Werders Remis gegen Darmstadt Stimmung gut, Mannschaft schlecht

Gegen Darmstadt überzeugten bei Werder Bremen lange nur die Fans. Trainer Viktor Skripnik droht nun das Aus. Alles Wichtige zum Bremer Unentschieden im Abstiegskampf.

Werder-Coach Skripnik:    Extrem offensive   Ausrichtung
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Werder-Coach Skripnik: Extrem offensive Ausrichtung

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Ausgangslage: Es war ein "Endspiel" für Werder-Trainer Viktor Skripnik. Der Coach, in der vergangenen Saison als Retter gefeiert, dümpelt mit seiner Elf im Tabellenkeller herum. Die größten Kritikpunkte in dieser Saison: Die Abwehrprobleme (altbekannt) und die Heimschwäche (neu). Achtmal in Folge gab es für die Bremer keinen Heimsieg mehr, nie war Werder in seiner Bundesligageschichte zu Hause harmloser. Sollte auch gegen Darmstadt kein Erfolg gelingen, würde es eng werden für Skripnik.

Ergebnis: 2:2 (1:1). Anthony Ujah brachte Werder in Führung (33. Minute), Sandro Wagner glich für Darmstadt aus (44./Foulelfmeter), Aytac Sulu drehte später die Partie (82.). Claudio Pizarro sicherte Werder mit seinem 183. Bundesligatreffer noch den Punkt (89.). Werder bleibt 16., Darmstadt steht auf Platz 13.

Wagnis des Spiels: Skripniks Aufstellung. Nachdem er am vergangenen Spieltag in Ingolstadt (0:2) aufs Fußballspielen verzichtete und sich damit begnügte, den Gastgebern das Spielfeld umzupflügen, setzte er nun gegen Darmstadt auf eine extrem mutige Variante, unter anderem spielte mit Florian Grillitsch ein gelernter Offensivmann als alleiniger Sechser. Sowas nennt man wohl "Überkompensation". Der Plan ging nicht auf.

Die erste Hälfte: Wer eine angriffslustige, gegen die Krise ankämpfende Bremer Mannschaft erwartet hatte, sah sich getäuscht. Stattdessen schien Werder erfasst vom großen Zittern. Nach vorne brachten die Gastgeber nichts zustande, hinten wackelte die Abwehr, doch Sandro Wagner (13.), Konstantin Rausch (22.) und Jérôme Gondorf (25.) verpassten das 1:0. Aus dem Nichts folgte die Bremer Führung durch Ujah, der nach Zlatko Junuzovics Flanke und Sambou Yatabaré Ablage Werders einzig klare Chance verwertete. Doch noch vor der Pause fiel der Ausgleich. Er war mehr als verdient.

Darmstadt-Stürmer Wagner (r): Eiskalt vom Punkt
DPA

Darmstadt-Stürmer Wagner (r): Eiskalt vom Punkt

Werder-Schreck des Spiels: 2010/2011 half Sandro Wagner mit, Werder in der Bundesliga zu halten, indem er fünf Treffer, davon drei per Elfmeter, für die Bremer erzielte. Nun schießt Wagner seinen Ex-Klub in Richtung zweite Liga. Bereits im Hinspiel traf er doppelt beim Darmstädter 2:1-Sieg. Auch diesmal war Wagner erfolgreich. Natürlich per Elfmeter.

Die zweite Hälfte: Werder machte zunächst weiter einen erschreckenden Eindruck. Erst in der 67. Minute kamen die Bremer zu ihrer ersten Chance nach der Pause, Ujah scheiterte jedoch an Darmstadts Torwart Christian Mathenia. Als man dachte, Werder sei aufgewacht, fiel das 1:2 durch Sulu nach einem Standard. Bremen geriet in Panik, warf alles nach vorne und kam tatsächlich zu guten Chancen, von denen Pizarro eine nutzte. Nach glücklichen Bremern suchte man nach der Partie dennoch vergeblich. In einem Schlüsselspiel so lange derart zu enttäuschen, gibt großen Anlass zur Sorge.

Aufreger (Plural) des Spiels: Da wäre Werders 2:2, das aus einem Eckball resultierte, den es nicht hätte geben dürfen, weil ihm eine Abseitsstellung des Peruaners vorausgegangen war. Vor allem echauffierten sich die Zuschauer jedoch über einen Zweikampf zwischen Sulu und Ujah, bei dem der Darmstädter den Bremer gelbwürdig foulte. Nicht klug, wenn man wie Sulu bereits verwarnt ist. Der Verteidiger durfte aber auf dem Feld bleiben - und erzielte kurz darauf das 2:1.

Rückhalt des Spiels: Ist in der jüngeren Vergangenheit des SV Werder grundsätzlich nicht der Torwart. Die Rolle kommt den Bremer Fans zu. Auch gegen Darmstadt mussten die Zuschauer im Weserstadion fußballerische Magerkost ertragen. Ihre Geduld scheint allmählich am Ende, wie sie vor der Partie kundtaten.

Erkenntnis des Spiels: Neun Heimspiele hintereinander ohne Sieg. Saisonübergreifend 26 Bundesligapartien in Folge nicht mehr zu Null gespielt. Zwei Punkte aus den Schlüsselspielen gegen Hoffenheim, Ingolstadt und Darmstadt. Und vor allem: grausamer Fußball. Werder spielt wie ein Absteiger. Dagegen scheint Trainer Viktor Skripnik momentan machtlos.



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insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
fanasy 27.02.2016
1. ausgleichende Gerechtigkeit
sowohl Sulus Foul als auch das Abseits waren Fehlentscheidungen. Das Remis geht in Ordnung, die Lilien haben in der zweiten Hälfte kaum was nach vorne machen können.
krissy 27.02.2016
2. Für Werder
zum Leben zu wenig, zum Sterben zuviel. Es ist kein Ruhmesblatt für die Bundesliga, daß die Aufsteiger dermaßen gut dastehen.
ftb7 27.02.2016
3.
Wieso sollte skripnik wackeln. Der holt das optimale aus der Truppe raus. Aber Werder hat nur 2-3 Bundesliga tauglich Spieler und das ist ganz klar Eichins schuld.
tobo5824-09 27.02.2016
4.
"Grausamer Fußball"? Ich war vor 14 Tagen im Weserstadion gegen Hoffenheim und sah zwar kein hochklassiges Spiel, wohl aber eine deutlich überlegene Bremer Mannschaft, die es lediglich versäumt hat, ihre hochkarätigen Chancen zu verwerten. Dass kann, und das muss, und das wird besser werden. Vielleicht schon am Mittwoch in Leverkusen. Das war ja zuletzt kein so schlechtes Pflaster und zeigte, was in dieser Mannschaft steckt. Abstieg und statt dessen RoteBrause Leipzig? Es wäre nicht nur ein Jammer, es wäre eine Katastrophe für die Liga und vermutlich ein Schlag, von dem sich der Verein so schnell nicht erholen könnte. Und bitte unbedingt an Skripnik festhalten. Den halte ich für einen der klügsten Trainer in der Liga und für einen der menschlich sympathischsten sowieso.
widower+2 27.02.2016
5. Ganz gut
So weit ganz gut der Artikel. Es hätte jedoch geholfen, wenn sich der Autor das Spiel tatsächlich angeschaut hätte. Denn spätestens mit der Schilderung der 2. Halbzeit liegt er ganz grob daneben. Da war Werder klar besser. Insgesamt war das Unentschieden für Darmstadt äußerst glücklich.
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