Bremer Kritik am Polizeieinsatz beim Nordderby "Dann können wir gleich die Gästebereiche schließen"

Werder Bremen hat die Maßnahmen der Hamburger Polizei rund um das Bundesliga-Duell beim HSV scharf kritisiert. Auch "völlig unbescholtenen" Werder-Fans habe man die Anreise verwehrt - das sei "überzogen".

Polizisten vor dem Volksparkstadion in Hamburg, 30.09.17
DPA

Polizisten vor dem Volksparkstadion in Hamburg, 30.09.17


Das Präsidium des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen hat eine Aktion der Hamburger Polizei vor dem Nordderby am vergangenen Wochenende beim Hamburger SV (0:0) als "überzogen und nicht nachvollziehbar" bewertet.

Die Beamten hatten vor der Partie 171 Anhänger in 31 Fahrzeugen auf einem Parkplatz in der Nähe des Volksparkstadions eine Stunde über das Spielende hinaus festgehalten. Begründet wurde die Maßnahme mit einer sogenannten "konspirativen Anreise" im PKW statt im Bus. Bereits vor den vergangenen beiden Bremer Bundesliga-Spielen in Hamburg war es im April und im November 2016 zu ähnlichen Ausschlussaktionen der Hamburger Polizei gegen Teile der Werder-Fanszene gekommen.

Grundsätzlich unterstütze der Verein die Polizei im Kampf gegen Gewalttäter, "sie soll auch jeden festhalten, der Gewalt propagiert und Waffen und Pyrotechnik bei sich führt", sagte Werder Bremens Präsident und Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald. Der Einsatz am Wochenende aber werfe viele Fragen auf: "Nach unseren Nachfragen kann es nicht ausgeschlossen werden, dass in dieser Polizeikontrolle auch völlig unbescholtene Fans hängen geblieben sind."

"Die individuelle Anreise zu einem Bundesligaspiel ist nicht verboten", wird Hess-Grunewold in einem Statement auf der Vereinshomepage zitiert. "Wenn die Argumentation des Hamburger Polizeisprechers Schule macht, dann können wir gleich die Gästebereiche aller Bundesliga-Stadien schließen."

chh/sid

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insgesamt 31 Beiträge
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rocketsquirrel 03.10.2017
1. Konspiratives Autofahren...
...eins meiner liebsten Hobbies. :)
widower+2 03.10.2017
2. Reine Schikane
Entgegen der Aussage der Polizei, war von Anfang an geplant, die Fans so lange wie möglich auf diesem Parkplatz festzuhalten und nicht - wie den Werder-Offiziellen zugesagt - möglichst rechtzeitig zum Stadion zu eskortieren. Oder warum hat man um 16:00 Uhr schon einen Lichtmast aufgebaut. Um 171 Menschen zu durchsuchen, braucht man bei dem Polizeiaufgebot auch keine sechs Stunden. Und seit wann ist es verboten, mit dem Auto anzureisen?
locust 03.10.2017
3. ...?...
Wie lautet doch gleich noch mal die Rechtsfolge für "konspirative Anreise"? Auf welcher Rechtsgrundlage fußt die mehrstündige freiheitsentziehende Maßnahme? Und warum wurde diese Maßnahme, meines Wissens nach, nie bei der "konspirativen Anreise" zum Beispiel zu Nazi-Konzerten angewandt? Es geht nicht darum, dass ich es per se ablehne, dass bewaffnete "Fußball-Leute" es schwer haben soll anzureisen, sondern darum, dass ich das Gefühl nicht los werde, dass die Polizei gerne mal macht was sie will. Und? Darf sie das? Nein! Das darf sie nicht.
inge-p.1 03.10.2017
4. Diese Polizeieisätze hätten ein Ende, ...
.... wenn die Vereine diese Einsätze selber bezahlen müssten.
frummler 03.10.2017
5. auf freiheitsberaubung und schadenseratz verklagen!
die spinnen wohl ? was gibt denen das recht völlig normale und bis daher unauffällige bürger stundenlange festzuhalten?
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