Wintertransfers in der Bundesliga: Ballern für die Wende
Sie sollen Europacup-Träume verwirklichen oder vor dem Abstieg retten: Verzweifelt haben viele Bundesliga-Clubs in der Winterpause versucht, ihren Kader aufzumöbeln. Die meisten setzen dabei auf Stürmer. Doch langfristig hilft kaum ein Zugang weiter.
Alle Jahre wieder. Nein, so kann man diesen Text nicht beginnen. Vielleicht so: Neues Jahr, alte Leier. Naja. Wenn es um Wintertransfers in der Fußball-Bundesliga geht, wird es schwierig. Zu oft hat man von den Sportdirektoren und Managern der Vereine gehört, wie undankbar die Zeit zwischen dem 1. und dem 31. Januar für sie ist.
Wer mitten in der Saison den Kader nachbessern will, ist meistens angeschmiert. Der Markt sei leer, die Ablöseforderungen für gute Profis hoch, klagen die Verantwortlichen. Am Ende schlagen die meisten Vereine aber trotzdem zu. Genau wie in diesem Winter. Mehr als 50 Millionen Euro haben sie für neues Personal insgesamt gezahlt. Und wie schon so oft gehen dabei viele ein großes Risiko ein.
Sicher, man kann es machen wie Felix Magath, der beim VfL Wolfsburg rund 30 Millionen Euro für gleich acht Zugänge ausgegeben hat. Irgendeiner wird schon besser sein als jene, die Magath bisher ausprobiert hat. Klappt das nicht, wird eben im Sommer nochmal groß eingekauft. Doch nicht jeder Club verfügt über die Mittel, um mal eben 7,5 Millionen Euro für den 19-jährigen Linksverteidiger Ricardo Rodriguez bezahlen zu können.
Der Schweizer, der vom FC Zürich kam, ist der teuerste Einkauf eines Bundesligisten in dieser Transferperiode, in der am Dienstagnachmittag bereits mehr als 60 Profis aus den beiden höchsten deutschen Spielklassen hin- und hertransferiert worden waren. Allerdings standen auf der letzten Transferliste noch fast 50 Spieler, die am Dienstag (bis 18 Uhr) noch verpflichtet oder abgegeben werden können. Die Gesamtausgaben der 18 Bundesliga-Clubs in der Saison 2011/2012 lagen laut transfermarkt.de Stunden vor dem Transferschluss bei 205 Millionen Euro (2010/2011: 214 Millionen Euro).
Auf der Suche nach dem Knüller
Rodriguez ist eine Ausnahme: Er ist nicht nur der Teuerste, sondern auch Abwehrspieler. Das Muster der diesjährigen Winter-Zugänge ist: alles auf Angriff. Hoffenheim, Stuttgart, Köln, Schalke 04, Wolfsburg, Kaiserslautern oder Freiburg holten allesamt Stürmer. Sie sollen ihre neuen Vereine vor dem Abstieg retten oder längst verpasst geglaubte Ziele doch noch ermöglichen. Die Chancen, wie Borussia Mönchengladbach im Vorjahr echte Knüller verpflichtet zu haben, sind bei den meisten Clubs aber gering.
Damals holte Gladbach Martin Stranzl, Mike Hanke und Havard Nordtveit, allesamt auch in dieser Saison Stammspieler. Im Winter 2012 gab der VfB Stuttgart rund fünf Millionen Euro für Hoffenheims besten Torjäger der vergangenen viereinhalb Jahre (48 Tore, 19 Assists), Vedad Ibisevic, aus. Dessen alter Club sichert sich Wolfsburgs Bankdrücker Srdjan Lakic als Ersatz. Nach einem halben Jahr Ausleihe muss der 28-Jährige wieder zurück. Zuvor soll er in nur 15 Spielen den Absturz der TSG bremsen. Doch dafür wird ein Lakic allein nicht ausreichen.
Freiburg todesmutig, Schalke clever
Weitaus überlegter kommt da Schalkes Deal mit Chinedu Obasi daher. Der Offensivakteur für die rechte Seite ist aus Hoffenheim ausgeliehen. Es gibt Gedankenspiele, den Nigerianer fest zu verpflichten. Der ebenso exzentrische wie gut verdienende Jefferson Farfán könnte in Gelsenkirchen so dauerhaft ersetzt werden.
Der SC Freiburg reagierte äußerst zurückhaltend auf den Verlust von Top-Stürmer Papiss Demba Cissé, der durch den Wechsel nach Newcastle rund zwölf Millionen Euro in die Kassen des abstiegsgefährdeten Vereins spülte. Vom 1. FC Köln kam Sebastian Freis, bisher nicht als Torjäger aufgefallen. Das Tabellen-Schlusslicht will den Verlust von Cissé im Kollektiv auffangen, besserte vor allem in der Abwehr nach - ein mutiger, womöglich todesmutiger, Weg.
Glücklich schätzen können sich jene, die derartige Probleme nicht einmal im Ansatz haben. Während der FC Bayern trotz des Ausfalls von Verteidiger Daniel van Buyten auf Winter-Zugänge verzichtete und stattdessen lediglich mit einer missglückten PR-Aktion bei Facebook für Schlagzeilen sorgte, machte Borussia Dortmund mit der 17,5-Millionen-Euro Verpflichtung von Gladbachs Marco Reus zur neuen Saison auf sich aufmerksam. Doch im Kampf um die Titelverteidigung hat der Deutsche Meister offenbar schon am Dienstag einen wichtigen Coup gelandet - und musste dazu nicht einmal Geld ausgeben.
Torjäger Lucas Barrios (35 Tore in 76 Bundesliga-Partien), seit dieser Spielzeit hinter Topscorer Robert Lewandowski nur noch Ersatz, kokettierte wochenlang mit einem Wechsel. Am Dienstag platzte ein angedachter Transfer zum englischen Premier-League-Club FC Fulham. Obwohl Barrios anschließend doch auf der Transferliste der Deutschen Fußball Liga (DFL) auftauchte, bleibt dem BVB im Duell mit dem FC Bayern, Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach wohl ein wichtiger Akteur erhalten. Im Sommer wird sich die Frage nach einem Abschied des paraguayischen Nationalspielers dann erneut stellen. Aber immerhin zu einem Zeitpunkt, der für Vereinswechsel weitaus besser geeignet ist.
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- Dienstag, 31.01.2012 – 18:25 Uhr
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