Werder-Torjäger: Pizarro droht Nachspiel wegen Ohrfeige

Von

Klarer Sieg gegen Hannover, Platz sechs gefestigt: Nach zuletzt zwei Pleiten macht Bremen wieder sportliche Schlagzeilen. Einer der besten Werder-Spieler gegen 96 war wieder einmal Claudio Pizarro. Doch für den Torjäger könnte das Spiel noch böse Folgen haben, der DFB ermittelt.

Werder-Stürmer Pizarro: "Ich habe mich nur befreit" Zur Großansicht
Getty Images

Werder-Stürmer Pizarro: "Ich habe mich nur befreit"

Hamburg - Patsch, da hatte sich Emanuel Pogatetz eine eingefangen. Es war die 48. Minute zwischen Werder Bremen und Hannover 96, als Mehmet Ekici einen Freistoß in Hannovers Strafraum schlagen wollte. Dort hatten sich schon mehrere Pärchen gebildet, unter anderem 96-Verteidiger Pogatetz und Claudio Pizarro. Ein wenig Gerangel hier, ein wenig Geschubse dort, dann hatte Werders Torjäger genug von den Zärtlichkeiten des Österreichers und verpasste ihm mit der linken Hand eine leichte Ohrfeige.

Die Aktion unmittelbar vor dem 2:0, als Sebastian Prödl den Ekici-Freistoß per Kopf ins 96-Tor wuchtete, war der Aufreger des Spiels und das beherrschende Thema nach dem Schlusspfiff. "Ich habe ihm eine gegeben, aber ich wollte es nicht", gab Pizarro zu, fügte aber an: "Ich habe mich nur befreit." Auch Werder-Trainer Thomas Schaaf räumte ein: "Sicherlich hat die Hand da nichts zu suchen." Aber auch der 50-Jährige hatte eine Erklärung für die Tat: "Er wird auch provoziert."

Befreien wollen, oder nicht, provoziert werden, oder nicht: Pizarros Aktion war schlicht und ergreifend eine Ohrfeige, und damit eine Tätlichkeit. Nach Anhaben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat Schiedsrichter Christian Dingert erklärt, diese Szene nicht gesehen zu haben. Daher hat der Verband die Ermittlungen aufgenommen.

Pogatetz wurde im Februar nachträglich für drei Spiele gesperrt

Dass der DFB im Zweifel keine Gnade kennt, weiß derzeit niemand besser als das "Opfer" Pogatetz. Das Sportgericht des DFB hatte den Abwehrspieler Anfang Februar nachträglich für drei Spiele gesperrt, weil dieser in der Partie gegen den 1. FC Nürnberg seinem Gegenspieler Philipp Wollscheid mit der linken Faust in den Nacken geschlagen hatte. Da Schiedsrichter Marco Fritz die Szene nicht gesehen hatte, klagte der DFB-Kontrollausschuss Pogatetz wegen Tätlichkeit an. Ein Schicksal, das nun auch Pizarro drohen könnte.

"Wir machen uns erst Gedanken, wenn wir uns damit auseinandersetzen müssen", sagte Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs. Hannovers Trainer Mirko Slomka diskutierte nach Spielschluss ausführlich und gestenreich mit Pizarro über die Szene, wollte diese aber nicht öffentlich kommentieren. Die Beurteilung wolle der Coach lieber "schlauen Köpfen" überlassen.

Die Ohrfeige ließ Pizarros starke Vorstellung auf dem Platz ein wenig in den Hintergrund treten. Der Peruaner hatte zunächst die Werder-Führung erzielt (31.) und kurz nach seiner Aktion gegen Pogatetz das 3:0 durch Markus Rosenberg (56.) vorbereitet. Mit 16 Treffern belegt Pizarro Rang drei der Torjägerliste. Dazu kommen acht Torvorlagen, die Platz zwei in der Scorer-Wertung bedeuten.

Werder (39 Punkte) konnte sich als Tabellensechster vom Siebten Hannover (35) absetzen und den Vorsprung auf den Achten VfB Stuttgart (33) auf sechs Zähler ausbauen. Platz sieben reicht höchstwahrscheinlich für die Teilnahme an der Europa League, sollte Borussia Dortmund im Halbfinale des DFB-Pokals gegen Greuther Fürth am nächsten Dienstag, 20. März (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), gewinnen.

Im anderen Halbfinale treffen einen Tag später Borussia Mönchengladbach und Bayern München aufeinander (20.30 Uhr). Sowohl der BVB als auch einer der beiden möglichen Finalgegner sind fast sicher für den Europapokal kommende Saison qualifiziert und würden somit nicht den internationalen Startplatz des DFB-Pokal-Siegers in Anspruch nehmen, den der Tabellensiebte bekäme.

Werder hat nach dem Sieg vom Sonntag im Kampf um die internationalen Plätze eine gute Ausgangslage - aber auch noch schwierige Aufgaben vor sich. Neun Partien sind es noch in der Bundesliga, und Bremen muss noch gegen Dortmund, München, Mönchengladbach und Schalke spielen, die ersten vier Teams. Spitzenreiter und Titelverteidiger BVB ist am kommenden Samstag (15.30 Uhr) der Gegner. Ob Werder mit Pizarro in Dortmund antreten kann, bleibt aber abzuwarten.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Geldgier
allereber 12.03.2012
Viele Spieler bekommen nachträglich hohe Geldstrafen,damit die hohen DFB Fuktionärsgehälter bezahlt werden können. Diese Fussballleien freuen sich auf jede TV Aufzeichnung. Noch schlimmer sind die geldgierigen FIFA Futzis.
2.
stephan87 12.03.2012
Zitat von allereberViele Spieler bekommen nachträglich hohe Geldstrafen,damit die hohen DFB Fuktionärsgehälter bezahlt werden können. Diese Fussballleien freuen sich auf jede TV Aufzeichnung. Noch schlimmer sind die geldgierigen FIFA Futzis.
Was für ein furchtbares Stammtischgelaber. Mit Argumenten braucht man bei so was nicht zu kommen, das hilft eh nichts. Aber ich will es auch nicht einfach unkommentiert überlesen. Zum Thema: Das Pizzaro eine Strafe verdient hat ist denk ich mal klar. Was mir dabei aber als erstes in den Sinn kommt: Es ist möglich eine rote Karte im Nachhinein auszusprechen. Es ist aber nicht möglich eine rote Karte im Nachhinein aufzuheben. Gerade wenn man sich an das EL-Spiel von Schalke erinnert wäre das doch dringend notwendig. Da diskutiert die FIFA über die Entschärfung der Doppelbestrafung bei Notbremsen (Rote Karte + Elfmeter soll wohl Gelbe Karte + Elfmeter werden), aber die Dreifachbestrafung (Fälschlich gegebene Rote Karte + fälschlich gegebener Elfmeter + Sperre für den Spieler, der kein Foul begangen hat) wird ignoriert. Zumindest müsste man in solchen Fällen, wo der Schiedsrichter eine Rote Karte gibt, ohne das etwas passiert ist die Sperre aufheben. Wie wir wissen geht das aber nicht. Die UEFA äußerte sich im Schalke Fall damit, dass bei einer Roten Karte "automatisch" eine Sperre verhängt wird. Ob berechtigt oder nicht. Nun ja. Gerechte Strafen wird es im Fussball nicht geben so lange das Wort des Schiedsrichters unantastbar ist, selbst dann wenn er sich eindeutig geirrt hat. Auf der anderen Seite ist Fussball zur Unterhaltung da. Und das solche Szenen sind doch genau das was Emotionen hervorrufen. Was gibt es schöneres als sich über solche "Skandale" zu ärgern? ;) Also ich will es nicht missen, auch dann nicht wenn es die eigene Mannschaft aus dem Turnier schmeisst.
3. Echt jetzt?
dosmundos 12.03.2012
Zitat von allereberViele Spieler bekommen nachträglich hohe Geldstrafen,damit die hohen DFB Fuktionärsgehälter bezahlt werden können. Diese Fussballleien freuen sich auf jede TV Aufzeichnung. Noch schlimmer sind die geldgierigen FIFA Futzis.
Der DFB verfolgt Tätlichkeiten auf dem Spielfeld nicht, weil sie eine grobe Unsportlichkeit darstellen und man sich einer gewissen Vorbildfunktion bewusst ist, sondern weil DFB-Funktionäre mit den Strafzahlungen der Spieler und Vereine bezahlt werden? Der Nachteil an freier Meinungsäußerung ist, dass man dann wirklich jeden Schwachsinn zu lesen bekommt...
4. Klingt logisch, aber...
dosmundos 12.03.2012
Zitat von stephan87Was für ein furchtbares Stammtischgelaber. Mit Argumenten braucht man bei so was nicht zu kommen, das hilft eh nichts. Aber ich will es auch nicht einfach unkommentiert überlesen. Zum Thema: Das Pizzaro eine Strafe verdient hat ist denk ich mal klar. Was mir dabei aber als erstes in den Sinn kommt: Es ist möglich eine rote Karte im Nachhinein auszusprechen. Es ist aber nicht möglich eine rote Karte im Nachhinein aufzuheben. Gerade wenn man sich an das EL-Spiel von Schalke erinnert wäre das doch dringend notwendig. Da diskutiert die FIFA über die Entschärfung der Doppelbestrafung bei Notbremsen (Rote Karte + Elfmeter soll wohl Gelbe Karte + Elfmeter werden), aber die Dreifachbestrafung (Fälschlich gegebene Rote Karte + fälschlich gegebener Elfmeter + Sperre für den Spieler, der kein Foul begangen hat) wird ignoriert. Zumindest müsste man in solchen Fällen, wo der Schiedsrichter eine Rote Karte gibt, ohne das etwas passiert ist die Sperre aufheben. Wie wir wissen geht das aber nicht. Die UEFA äußerte sich im Schalke Fall damit, dass bei einer Roten Karte "automatisch" eine Sperre verhängt wird. Ob berechtigt oder nicht. Nun ja. Gerechte Strafen wird es im Fussball nicht geben so lange das Wort des Schiedsrichters unantastbar ist, selbst dann wenn er sich eindeutig geirrt hat. Auf der anderen Seite ist Fussball zur Unterhaltung da. Und das solche Szenen sind doch genau das was Emotionen hervorrufen. Was gibt es schöneres als sich über solche "Skandale" zu ärgern? ;) Also ich will es nicht missen, auch dann nicht wenn es die eigene Mannschaft aus dem Turnier schmeisst.
Das Problem ist, dass man damit ein Fass aufmachen müsste, was sich nun wirklich niemand antun will. Denn leider ist eine Situation selten völlig eindeutig. Das heisst, sie hätten nach jedem Spieltag Hunderte von Einsprüchen gegen getroffene Spielentscheidungen auf dem Tisch!
5. Werder
mooringman 12.03.2012
Und wieder gibt es eine Bremer Märchenstunde der Herren Pizarro und Schaaf! Es war eine eindeutige Tätlichkeit von Pizarro und ich habe großen Respekt vor Pogatetz ,das er nicht zurück geschlagen hat!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Fußball-News
RSS
alles zum Thema Werder Bremen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 15 Kommentare
Themenseiten Fußball
Tabellen