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Affäre um die WM 2006: Netzer räumt Vermittlerrolle für Dreyfus ein

Günter Netzer hat sich über seinen Anwalt zu seiner Rolle in der WM-Affäre und zum Millionendarlehen von Robert Louis-Dreyfus geäußert. Der ehemalige Adidas-Chef habe Netzer gebeten, einen Kontakt zum Organisationskomitee herzustellen.

Netzer: Klage gegen Zwanziger noch nicht zugestellt Zur Großansicht
DPA

Netzer: Klage gegen Zwanziger noch nicht zugestellt

Der frühere WM-Botschafter Günter Netzer war in der WM-Affäre um ungeklärte Millionenzahlungen offenbar ein Vermittler für den ehemaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus. "Dreyfus kam auf ihn zu mit der Bitte, den Kontakt zu den WM-Machern herzustellen. Er war aber nur ein Mittler, der von dem Anspruch wusste", sagte Netzers Anwalt Lucas Brost.

Die Aussage bezieht sich auf Dreyfus' Forderung aus dem Jahr 2004 nach Rückzahlung eines mutmaßlich zwei Jahre zuvor gewährten Darlehens über 6,7 Millionen Euro. Zugleich wird damit auch die Darstellung des früheren WM-OK-Vizepräsidenten Horst R. Schmidt bestätigt. Was mit dem Geld geschehen ist, darüber gibt es verschiedene Theorien.

  • Die Version von DFB-Chef Wolfgang Niersbach geht so: Die Fifa habe Franz Beckenbauer 2002 einen Zuschuss für die WM in Höhe von 170 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Von der Finanzkommission der Fifa sei die Forderung gekommen, dass das OK im Gegenzug 6,7 Millionen Euro zahlen müsse. Von wem genau diese Forderung kam, konnte Niersbach nicht sagen. Dafür wusste er, dass Louis-Dreyfus die 6,7 Millionen Euro für das OK an den Fußball-Weltverband überwies. Die Fifa widersprach Niersbachs Version und kündigte eine Untersuchung an.
  • Niersbachs Vorgänger Theo Zwanziger dagegen sagte dem SPIEGEL, Netzer habe ihm erzählt, mit dem Geld seien die vier asiatischen Stimmen für die WM-Vergabe im Juli 2000 gekauft worden.

Netzer bestreitet, dies auch nur im Ansatz gesagt zu haben, er hat daher Klage gegen Zwanziger angekündigt. Diese war am Freitag laut seinem Anwalt Brost "noch nicht zugestellt", dies solle aber "zügig" geschehen.

Netzer bestehe darauf, "von der Vorgeschichte oder dem vermeintlichen Darlehen nichts gewusst zu haben", sagte Brost außerdem: "Er sieht sich nicht als Hauptprotagonist an. In diese Rolle wurde er erst von Theo Zwanziger gedrängt."

cte/sid

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1. Sehr fragwürdig
obruni.ningo 06.11.2015
Nachdem Beckenbauer angeblich persönlich für das Darlehen gebürgt hatte braucht Dreyfus plötzlich Netzer um Kontakt zum OK herzustellen? Wenn das nicht höchst merkwürdig ist...
2. Die übliche
dachristoph 06.11.2015
Taktik. Erstmal mit Unterlassungsklage drohen, nach dem Motto "ich weiss von nix", dann scheibchenweise einräumen, was eh bekannt ist und nicht mehr abgestritten werden kann. Warum verhalten sich die Betroffenen so erbärmlich? Ihr habt die WM nach Deutschland geholt für 6,8? Millionen. Ein Taschengeld für so ein Ereignis. Meckert nicht darüber, daß sich Deutsche an diesem internationalen, korrupten Gezocke beteiligen mussten. Meckert, daß die ganze Welt, sich das schon lange gefallen lässt. Die Deutschen haben das nicht erfunden. Sie haben nur mitgespielt, mit der Absicht die WM nach Deutschland zu holen. Das mache ich keinem der Beteiligten zum Vorwurf. Hinterher kann jeder leicht den moralischen Finger heben....
3. Das ist überhaupt nicht mafiös ...
_unwissender 06.11.2015
Wenn schon geschummelt wird, dann muss jeder sein Scherflein dazu beitragen. So entsteht der Druck, damit geschwiegen wird. Und wenn am Ende doch etwas herauskommt, dann war keiner Schuld. Jeder hat nur ein kleines Puzzle-Steichen beigetragen. Dass sich das zusammen fügte - das war doch sicher Zufall.
4.
Referendumm 06.11.2015
Zitat von dachristophTaktik. Erstmal mit Unterlassungsklage drohen, nach dem Motto "ich weiss von nix", dann scheibchenweise einräumen, was eh bekannt ist und nicht mehr abgestritten werden kann. Warum verhalten sich die Betroffenen so erbärmlich? Ihr habt die WM nach Deutschland geholt für 6,8? Millionen. Ein Taschengeld für so ein Ereignis. Meckert nicht darüber, daß sich Deutsche an diesem internationalen, korrupten Gezocke beteiligen mussten. Meckert, daß die ganze Welt, sich das schon lange gefallen lässt. Die Deutschen haben das nicht erfunden. Sie haben nur mitgespielt, mit der Absicht die WM nach Deutschland zu holen. Das mache ich keinem der Beteiligten zum Vorwurf. Hinterher kann jeder leicht den moralischen Finger heben....
Danke für Ihren Kommentar - das sehe ich genauso. In Deutschland gibt es aktuelle viele, ganz massive Probleme und die Medien schießen sich auf diese Pillepalle ein und machen ein großes Bohei darum. Man könnte glatt denken, da stecke System hinter. Das Spiel war (und ist ev. immer noch) so und der DFB hat es mitgespielt, um die WM nach D zu holen. Ich als deutscher Bürger sehe nicht, wo das große Problem steckt; außer den gegenseitigen Schuldzuweisungen alter, gekränkter Funktionäre. Berichterstattung ist ja gut und schön - aber bitte unter ferner liefen.
5.
s1895 06.11.2015
Zitat von dachristophTaktik. Erstmal mit Unterlassungsklage drohen, nach dem Motto "ich weiss von nix", dann scheibchenweise einräumen, was eh bekannt ist und nicht mehr abgestritten werden kann. Warum verhalten sich die Betroffenen so erbärmlich? Ihr habt die WM nach Deutschland geholt für 6,8? Millionen. Ein Taschengeld für so ein Ereignis. Meckert nicht darüber, daß sich Deutsche an diesem internationalen, korrupten Gezocke beteiligen mussten. Meckert, daß die ganze Welt, sich das schon lange gefallen lässt. Die Deutschen haben das nicht erfunden. Sie haben nur mitgespielt, mit der Absicht die WM nach Deutschland zu holen. Das mache ich keinem der Beteiligten zum Vorwurf. Hinterher kann jeder leicht den moralischen Finger heben....
Die ganze Welt macht das und ist kriminell und wir Deutschen wurden gezwungen mitzumachen also ist das gar nicht so schlimm und gar nicht unsere Schuld. Und es waren ja nur 6,8 Millionen, also nur eine ganz kleine Korruption, da sollten wir Deutschen ja mal stolz drauf sein...
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