Zugriff in Budapest Whistleblower von Football Leaks verhaftet

Die portugiesische Polizei wirft einem 30-Jährigen versuchte Erpressung und Datendiebstahl vor. Der Inhaftierte soll in sein Heimatland Portugal ausgeliefert werden. Seine Anwälte versuchen, dies zu verhindern.

Football Leaks (Symbolbild)
DPA

Football Leaks (Symbolbild)


In Budapest wurde am Mittwochabend ein 30 Jahre alter Portugiese festgenommen. Die portugiesischen Strafverfolgungsbehörden hatten gegen den Beschuldigten einen europäischen Haftbefehl unter anderem wegen des Vorwurfs der versuchten Erpressung und der möglichen illegalen Datenbeschaffung erwirkt. Die portugiesischen Behörden streben nun seine Auslieferung an.

Der französische Anwalt des Inhaftierten, William Bourdon, der in der Vergangenheit auch Edward Snowden sowie die prominenten Banken-Whistleblower Hervé Falciani und Antoine Deltour vertreten hat, bezeichnet seinen Mandanten als einen "großen europäischen Whistleblower und Teil von Football Leaks". Er habe der Welt die kriminellen Machenschaften im Fußball vor Augen führen wollen. Bourdon erklärte in einer Pressemitteilung, dass es sich bei dem Inhaftierten um Rui Pedro Gonçalves Pinto handelt. Bourdon wurde gemeinsam mit einem portugiesischen und einem ungarischen Anwalt von Pinto mandatiert.

Die Enthüllungen von Football Leaks über illegale Geschäfte im Profifußball haben in den letzten Jahren zu zahlreichen Ermittlungsverfahren in diversen europäischen Ländern geführt. Die Football-Leaks-Dokumente ermöglichten mehreren europäischen Staaten unter anderem, schwerwiegende Fälle von Steuerhinterziehung zu ahnden.

Pinto, so schreiben es seine Anwälte in ihrem Kommuniqué, habe in den vergangenen Jahren "Drohungen" erhalten: "Zahlreiche Agenturen aus der Welt des Fußballs sind angesetzt worden, um ihn um jeden Preis mundtot zu machen." Die Anwälte würden nun alles daran setzen, seine Auslieferung nach Portugal zu verhindern. Sie betonen, dass Rui Pinto als Whistleblower besonderem rechtlichen Schutz unterliege.

Auch die US-amerikanische Stiftung The Signal, die Whistleblower unterstützt, hat dem inhaftierten Portugiesen ihre Hilfe zugesichert.

Der SPIEGEL und das Recherchenetzwerk European Investigative Collaborations (EIC) veröffentlichen seit mehr als zwei Jahren Recherchen, die auch auf Unterlagen der Enthüllungsplattform Football Leaks beruhen. Aus Gründen des Informantenschutzes äußern sich SPIEGEL und EIC prinzipiell nicht zur Identität von möglichen Quellen.

PDF-Download
Pressemitteilung des AnwaltsPDF-Größe: 196 kB


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.