Werder-Remis gegen Hertha Die Abstiegskämpfer

Werder hat das nächste Ausrufezeichen gesetzt. Die Bremer lagen gegen Hertha BSC 0:2 und 1:3 hinten - und freuten sich über eine starke Moral und großen Kampfgeist. Es herrscht wieder Zuversicht an der Weser.

Bremens Stürmer Ujah (l.): Auf viele Millionen verzichtet
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Bremens Stürmer Ujah (l.): Auf viele Millionen verzichtet


Pal Dardai trug einen inneren Konflikt aus. "Als Fan oder Zuschauer hätte ich gesagt: geiles Spiel!", berichtete der Ungar aus seiner Gefühlswelt. Doch leider konnte er sich diesen Blick auf die Partie in Bremen nicht leisten. Dardai ist Trainer der Berliner, die gegen den SV Werder Bremen einen Zwei-Tore-Vorsprung verspielt hatten. Und das sogar zweimal. 2:0 und 3:1 stand es zwischenzeitlich für den Tabellendritten der Bundesliga. In den Schlussminuten allerdings donnerten Freudengesänge des Bremer Publikums durch das Weserstadion. "Der SVW ist wieder da!", riefen die Fans. Die Gastgeber waren durch zwei Treffer von Claudio Pizarro noch zu einem 3:3-Remis gekommen.

Dardai verließ den Ort der Veranstaltung also enttäuscht, auch wenn die Lage bei den Berlinern nach wie vor blendend ist. Statt gegen den Abstieg spielt das Team um den Champions-League-Einzug. Die Bremer dagegen freuten sich über ihren Kampfgeist und ihre Moral, die Trainer Viktor Skripnik am Ende des Nachmittags sogar zu der These verleitete, dass sich das Team keine Sorgen um den Verbleib in der Bundesliga machen müsse: "Diese Mannschaft steigt nicht ab!"

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Bundesliga: BVB im Glück, Bremen zeigt Moral
Für Sportchef Thomas Eichin fühlte sich das Unentschieden ebenfalls an wie ein Sieg: "Kompliment an die Mannschaft und auch an unser Publikum." Es gab keine Pfiffe, obwohl es schlecht lief für die Bremer. Bei den ersten beiden Gegentoren durch den Fernschuss von Vladimir Darida und einen Freistoß von Marvin Plattenhardt hatte Torwart Felix Wiedwald schlecht ausgesehen. Den dritten Gegentreffer durch Salomon Kalou hatte Werders Galionsfigur Clemens Fritz eingeleitet. "Wir haben alle Tore durch individuelle Fehler kassiert. Dann ist es schwierig, zurückzukommen", referierte Bremens Sportchef Thomas Eichin.

Dass den Bremern dieses Unterfangen gelang, darf ihnen Mut machen im Abstiegskampf. Zwei Spiele hat die Mannschaft im neuen Jahr gemacht, zweimal hat sie gepunktet. Beim Sieg auf Schalke dreifach, gegen den Tabellendritten aus Berlin immerhin einfach. "Wenn mir das vorher jemand angeboten hätte, ich hätte blind unterschrieben", sagte Eichin. Fünf Zähler beträgt nun der Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz. Die Bremer sind gut ins neue Jahr gestartet und können zuversichtlich auf die wichtigen Aufgaben der kommenden Wochen blicken.

Als nächstes geht es nach Mönchengladbach, erst danach warten Konkurrenten im Abstiegskampf: Hoffenheim, Ingolstadt, Darmstadt. Anfang März ist Hannover 96 zu Gast im Weserstadion, aktuell Tabellenletzter. Die Partie wird ein Wiedersehen mit dem langjährigen Erfolgstrainer Thomas Schaaf. Dass die Bremer in den kommenden Wochen auftreten wie von einem anderem Stern, ist allerdings nicht zu erwarten. "Es ist klar, dass wir nicht in jedem Spiel zu null spielen und famosen Fußball zeigen", sagte Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic. Wichtiger seien im Abstiegskampf die Tugenden, die das Team gegen Hertha BSC nachgewiesen hatte: "Wir müssen immer wieder aufstehen und bis zum Schluss alles auf den Platz bringen." Die Bremer sehen sich als echte Abstiegs-Kämpfer.

Djilobodji überzeugt erneut

Dass dieser Kampf zu einem guten Ende führen könnte, zumindest den Eindrücken der ersten beiden Rückrundenspiele zufolge, hat auch mit Werders Transferpolitik in der Winterpause zu tun. Der vom FC Chelsea geliehene Innenverteidiger Papy Djilobodji zeigte wie schon beim Erfolg auf Schalke eine starke Leistung und hatte die meisten Ballkontakte des Spiels. Der nach gut einer Stunde eingewechselte László Kleinheisler, gerade aus Ungarn umgesiedelt, überzeugte im Mittelfeld vor allem kämpferisch.

Für Anthony Ujah hätten die Bremer eine zweistellige Millionensumme einnehmen können, weil aus China ein entsprechendes Angebot eingegangen war, doch sie wollten ihren Torjäger behalten. "Er ist ein ganz wichtiger Spieler, wir mussten diese Entscheidung im Sinne von Werder Bremen treffen", sagte Sportchef Eichin über die Absage nach Fernost. Gegen Hertha war es dann allerdings Ujahs Kollege Pizarro, der doppelt traf und in der ewigen Bestenliste der Bundesliga mit Ulf Kirsten auf dem fünften Platz gleichzog.

So gab es für Werder noch mehr zur Grund zur Freude als nur das schwer erkämpfte Remis gegen den Tabellendritten.



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gympanse 31.01.2016
1.
Das Spiel war echt klasse. Eigentlich hätten beide Teams 3 Punkte verdient.
aurichter 31.01.2016
2. Der SVW
hat tatsächlich wieder Moral bewiesen, aber es wird nicht immer nach Fehlern so gut ausgehen. Es kostet einfach zuviel Kraft und diese wird bis zum Ende der Saison bei dem Spielstil garantiert nicht reichen. Man wünscht sich endlich einmal, daß Werder von der ersten Minute an den Willen zeigt gewinnen zu wollen. Warum also immer erst bis kurz vor Spielende warten. Die Mannschaft zeigt doch, daß es geht und auch Erfolg verspricht. Hatte ganz ehrlich nach dem 3ten Herthator schon die Felle davon ziehen sehen. Auch mal vorlegen ist der Wunsch, kostet dann weniger Körner.
jfluo 31.01.2016
3.
Von beiden Manschsften ein Superspiel, hat Riesenspass gemacht!
retterdernation 31.01.2016
4. 1974 war es - damals in Bremen
im Weserstadion - als Werder gegen den 1.FC Köln ein 0:2 aufholte und 4:2 gewann. Damals erreichte mich als kleiner Junge der unbedingte, kämpferische Einsatz der Bremer. Und von da an waren die Bremer bis zum heutigen Tag - einer meiner Lieblingsvereine. Nach der Hertha, klar, so als Berliner-Junge. Kämpferisch ging es auch gestern zu! Auf schwerem Rasen gelang es den Bremern aus einem 1:3 noch ein Unentschieden zu machen. Was natürlich aus Berliner-Sicht - am nicht ganz einfach zu bespielenden Platz lag. Kampf ist Trumpf - hieß es. Und dabei lagen die Bremer einfach etwas vorne. Aus Berliner-Sicht schade. Aus Bremer-Sicht gerecht. Dieses 3:3 hat Spaß gemacht und hat gezeigt - wie abwechslungsreich und spannend Bundesliga sein kann. Dank an beide Mannschaften dafür. Und im Ausblick - jetzt kommt Dortmund nach Berlin - Top oder Flop - wir werden sehen, spannend auf alle Fälle. Und zu Werder. Ich glaube auch an Euch ... :-))
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