Frankfurt feuert Veh Ende einer Herzenssache

Frankfurt und Armin Veh, das hat mal hervorragend gepasst. Die Spieler hielten bis zuletzt zu ihm, doch die Fans pfiffen den einst innig verehrten Trainer aus. Was hat das Verhältnis so zerrüttet?

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Aus Frankfurt berichtet


Armin Veh war nicht mehr zu halten.

Das hat am Ende auch Heribert Bruchhagen so gesehen. Der Frankfurter Geschäftsführer hatte sich ja lange Zeit vor seinen Trainer gestellt, von dem er auch dann noch überzeugt war, als andere Offizielle längst von ihm abgerückt waren. Bruchhagen stand zu Veh. Nach den Niederlagen gegen Köln und Stuttgart, nach den traurigen torlosen Remis zu Hause gegen Hamburg und Schalke und auch nach dem 0:2 unter der Woche in Berlin. Veh blieb. Bis es gar nicht mehr anders ging.

Es war gar nicht mal allein die Tatsache, dass man gegen Ingolstadt erneut nicht gewinnen konnte, die Veh den Kopf kostete. Nicht die Tatsache, dass eine Mannschaft, die zu Hause bestenfalls unentschieden spielt, im Abstiegskampf kaum eine Chance hat. Vielleicht hätte man das noch eine Weile durchstehen können.

Aber die Stimmung im Stadion war am Samstag so negativ, dass man sich kaum vorstellen konnte, wie die Frankfurter Mannschaft das so wichtige nächste Heimspiel in zwei Wochen gegen Hannover 96 halbwegs unverkrampft würde angehen können. Nicht mit einem Trainer Veh, der wohl schon vorm Anpfiff wieder so unerbittlich ausgepfiffen worden wäre wie am Samstag.

Nach Informationen der "Frankfurter Rundschau" ist Sportdirektor Bruno Hübner nachts noch zu Veh gefahren, um ihm die Nachricht persönlich zu überbringen, Bruchhagen hat ihn noch angerufen. Den Vorwurf, sie hätten es sich zu leicht gemacht, kann man den Frankfurter Verantwortlichen also wirklich nicht machen. Sie haben die Trennung so anständig vollzogen, wie das noch möglich war.

Dabei sind Pfiffe des Publikums natürlich auch immer ein Ausdruck von Verzweiflung und Aktionismus. Kaum ein Fan schaut sich ja regelmäßig die Trainingseinheiten an, um ermessen zu können, ob der Mann, der angeblich unbedingt "weg" muss, tatsächlich so ein Ahnungsloser ist. Und dann wäre da noch eine Frankfurter Besonderheit: Viele Hardcore-Fans hatte Veh nicht erst seit der jüngsten Niederlage verloren, sondern weit vorher, im Sommer 2014, als er seine erste Frankfurter Amtszeit beendete und zum VfB Stuttgart wechselte.

Mit dieser Entscheidung war er bei vielen Eintracht-Fans auf immer und ewig unten durch, vom Herzens-Trainer, mit dem man endlich wieder ins internationale Geschäft zurückkehren konnte, zum Söldner geworden. Als der irgendwann reumütig zurückkam, war er für viele nur noch ein ganz normaler Mann vom Trainer-Karussell. Mit entsprechend geschrumpftem Kredit.

Im Vergleich zu Mannschaften wie Ingolstadt oder Darmstadt wirkte die Eintracht zuletzt auch tatsächlich weniger bissig, vielleicht auch weniger austrainiert. Der an sich schon erschreckend langsame Kader wurde im Winter zudem nicht gut ergänzt. Vor allem Szabolcs Huszti, der für mehr Kreativität im Offensivspiel sorgen sollte, war so erkennbar über den Zenit, dass sich zunehmend mehr Fans fragten, warum Veh so unbeirrt an ihm festhielt. Die Eintracht hat von acht Rückrundenspielen nur eines gewonnen. Vielleicht auch deshalb, weil das Offensivspiel so stark auf Alexander Meier zugeschnitten ist.

Veh hat dagegengesteuert, indem er dessen Sturm-Kollegen Haris Seferovic öffentlich in den Senkel stellte. Damit bewirkte er zweierlei. Zum einen war der divenhafte Schweizer im darauffolgenden Spiel gegen Schalke einer der Aktivposten. Und zum anderen kam das Signal bei der Mannschaft an, dass dieser Trainer keinem selbst ernannten Star zubilligen würde, sich Dinge herauszunehmen. Veh scheint dann auch bis zuletzt das Vertrauen der Spieler gehabt zu haben. Wie Kapitän Marco Russ ("schaffen das nur mit ihm") unmittelbar nach dem Ingolstadt-Spiel für seinen Coach in die Bresche sprang, war beeindruckend und glaubwürdig.

Den meisten Fans, vielleicht auch einige, die am Samstag gepfiffen haben, dürfte Veh als Trainer in Erinnerung bleiben, der wie kein zweiter in den vergangenen zehn Jahren zur Eintracht passte - ganz im Gegensatz zu Schaaf oder Funkel, die in Frankfurt allenfalls geduldet waren, von Michael Skibbe oder Christoph Daum ganz zu schweigen. Die Eintracht und Veh, das hat lange gepasst. Umso bedauerlicher, dass die Liaison nun so enden musste.



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Seite 1
mrcharlysge 06.03.2016
1. Funkel hat nicht zur Eintracht gepasst?
Was soll denn der blödsinn,Funkel war der Liebling der Fans,ein Trainer der 5 Jahre bei einem Verein bleibt ist heute eher selten. Zudem hat sich Armin Veh,den ich als Eintracht Fan sehr geschätzt habe,es sich bei den Fans verspielt als er die Eintracht wegen mangelnder Perspektive verließ um in Stuttgart anzuheuern. Das macht man nicht mit den Fans von Frankfurt,die sind sehr nachtragend. Allerdings verstehe ich auch nicht warum man Spieler wie huszti oder ben-Hatira geholt hat und nicht einem Gacinovic mal eine Chance gibt. Abwarten wie sich die nächsten Spiele ansehen lassen unter dem neuen Trainer(Wunschtrainer: Mirko Slomka)
zamparonio 06.03.2016
2.
Wurde auch Zeit, dass hier die Reißleine gezogen wurde. Veh war schon immer viel zu ruhig und abgeklärt. Zumindest hat er versucht das nach außen zu tragen. Aber mir kanns eh egal asein, ich bin seit einiger Zeit schon Darmstadt"fan".
Bee1976 06.03.2016
3. Selbst Schuld.
Herr Veh hat Frankfurt verlassen, weil er bei Stuttgart eine bessere Perspektive sah,dies auch noch öffentlich so sagte. Da muss man sich nicht wundern, wenn die Fans einem das Übelnehmen, für Veh wars nur ein Job, für die Fans eben eine Herzenssache. Das er bei Stuttgart so schnell hinwarf sorgt auch nicht gerade dafür, das man Vertrauen in seine Entscheidungen haben kann, zumindest nicht, wenn er danach so eine Trainerleistung zeigt. Ich kann mir nicht vorstellen, das ein Beundesligaverein in naher Zukunft so verzweifelt ist, ihm eine weitere Chance zu geben.
nn280 06.03.2016
4. Ich halte nicht viel von Herrn Veh
und sehe jetzt kaum noch eine Möglichkeit für ihn, weiter einen Bundesligaverein zu trainieren. Im Grunde genommen ist er überall in seinen letzten Tätigkeiten rausgeflogen.
genaumeinding 06.03.2016
5. Armin Veh gehört zum DFB
Da fallen Selbstdarsteller mit unterdurchschnittlich ausgeprägter Kompetenz gar nicht auf. Nach all den negativen Nachrichten wäre das doch mal etwas positives.
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