Dutt-Entlassung bei Werder Bremen Rauswurf aus Panik

Robin Dutt hatte in der laufenden Bundesligasaison kein Spiel gewonnen. Also entließ Werder Bremen seinen Trainer. Ein normaler Vorgang in der Liga - eigentlich. Doch der Schritt könnte fatal sein.

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Thomas Eichin saß neben Robin Dutt auf der Bank von Werder Bremen, als der Schiedsrichter die Partie gegen Köln beendete. Einen Moment lang blieb Werders Sportchef sitzen. Dann erhob er sich mit einem Ruck. Während Trainer Dutt noch einige Momente brauchte, ehe er die Fassung wiedergefunden hatte, war Eichin bereits unterwegs zu den TV-Reportern. Er wirkte entschlossen. Womöglich war ihm schon da bewusst, was nun verkündet worden ist. Das Kapitel Robin Dutt bei Werder Bremen - es ist beendet.

Keines der neun Ligaspiele konnte Dutts Mannschaft bislang gewinnen, sie steht auf Platz 18. Es ist der schlechteste Saisonstart der Vereinsgeschichte. In solchen Situationen reagieren Bundesligaklubs üblicherweise so: Sie entlassen den Trainer.

Aber war Werder nicht anders?

Was den Klub von anderen abhebe, sei die Ruhe, mit der dort gearbeitet werde. So sagt man. Dass Otto Rehhagel von 1981 bis 1995 14 Jahre Werder-Trainer blieb, hat dieses Image einst geprägt; Thomas Schaafs 14-jährige Amtszeit (1999 bis 2013) hat es gefestigt. Werder sei "eine der letzten Bastionen im Profifußball", sagte auch Dutt vor einem Jahr. Dass das ein Trugschluss war, bekommt er nun zu spüren.

Eichins "Endspiel" sorgte für Negativ-Dynamik

Als "Endspiel" hatte Eichin die Partie gegen Köln deklariert. Damit erhöhte er den Druck auf Trainer und Mannschaft massiv. Im Spiel gegen Köln (0:1) entlud sich die Anspannung: zunächst in Form eines übermotivierten und kopflosen Anrennens, dann, nach dem Rückstand, in Resignation. Werders Profis wirkten entsetzt, und mit ihnen war es das Publikum, das in fassungsloser Starre minutenlang schwieg.

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Robin Dutt: Gefeiert in Freiburg, gescheitert in Leverkusen und Bremen
Das Werder von heute hat nichts mehr gemein mit dem Werder der Ära Allofs/Schaaf: nicht die sportliche Qualität, klar, aber vor allem auch nicht die souveräne Kontinuität, die oft als Voraussetzung für die Erfolge der Vergangenheit genannt wurde. Stattdessen sorgte Eichin mit seinen Aussagen für eine negative Dynamik, die das Team hemmte und an deren Ende fast zwangsläufig die Entlassung des Trainers stehen musste.

Das Werder von heute erinnert viel mehr an das Werder vom Ende der Neunzigerjahre, als in der Post-Rehhagel-Phase vier Trainer in vier Jahren verschlissen wurden. So früh wie jetzt Dutt - nach 18 Monaten - wurde in Bremen seit Wolfgang Sidka 1998 kein Coach mehr entlassen.

"Die Offensive ist mein Steckenpferd. Die Defensive ist vom taktischen Ablauf her aber einfacher zu trainieren", sagte Dutt vergangene Saison. Fakt ist, dass es ihm weder gelungen ist, Werders Defensive zu stabilisieren, noch ein funktionierendes Angriffsspiel zu etablieren. Dutts Fußball ist nicht schön und er ist nicht erfolgreich. Der Trainer hat es weder geschafft, talentierte Jugendspieler voranzubringen, noch die vorhandenden Profis zu verbessern. Er setzte Spieler auf ihnen fremden Positionen ein und ignorierte Ludovic Obraniak, obwohl dieser im vergangenen Winter extra eingekauft worden war, um Werders Offensive zu verstärken.

Dutt zu entlassen, war ein Fehler

Und doch war es womöglich ein Fehler, Dutt nicht mehr Zeit zu geben. Frankfurt, Paderborn, Stuttgart: Zahlreiche Spiele gegen Teams, deren Kader als nicht viel stärker als Werder einzuschätzen sind, stehen bis zum Winter an.

Die Entlassung zu diesem frühen Zeitpunkt ist eine Panikreaktion. Und sie bewirkt, dass Werder nicht länger der Bundesligist bleibt, der anders ist. Die Gesetze der Liga gelten spätestens seit dem Amtsantritt Eichins auch in Bremen. In den knapp zwei Jahren, in denen er Sportchef bei Werder ist, hat sich der Verein von zwei Trainern getrennt. Sein nächster Zug ist nun von immenser Bedeutung für den Klub.

Als möglicher Dutt-Nachfolger wurde zuletzt unter anderem Huub Stevens ins Gespräch gebracht. Der Niederländer ist erfahren darin, Mannschaften vor dem Abstieg zu bewahren, in der vergangenen Saison rettete er den VfB Stuttgart. Ihn als Feuerwehrmann zu verpflichten, wäre das, was Bundesligaklubs normalerweise tun. Eichin könnte aber auch anders. Er könnte langfristig auf Viktor Skripnik vertrauen, der zunächst als Dutt-Nachfolger bekannt gegeben worden ist.

Als sich der Klub kurz vor der Jahrtausendwende in akuter Abstiegsgefahr befand, setzte die Bremer Klubführung alles auf den unerfahrenen Nachwuchscoach Schaaf, ein Werder-Urgestein. Wie gut das funktionierte, ist bekannt. Skripnik, ein exzellenter Fußballfachmann und Verfechter eines offensiven Stils, ist seit 1996 im Verein. Ein echtes Werder-Urgestein.

Es ist ihm durchaus zuzutrauen, Werder wieder auf den Weg zu bringen, mit ansprechendem Fußball. Es wäre: typisch Werder.

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insgesamt 67 Beiträge
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Seite 1
uhrentoaster 25.10.2014
1. Eichin
Das Problem sind Eichin und schlechte Kundschafter (neudeutsch: Scouts). Ich kann mir nicht vorstellen, dass man mit diesem Kader die Klasse hält.
aschu0959 25.10.2014
2. Ich will ja nicht sagen ich hätts gewusst,
aber mir war von Anfang an klar, daß Werder und Dutt kein gutes Paar sein werden. Und dabei ist Dutt nicht das Hauptproblem.... Mit dieser Gurkentruppe ist kein Staat zu machen. Auf Wiedersehen in Liga II
gsflair 25.10.2014
3.
Ist das ein Witz? Erst wird der Rauswurf von SPON & Co. herbeigeschrieben, und jetzt wird dieser als Fehler dargestellt?
s-fragt-nach 25.10.2014
4. Endlich
Neben Dutt müsste nun auch Eichin entlassen werden, dann hat Werder die Chance sich auf alte Tugenden zu besinnen und wieder durchzustarten, mit dem Trainer und Manager ist es nicht möglich...
ruphartt 25.10.2014
5.
Was heißt Panik. Abgesehen davon das der Kader nicht sonderlich gut ist, muss man schon zugeben das Herr Dutt auch nicht gerade ein Klopp, Favre oder Guardiola ist.
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