Fußballskandal: Jagd auf den Wettpaten

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Wettskandal: Fußball-Betrug im großen Stil Fotos
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Hunderte manipulierte Spiele, Millionenprofite - ein Verdächtiger: Alle Spuren des Fußball-Wettskandals führen nach Asien, zu einem der mächtigsten Strippenzieher im Wettgeschäft. Belastet wird dieser von einem Singapurer, der vor zwei Jahren selbst einen spektakulären Betrug eingefädelt haben soll.

Seinen größten Coup feierte Ray Perumal im Februar 2011. Wochenlang, so geht es aus Unterlagen der finnischen Staatsanwaltschaft hervor, hatte der Singapurer sein kriminelles Meisterstück geplant. Er war dafür quer durch die halbe Welt gereist, hatte mit Funktionären von Fußballverbänden gesprochen und einen Austragungsort für zwei Länderspiele organisiert. Dazu bestach er laut den Akten sechs Schiedsrichter, die ihm den gewünschten Ausgang der beiden Spielpartien garantierten.

Als im Mardan-Sportkomplex im türkischen Badeort Antalya das Nationalteam aus Bulgarien gegen Estland antrat, war Perumal bereits ein reicher Mann. Denn nur wenige Minuten zuvor hatten sich die beiden Nationalteams aus Bolivien und Lettland an gleicher Stelle 2:1 getrennt. Ein Ergebnis, das Perumal genau so gewünscht und darauf einen großen Betrag gewettet hatte.

Als das zweite Spiel dann 2:2 ausging, ebenfalls wie von Perumal in Auftrag gegeben, war eine der frechsten Sportbetrügereien der Historie perfekt. Denn das Außergewöhnliche an den Resultaten war nicht das Ergebnis, sondern ihr Zustandekommen: Alle Tore waren per Elfmeter gefallen - genau zu den von Perumal gewünschten Zeiten. Die eingesetzten Schiedsrichter stritten zwar eine Bestechung ab, wurden von der Fifa aber trotzdem aufgrund der erdrückenden Beweislast lebenslang gesperrt.

"Das habe ich nicht für möglich gehalten"

"Wir hatten alle ein komisches Gefühl. Man wusste, da stimmt etwas nicht. Aber eine solche Manipulation habe ich nicht für möglich gehalten", sagte der deutsche Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, damals Trainer der Bulgaren, SPIEGEL ONLINE.

Innerhalb der Wettmafia kamen nur sehr wenige für einen solchen Coup in Frage. Einer von ihnen war Perumal, der seit Jahren weltweit etliche Fußball- und Cricket-Spiele manipuliert haben soll. Gelernt haben soll er sein perfides Handwerk bei einem Mann, der nun auch bei den Europol-Ermittlungen in den Fokus rückt: Dan T.

Dieser war es, der Perumal in die Welt des Wettbetrugs eingeführt und anschließend jahrelang protegiert hatte. Das System T.s ist dabei so simpel wie genial: Er engagiert skrupellose Mittelsmänner, die in seinem Auftrag eigene Sportvermarkterfirmen gründen und mit diesen bei Fußballverbänden um die Rechte für die Austragung von Fußballspielen werben. Sie garantieren die Unterkunft und Anreise der Spieler, kümmern sich um Werbe- und Fernsehverträge. Und stellen sowohl die Schiedsrichter als auch Gastmannschaften, die sie dann wahllos manipulieren können.

"Die meisten Verbände sind pleite und gehen gerne auf ein solches Angebot ein", soll Perumal ausgesagt haben, während er im finnischen Gefängnis saß. Dorthin geriet er, weil er angeblich - so vermuten es Szenekenner - T. zu mächtig geworden war. Perumal sagte der finnischen Staatsanwaltschaft weiter, dass er Belege für einen Verrat durch T. habe. Deshalb wolle er sich rächen und im großen Stile auspacken.

200 Millionen Euro Vermögen?

In den vergangenen eineinhalb Jahren erläuterte Perumal etlichen europäischen Staatsanwaltschaften das angebliche System T.s. Und auf diesen Aussagen basiert nun auch ein Großteil der Informationen, die Europol auf der Pressekonferenz in Den Haag verkündete.

Durch das umfangreiche Geständnis Perumals wird T. zum wichtigsten Puzzleteil in diesem globalen Wettskandal. "Perumal war ja nicht sein einziger Mitarbeiter. T. hat nach wie vor einen ganzen Stab von Shareholdern. Sie teilen sich die Bestechungssummen für die Schiedsrichter oder Gastmannschaften, halten dadurch das Risiko des Verlusts recht niedrig", sagte ein Ermittler SPIEGEL ONLINE. Die Gewinnausschüttung sei allerdings komplizierter. "Jedes erfolgreiche Spiel wird von T. verrechnet und dann prozentual an seine Mittelsmänner verteilt. Wir schätzen sein Vermögen mittlerweile auf annähernd 200 Millionen Euro."

T. soll seine Mitarbeiter nach Regionen oder Arbeitsgebieten aufgeteilt haben. Während Perumal primär für das Länderspielgeschäft zuständig gewesen sein soll, operierten andere auf regionaler Ebene. So wurden zuletzt auch in Ungarn und in Italien vermeintliche Mittelsmänner T.s gefasst. Bislang schweigen diese allerdings. Dass T., der die gegen ihn erhobenen Vorwürfe abstreitet, weiterhin auf freiem Fuß ist, obwohl Interpol mittlerweile einen internationalen Haftbefehl gegen ihn ausgestellt hat, scheint bei der erdrückenden Beweislage eigentlich kaum vorstellbar. "T. hat ein sehr komplexes Firmengeflecht. Ihm die einzelnen Taten justitiabel zuzuordnen, ist äußerst kompliziert. Zudem kooperiert Singapur nicht in dem erhofften Maße mit uns. T. ist in seinem Land ein äußerst einflussreicher Mann", sagte ein weltweit agierender Ermittler SPIEGEL ONLINE.

Der Investigativ-Journalist Declan Hill, der als einer der Ersten weltweit auf einen systematischen Wettbetrug aus Asien hinwies, erklärte vor wenigen Wochen auf einer Interpol-Konferenz: "Sollte Dan T. weiterhin frei herumlaufen, werden wir den Kampf gegen den Wettbetrug verlieren. Dann ist der Sport nicht mehr zu retten."

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insgesamt 40 Beiträge
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1. Medienhype
bürger 29 05.02.2013
Da schaukeln die Medien doch wieder etwas auf. Jjeden Tag wird eine andere Kuh durchs Dorf getrieben.
2. Fußballer betrügen doch...
kuehtaya 05.02.2013
...nicht und die würden auch niemals dopen, weiss doch jeder, fragt Uli Höneß. Ach ja die Bayern und ihr neuer Trainer, der ist doch mal wegen Dopings verurteilt worden, aber wer weiss das schon in Deutschland. Wer will das wissen in Deutschland?
3. ...
team_frusciante 05.02.2013
Zwei Spiele, sieben Tore, alle durch Elfmeter. Die Mannschaften wussten von nichts. Trotzdem ist es keiner Mannschaft gelungen, ein reguläres Tor zu erzielen? Oder wurden die alle wegen vermeintlichem Abseits nicht gezählt? Kann man wirklich jedes Tor für ungültig erklären? Wie kann man als Schiedsrichter beschließen, in der 71. Minute Elfmeter für eine bestimmte Mannschaft zu geben? Was, wenn die Mannschaft den Ball in diesr Minute gar nicht in den gegnerischen Strafraum bekommt? Oder gerade eine dreiminütige Verletzungspause ist? Anders gefragt: Wie wahrscheinlich war es, dass dieser Coup misslingt?
4.
Greg84 05.02.2013
Zitat von kuehtaya...nicht und die würden auch niemals dopen, weiss doch jeder, fragt Uli Höneß. Ach ja die Bayern und ihr neuer Trainer, der ist doch mal wegen Dopings verurteilt worden, aber wer weiss das schon in Deutschland. Wer will das wissen in Deutschland?
Jeder, der sich für Fußball interessiert, weiß, dass Guardiola wegen Dopings gesperrt wurde. Ist das ein Grund ihm keinen Job mehr zu geben? Auch der Drogen konsumierende Christoph Daum hat immer wieder Anstellungen gefunden. Ob die Spiele verschoben sind oder nicht, spielt für mich ohnehin keine Rolle. So oder so weiß ich vorher nicht wie das Spiel ausgeht. Selbst wette ich auch nicht, sehe da also für mich auch keinen wirklichen Betrug. Absprachen gab es immer schon, auch ohne Wetten. Man erinnere sich nur an den legendären Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und Österreich, weil beiden ein 0:0 gereicht hat.
5. Sportwetten sind ok.!.
mainstreet 05.02.2013
Es ist regulär im Sport durch wetten sich ein Taschengeld hinzuzuverdienen. In England wird schon seit über 100 Jahren gewettet und das hat heute Tradition und natürlich bleiben Sportwetten nur fair wenn Sie nicht durch Geldzahlungen manipuliert sind.. Im Tennis ist so etwas schlechter nachzuweisen denn kennt man einen Tennisspieler gut läßt sich natürlich darauf sehr einfach wetten.- Beim Fussball als Mannschaftsportart ist dies schwieriger aber das es geht gilt als bewiesen und mit Hilfe des Schiedsrichters dann sowieso und soviel weiß heute jeder der Sportwetten nutzt um sich ein Taschengeld oder mehr zu verdienen und darüber braucht man eigentlich nicht diskutieren. Interessant sind die Erkenntnisse das es in Singapure Firmen gibt die professionel Spieler und Schiedsrichter manipulieren was absolut nicht englisch ist und gegenüber den Sportwettern im regulären Sinne die von dem fairen Sportlern ausgehen eine Schweinerei ist.-- Natürlich muss man den Otto-Normalwetter sozusagen hier vor Entwicklungen schützen eben auch international und es kann nicht angehen das es in Asien und Singanpure regulär ist so etwas als Geschäft zu betreiben das ist keine Frage. Aber eben der Sport selbst und die Sportler müssen immun gegen Bestechung werden und dies werden Sie am Besten wenn die Verbände hohe Geldzahlungen auf Bestechungsversuche aussetzen die gemeldet werden Weltweit wenn die Täter dingfest gemacht werden können. Dies ist die wirksamste Möglichkeit überhaupt denn letztendlich kann die Polizei nicht auch noch jeden Sportler überwachen - Wo kämen wir dahin und wer wollte dies?
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Europol
  • AP
    Europol (Europäisches Polizeiamt) ist eine europäische Polizeibehörde mit Sitz im niederländischen Den Haag. Sie soll die Arbeit der nationalen Polizeibehörden Europas bei grenzüberschreitender organisierter Kriminalität (OK) koordinieren und den Informationsaustausch zwischen den nationalen Polizeibehörden fördern.
  • Europol geht es vor allem um eine verbesserte Zusammenarbeit der zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten bei der Verhütung und Bekämpfung von Terrorismus, illegalem Drogenhandel und sonstigen schwerwiegenden Formen der internationalen Kriminalität. Seit 2002 ist Europol befugt, sich an gemeinsamen Ermittlungsgruppen der Mitgliedstaaten zu beteiligen, und kann einzelne Mitgliedstaaten auffordern, Ermittlungen aufzunehmen.
Europol nahm seine Aktivitäten im vollen Umfang am 1. Juli 1999 auf, seit 1. Januar 2010 ist sie offiziell eine Agentur der Europäischen Union (EU). Direktor ist seit Mai 2009 der Brite Rob Wainwright. Finanziert wird die Behörde durch die Mitgliedstaaten. Das jährliche Budget beträgt rund 90 Millionen Euro. (sid)