.
deglaboy 08.01.2016
4. Bei der schlimmen FIFA...
kann es nur noch schlimmer werden. Außer sie wird aufgelöst.
spon_3064063 08.01.2016
5.
Es kann nur eine ganz und gar nicht fifainfizierte Person Präsident werden. Auch der Kandidat aus dem Morgenland sollte keine chance haben.Am besten Obama!
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