Koch zum DFB-Skandal "War nicht möglich, eine WM auf fairem Weg zu bekommen"

DFB-Interimspräsident Rainer Koch bezweifelt eine faire WM-Vergabe 2006. Bis Ende Februar erwartet er den Schlussbericht zur Aufklärung des Skandals. Neben finanziellen Einbußen könnte auch eine neue Ethikkommission zu den Konsequenzen zählen.

DFB-Interimspräsident Koch: Zweifel an ehrlicher WM-Vergabe
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DFB-Interimspräsident Koch: Zweifel an ehrlicher WM-Vergabe


DFB-Interimspräsident Rainer Koch hält es für unwahrscheinlich, dass die WM 2006 auf ehrlichem Weg nach Deutschland geholt worden sein kann. "Die WM-Vergabe hat stattgefunden zu einer Zeit, wo die Fifa ganz sicher in weiten Teilen korrupt und es seit Längerem einfach nicht möglich war, eine WM auf sportlich fairem Weg" zu bekommen, sagte Koch als Gastredner einer Veranstaltung des CSU-Ortsverbands Vaterstetten bei München.

Koch ist zuversichtlich, dass der Schlussbericht der Untersuchungen bis Ende Februar vorliegt. Damit soll ohne Rücksicht auf Personen lückenlos aufgeklärt werden, wie es zu den Ungereimtheiten rund um das Turnier kommen konnte - und inwiefern sich die Verantwortlichen dabei strafbar gemacht haben: Es sei "sehr, sehr viel getan" worden, "um die WM nach Deutschland zu holen. Ob das sehr, sehr viel außerhalb der Grenzen des Erlaubten" war, müsse aufgedeckt werden, so Koch.

Gleichzeitig wünscht sich der 58-Jährige einen Neuanfang für den Verband, sieht sich aber auch in der Pflicht, sollte der Verband die legalen Grenzen wirklich überschritten haben: "Wenn es so gewesen sein sollte, dann sollten wir uns als DFB und als deutsche Gesellschaft offen dazu bekennen. Sonst ist kein glaubwürdiger Neuaufbau zur Wiederherstellung von Vertrauen in die Verbandsspitze des Fußballs möglich."

Wirtschaftliche Folgen für den DFB ungewiss

Sollte das eine oder andere um die Vergabe der WM aus heutiger Sicht schlecht gelaufen sein, dann wäre es für den DFB wichtig, die Fakten offenzulegen, sagte Koch: "Wenn man einen Fehler gemacht hat, ist er meistens halb so schlimm, wenn man ihn gesteht. Oft ist der Umgang mit dem Skandal der eigentliche Skandal", so der Interimspräsident. Damit wünscht er sich, dass man "die Altlasten beseitigt" und in eine gut geordnete Zukunft gehe.

Wegen der Umstände der WM-Vergabe rechnet der DFB mit "Steuerabforderungen in Millionenhöhe". Die wirtschaftlichen Folgen seien noch nicht abzusehen. Koch schloss auch nicht aus, dass dem Verband "für gewisse Zeiträume die Gemeinnützigkeit aberkannt wird" - in diesem Fall drohten dem Verband "erhebliche Zahlungsforderungen in zweistelliger Millionenhöhe, die man auch als nicht ganz armer Sportverband nicht aus der Portokasse bezahlen kann."

Koch versicherte aber, er kämpfe mit dem Kollegen Reinhard Rauball "für einen neuen DFB". Man werde sich Gedanken machen, "welche Lehren aus dem Totalversagen aller Kontrollmechanismen unseres Verbandes zu ziehen sind". Koch sprach in diesem Zusammenhang auch von eventuellen Satzungsänderungen sowie einer möglicherweise neu einzurichtenden Ethikkommission.

aev/sid

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insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
pb-sonntag 08.01.2016
1.
Nun, was soll es. Geschäftemacher machten damals ihre Geschäfte. Der deutsche Michel war vor Freude trunken, die Regierung verabschiedete in dieser Zeit der Euphorie einschneidende Gesetze und "Kaiser" Franz war der Größte. Meint hier einer wirklich, dass die gekaufte WM2006, nachdem der Betrug aufgeflogen ist, rückwirkend etwas ändert? Ich persönlich erinnere mich mit Schrecken an diesen Monat des kollektiven Wahnsinn, an das Geschrei, das Fahnen schwenken. Gut, das war nicht gekauft.
hinterdir 08.01.2016
2. Wenn juckt es
und was ändert es?
robert_b 08.01.2016
3.
"War nicht möglich, eine WM auf fairem Weg zu bekommen" HALLO! AUFWACHEN! Das ist die Fifa und nicht das Sozialamt. Wer eine WM haben möchte, hat gefälligst zu zahlen. :P
behemoth1 08.01.2016
4. Realität
Ja, die Realität zeigt, dass man schon voll in ein Mafiasystem steckt, imgrunde sollte das doch alle schon mitbekommen haben, nur wollen wir es öffentlich nicht sagen, wir tun immer so, als würde alles sauber über die Bühne gehen und wenn doch mal etwas ans Tageslicht kommt, dann zeigen wir uns betroffen und behaupten, dass sein nur Einzelerscheinungen. Imgrunde läuft auch in unserer Gesellschaft alles wie geschmiert und das wort wörtlich genommen.
hschmitter 08.01.2016
5.
Zitat von robert_b"War nicht möglich, eine WM auf fairem Weg zu bekommen" HALLO! AUFWACHEN! Das ist die Fifa und nicht das Sozialamt. Wer eine WM haben möchte, hat gefälligst zu zahlen. :P
Dumm, wenn diese Gewohnheit auch auf andere Lebensbereiche angewendet werden muß. Mehr zahlen als notwendig, um eine erforderliche Leistung zu erhalten - dank der Vorbildrolle des Fußballs.
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