Bundesligist Bremen: Werder im Wunderland

Von Jan Reschke

Die Stars sind weg, dennoch will Werder Bremen mit einer runderneuerten Mannschaft in den Europapokal. Doch das wird ein Wunschtraum bleiben. Das junge Team muss sich erst finden. Zudem plagt den Club ein Problem an ganz anderer Stelle.

Werder Bremen: Viele Neue, viele Fragen Fotos
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Hamburg - Fans von Werder Bremen haben es derzeit nicht leicht. Taucht ihr Team in den Nachrichten auf, gibt es meist Negatives zu vermelden. Transfer von Naldo zu Wolfsburg? Klappte erst im zweiten Anlauf. Spielmacherhoffnung Mehmet Ekici? Wieder einmal verletzt. Der Kader für die kommende Saison? Verliert durch die Abgänge von Größen wie Claudio Pizarro, Tim Wiese, Marko Marin und Naldo sein komplettes Gerüst.

Immerhin: Es gibt auch Positives zu vermelden. Die Transfers von Nils Petersen, Eljero Elia und Theodor Gebre Selassie zum Beispiel. Auch die jüngste Testspielbilanz von drei Siegen und einem Remis am Wochenende gegen Energie Cottbus bei einem Torverhältnis von 30:1 kann sich sehen lassen. Das war es dann aber auch schon an guten Nachrichten. Dennoch sagte Kapitän Clemens Fritz im "Kicker": "Unser Anspruch muss sein, international zu spielen."

Angesichts der dramatischen Veränderung, der der Kader unterzogen wurde, eine gewagte These. Gestandene Bundesliga-Profis gibt es nur noch wenige. Vielmehr ist es eine Mischung aus teils sehr talentierten und in anderen Clubs gescheiterten Spielern, mit denen Werder-Coach Thomas Schaaf die kommende Saison angehen muss. Oder, wie es Zugang Petersen ausdrückt: die "Wundertüte Werder".

Spieler müssen einen gewaltigen Sprung schaffen

Was drinsteckt in dieser Wundertüte wissen die Verantwortlichen offenbar auch noch nicht recht. Ein Saisonziel wollen sie bislang noch nicht ausgeben. Fest steht aber: Etliche Spieler müssen einen gewaltigen Sprung schaffen, damit das von Fritz ehrgeizig formulierte Ziel nicht schon nach wenigen Spieltagen aus den Augen verloren wird.

Zuzutrauen ist diese Entwicklung einigen Profis durchaus. Auf Tom Trybull ruhen viele Hoffnungen, dass er sich künftig an der Seite von Fritz im defensiven Mittelfeld etablieren kann. Florian Hartherz auf der linken Abwehrseite hat ebenfalls den Ruf eines großen Talents - den Zugang Elia bereits wieder verloren hat. Der Niederländer steckt eher in der Schublade "Hochveranlagt, aber schwieriger Charakter". Ob Werder ihn da raus bekommt?

Zumal den jungen Leuten Routiniers fehlen, die ihnen in schwierigen Phasen Halt geben können. Torsten Frings, Pizarro, Wiese, Diego, Mesut Özil. Werder hatte immer ein funktionierendes Gerüst, um das herum das Team verstärkt wurde. Doch diesmal sind die Jungen auf sich gestellt.

Kritik an der medizinischen Abteilung gab es schon häufiger

Problematisch könnte es für den Club werden, wenn die Verletzungssorgen ähnlich groß werden sollten wie in der vergangenen Saison, als phasenweise bis zu neun Profis ausfielen. Dann könnte auch die Kritik an der medizinischen Abteilung lauter werden, die es in der Vergangenheit schon häufiger gab. Am eklatantesten im Fall von Ivan Klasnic, zuletzt im Zusammenhang mit dem Transfer Naldos.

Auch Ekicis erneute Verletzung wirft Fragen auf, handelt es sich doch um seine Hüftverletzung, die ihm schon häufiger Probleme bereitet hat. In der vergangenen Saison bestritt er auch wegen etlicher weiterer Blessuren nur zwei Spiele über die volle Distanz und fand nie zu der Form, die seine Fünf-Millionen-Euro-Ablöse rechtfertigen würde.

Es sind nicht die ersten Vorwürfe, die sich die medizinische Abteilung Werders anhören muss. Pierre Womé, ehemaliger Außenverteidiger sagte einst zu Journalisten: "Wir haben hier ein großes Problem mit den Ärzten, da können Sie hier jeden Spieler fragen." Auch um Klasnics Nierenkrankheit gab es viele Diskussionen, er gab ebenfalls den Ärzten die Schuld, die, angesprochen auf ihr Wirken, auf wissenschaftliche Studien verweisen, die ihnen gute Arbeit bescheinigen.

Werder Bremen vor der Saison 2012, das ist ein bisschen wie die Geschichte von "Alice im Wunderland". Auch das kleine Mädchen, weiß nie, was sie als nächstes erwartet. Ebenso wenig wie die Fans bei Werder Bremen.

Immerhin, in der jüngsten Verfilmung der Geschichte durch Tim Burton gibt es ein Happy End.

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