WDR verbannt BVB aus Vorspann: Die Wand ist weg

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Dortmunder Südtribüne: "Scheißaktion", sagt BVB-Trainer Klopp

Der Westdeutsche Rundfunk greift zu einer verblüffenden Maßnahme, um BVB-Fans eine Diskussion über Gewalt abzuringen - er entfernt die Dortmunder Südtribüne aus dem Vorspann seiner TV-Sendung "Lokalzeit". Die Anhänger sprechen von Sippenhaft, Trainer Klopp von einer "Scheißaktion".

Es ist ein Überraschungscoup, doch er löst bei den Protagonisten kaum Euphorie aus. Borussia Dortmund hat gerade den Vertrag von Erfolgstrainer Jürgen Klopp vorzeitig bis 2018 verlängert. Doch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sitzt nachdenklich auf dem Podium, nimmt einen Schluck aus einer schwarzgelben Getränkedose und schaut nicht gerade begeistert.

"Mein persönliches Empfinden ist ein wenig getrübt worden in den vergangenen Tagen", sagt Watzke auf die Frage eines Reporters, ob Sportdirektor Michael Zorc und er bald nachziehen werden mit neuen Verträgen. "Aber darum soll es heute nicht gehen", fügt Watzke hinzu und meint damit seine eigene Stimmung.

Den BVB-Boss beschäftigten nach wie vor die Ereignisse beim Revierderby auf Schalke, als Dortmunder Fans randalierten. Der DFB ermittelt, nun gibt es eine weitere Neuigkeit in dem Fall, eine lokale. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hat als Reaktion auf den massiven Einsatz von Pyrotechnik und Böller der Borussia-Anhänger beim Derby den Vorspann seiner Dortmunder "Lokalzeit"-Ausgabe geändert, einer TV-Sendung, die von Ereignissen in und um Dortmund berichtet. Verschwunden ist im Intro plötzlich eine Aufnahme der BVB-Südtribüne, wo die eingefleischten Fans stehen.

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Schalke vs. Dortmund: Randale auf Schalke
Zorc muss sich kurz ordnen, davon hat er noch nichts mitbekommen. Klopp mischt sich schnell ein: "Eines der eindrucksvollsten Monumente des Weltfußballs einfach rauszunehmen, weil da ein paar Leute drauf sind, die sich danebenbenommen haben, das könnte man im Duden auch unter 'populistisch' einordnen", sagt der 46-Jährige und spricht von einer "Scheißaktion" des WDR.

Ungläubig pflichtet ihm Zorc bei. Noch am Montag hat die Dortmunder "Lokalzeit" außer dem nicht einmal zwei Sekunden langen Schwenk über die Südtribüne andere bekannte Orte aus Stadt und Region gezeigt: das Schiffshebewerk Henrichenburg, die Westfalenhallen, die Hörder Burg, das Dortmunder U, Industrieromantik aus dem Ruhrpott. Menschen, die ohnehin meist zum Fußball nach Dortmund kommen, dürften beim Durchzappen nur das Stadion der Borussia zielsicher erkannt haben.

"Wir haben das demonstrativ gemacht"

Jetzt fehlt das "Monument des Weltfußballs" - als würde man den Kölnern den Dom wegnehmen. "In Dortmund geht man einen schweren Gang, wenn man so berichtet", sagt WDR-Studioleiter Gerald Baars: "Aber wir haben das demonstrativ gemacht." Die "Lokalzeit", ein TV-Flaggschiff des WDR, erreicht in Dortmund und Umgebung etwa 120.000 Zuschauer - macht anderthalb Westfalenstadien in der dortigen Alternativ-Währung für Menschenmassen.

"Viele Fans stehen daneben, kennen ihre Pappenheimer und distanzieren sich nicht deutlich", sagt Baars. Im E-Mail-Ordner der "Lokalzeit"-Redaktion sehe das nun anders aus. "Genau das wollte ich anstoßen." Heißt: das Thema durch den veränderten Vorspann auf die Agenda heben.

Patrick Bormann schreibt für das BVB-Fanzine "Schwatzgelb". Aus seiner Sicht wird vom Kern des Themas abgelenkt. "Bei uns herrschte kollektives Kopfschütteln", sagt er. Von "Funkstille", die der WDR kritisiert, könne keine Rede sein. Selbstverständlich würde niemand Gewalt gutheißen, betont Bormann.

Der WDR-Journalist Baars nennt auch einen weiteren, banalen Anstoß für den neuen Schnitt im Sendungsintro: "Wir haben bald Winterzeit. Da wird der Vorspann sowieso dunkler." Die sonnengeflutete Südtribüne habe nicht mehr so gut gepasst. Einen konkreten Zeitpunkt, an dem der BVB wiederaufgenommen würde, nennt Baars nicht.

Inzwischen hat die Borussia das Diskussionsrad ein Stück weitergedreht: Nach Derby-Krawallen, WDR-Aufregung und Klopp-Vertrag geht es um das neue "Winter-Trikot", das vierte der laufenden Saison. Auf der Brust tragen die Spieler ab Freitag die Südtribüne.

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1. Heavy!
gliep 30.10.2013
"Auf der Brust tragen die Spieler ab Freitag die Südtribüne." Die armen Kerle! Das können selbst Dortmunds Kicker-Millionäre nicht buckeln. ;-))
2. optional
steelman 30.10.2013
Es sind eben nicht nur "ein paar Leute". Würde die Fußballwelt - die offizielle, geldverdienende und die echten Fans) wirklich was unternehmen, wären die Kriminellen längst aus den Stadien verschwunden. So gibt es eben "Sippenhaft", aber warum sollte ein Symbol für diese Auswüchse überhaupt im Fernsehen gezeigt werden?
3. Ach Herr Klopp
andreas041961 30.10.2013
..........Eines der eindrucksvollsten Monumente des Weltfußballs einfach rauszunehmen, weil da ein paar Leute drauf sind, die sich daneben benommen haben, das könnte man im Duden auch unter ,populistisch' einordnen", sagt der 46-Jährige und spricht von einer "Scheißaktion" des WDR erinnern Sie sich doch mal Ihrer Wort vom DFB-Pokalspiel Dortmund - Dynamo Dresde, oder schon vergessen ??
4. Scheißaktion oder Scheißtrainer?
notorischernörgler 30.10.2013
Klopp sollte vielleicht mal ganz langsam sein Gehirn einschalten. Vielleicht kapiert er dann, dass man mit aggressivem Verhalten gegenüber Schiris und anderen Trainern und übler Fäkalsprache solche Sachen nicht unbedingt zum Guten wendet.
5.
ernies1 30.10.2013
Zitat von sysopREUTERSDer Westdeutsche Rundfunk greift zu einer verblüffenden Maßnahme, um BVB-Fans eine Diskussion über Gewalt abzuringen - er entfernt die Dortmunder Südtribüne aus dem Vorspann seiner TV-Sendung "Lokalzeit". Die Anhänger sprechen von Sippenhaft, Trainer Klopp von einer "Scheißaktion". http://www.spiegel.de/sport/fussball/wdr-verbannt-die-suedtribuene-von-borussia-dortmund-aus-vorspann-a-930936.html
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