Weltmeister Deutschland Tausende Fans feieren siegreiche Fußball-Frauen

Sie sangen, jubelten, hatten die Gesichter schwarz-rot-gold geschminkt und schwenkten Fahnen: Mehrere tausend Fans haben die deutschen Fußball-Weltmeisterinnen heute Abend auf dem Frankfurter Römer empfangen und eine stundenlange Party gefeiert.


Frankfurt - Es ging schneller als erwartet, und soll noch lange dauern: 34 Minuten früher als angekündigt landete die Lufthansa-Maschine mit den deutschen Fußball-Weltmeisterinnen aus Shanghai auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen. Deutlich zu erkennen an der riesigen Fahne, die Nationalspielerin Melanie Behringer aus dem Cockpit schwenkte: Auftakt einer langen Nacht, denn am Frankfurter Römer hatten sich bereits mehrere tausend Fans eingefunden, um das Team zu feiern. Und dann war es soweit: Um 19.25 Uhr stand die Mannschaft auf dem Balkon des Rathauses, zeigte den Pokal und ließ sich feiern. Die rund 15.000 Zuschauer zählten die letzten zehn Sekunden bis zum großen Auftritt herunter und machten zusammen mit der Mannschaft mehrere La-Ola-Wellen.

`Ich bin total überwältigt und freue mich, dass hier soviele Menschen hergekommen sind. Wir werden jetzt ein bisschen zusammen feiern", rief die sichtlich gerührte DFB-Trainerin Silvia Neid und kam dann trotz eines Mikros und riesigen Lautsprechern nicht mehr gegen den Minuten anhaltenden Jubel der Fans an. Es folgten weitere Wellen der Spielerinnen und Zuschauer. "Der Empfang auf dem Balkon ist ein Hammergefühl. Das erlebt man nur einmal im Leben. Ich habe das noch gar nicht realisiert", sagte Melanie Behringer.

Bereits auf dem Rollfeld hatte sich ein ein großes Empfangskomitee eingefunden. Joachim Löw, Bundestrainer der deutschen Männer-Nationalmannschaft, stand als erster Gratulant am Ende der Gangway und begrüßte jede Weltmeisterin mit einem Küsschen links und rechts. "Ich habe am Sonntag die Bundesliga einfach mal sausen lassen und das Spiel der deutschen Frauen genossen. Ich bin begeistert von ihrem Spiel und dem Tempo." Gleichzeitig knipste die ehemalige DFB-Trainerin Tina Theune-Meyer, die das deutsche Frauenteam 2003 zum ersten WM-Titel geführt hatte, eifrig Erinnerungsfotos.

Angesichts einer durchfeierten Nacht und eines langen Fluges nach dem 2:0 im Finale gegen die Brasilianerinnen trugen einige der Damen Sonnenbrillen. Auch Stürmerin Birgit Prinz zeigte sich sehr gelöst: "Die Nacht war lang oder auch kurz. Ich habe mit der Mannschaft gefeiert, mir aber auch ein bisschen Zeit für mich genommen und den Moment genossen", sagte die Spielführerin. Und Torhüterin Nadine Angerer, die im gesamten Turnier ohne Gegentreffer geblieben war und damit einen Weltrekord aufgestellt hatte, waren die Strapazen der langen Nacht deutlich anzusehen. "Wir waren spät im Hotel, dann gab es ein Abendessen und die 'blaue Stunde'. Die Party begann gegen zwei Uhr und dauerte bis zur Abfahrt zum Flughafen", berichtete Angerer in der ARD.

Vom Frankfurter Flughafen ging es dann in einem von einer Polizei-Eskorte begleiteten Bus 17 Kilometer in die Innenstadt der Bankenmetropole zum offiziellen Empfang im Rathaus am Römerberg. Dort folgte dann für die DFB-Delegation der Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Frankfurt und die offizielle Begrüßung im Kaisersaal - für zwölf Weltmeisterinnen sogar ein weiteres Mal nach dem Triumph von 2003.

Am Römerberg herrschte schon zwei Stunden vor der Ankunft des deutschen Teams, das als erste Mannschaft überhaupt den WM-Titel hatte erfolgreich verteidigen können, Volksfestimmung. Mehrere tausend Menschen versammelten sich unter dem Balkon des Rathauses, wo traditionell die großen Erfolge deutscher Teams wie auch die WM- und EM-Titel der Männer-Mannschaft gefeiert werden. Kinder und Jugendliche waren in Farben der deutschen Nationalflagge geschminkt und hatten die Nationaltrikots von der Männer-WM 2006 im eigenen Land aus den Schränken geholt. Auf dem Platz war eine riesige Bühne aufgebaut, von der aus einen buntes Rahmenprogramm präsentiert wurde. Die Ex-Nationalspielerinnen Steffi Jones und Nia Künzer, die im WM-Finale 2003 in Carson/USA das Golden Goal zum 2:1 gegen Schweden erzielt hatte, gaben den vielen Fans eifrig Autogramme.

mti/sid



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