2:1 gegen Algerien Geheimfavorit Belgien zittert sich zum Sieg

Die Einwechselspieler brachten die Wende: Lange Zeit lag Geheimfavorit Belgien gegen Außenseiter Algerien zurück - doch dann drehten Marouane Fellaini und Dries Mertens die Partie. Auch für den Gegner ging eine Durststrecke zu Ende.

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Hamburg - Es ist schon kurios: Da ist Belgien erstmals seit zwölf Jahren wieder bei einem großen Turnier dabei - und gilt gleich als Geheimfavorit auf den Titel. Zwei Weltmeisterschaften und drei Europameisterschaften hatten die "Roten Teufel" seit ihrem letzten großen Auftritt, der Achtelfinal-Niederlage bei der WM 2002 gegen Brasilien, verpasst.

Kein Wunder also, dass im Stadion von Belo Horizonte gleich zehn Belgier ihr WM-Debüt gaben - und die waren von der unbekannten Atmosphäre und dem neuen Druck anfänglich überwältigt: 0:1 lag das Team von Trainer Marc Wilmots beim Auftaktspiel gegen Algerien zur Pause zurück, doch die eingewechselten Marouane Fellaini (70. Minute) und Dries Mertens (80.) drehten das Spiel. Für Algerien hatte Sofiane Feghouli (25.) per Foulelfmeter getroffen.

"Ich habe in der Halbzeit einen Zettel an die Wand gehängt. Da stand drauf: 'Die Bank gewinnt das Spiel'", sagte Wilmots und ergänzte zufrieden: "Und? Die Bank hat das Spiel gewonnen!" Der glückliche Torschütze Mertens sagte: "Für ganz Belgien ist das was besonderes. Es war wichtig mit einem Sieg zu starten. Jetzt müssen wir das zweite Spiel auch gewinnen."

Die Mannschaftsaufstellung verriet den Grund, warum Belgien als nicht-mehr-ganz-so-geheim-Favorit gilt: Manchester Citys Meisterkapitän Vincent Kompany, Eden Hazard vom FC Chelsea, Sturmkante Romelu Lukaku, dazu noch Kevin de Bruyne (VfL Wolfsburg), hinter dem die halbe Bundesliga her war - und natürlich Axel Witsel, den Zenit St. Petersburg für 40 Millionen Euro verpflichtete - genügend gute Spieler also.

Feghouli sorgt für erstes Algerien-Tor seit 1986

Es war dann auch Witsel, der die erste gute Möglichkeit der Belgier hatte, als er aus gut 25 Metern aus zentraler Position abzog. Sein Fernschuss war allerdings noch kein Problem für Algeriens Torhüter Rais M'Bohli (21.). Doch viel mehr gelang den Hochgelobten zunächst nicht - im Gegenteil.

Nur drei Minuten später foulte Belgiens Verteidiger Jan Vertonghen Algeriens Mittelfeldspieler Sofiane Feghouli - Schiedsrichter Marco Antonio Rodriguez Moreno aus Mexiko entschied zu Recht auf Elfmeter. Der Gefoulte trat selbst an - und traf zum 1:0 (25.). Es war der erste WM-Treffer für Algerien seit dem 3. Juni 1986 - damals traf Djamel Zidane beim 1:1 gegen Nordirland.

Belgiens junge Mannschaft zeigte sich beeindruckt, lange blieben weiterhin Fernschüsse das einzige Mittel: Erneut Witsel versuchte es, diesmal hatte M'Bholi mehr Probleme, konnte aber dennoch klären. Auch Nacer Chadli probierte es aus der Distanz. Die einzige gut herausgespielte Chance der ersten Hälfte vergab dann erneut Chadli (44.).

Die Einwechselspieler bringen die Wende

Es musste also besser werden - und das wurde es auch. Nach dem Seitenwechsel passten sich die Belgier die Bälle deutlich schneller zu, nach einem Fehler von M'Bohli vergab Witsel, kurz darauf dribbelte Mertens in den Strafraum, seine Hereingabe war jedoch zu ungenau (51.). Auch de Bruynes Hereingabe eine Minute später konnte Algeriens Torhüter entschärfen.

Belgien war nun klar spielbestimmend - doch das nächste Tor hätte fast der Außenseiter geschossen: Einen Eckball setzte Carl Medjani nur knapp neben den rechten Pfosten - Belgiens Keeper Thibaut Courtois wäre nicht mehr herangekommen.

Sonst zeigte Algerien aber nicht mehr viel, stattdessen kam Belgien zum Ausgleich durch den erst fünf Minuten zuvor eingewechselten Fellaini, der eine Flanke von de Bruyne ins Tor köpfte (70.). Zuvor war bereits Divock Origi allein auf M'Bohli zugelaufen, scheiterte allerdings am Torhüter.

Und es kam noch besser für Belgien: De Bruyne eroberte den Ball, Hazard passte auf den ebenfalls eingewechselten Mertens - und der Angreifer setzte den Ball unter die Latte (80.), das Spiel war gedreht. "Es war uns klar, dass Belgien großartige Fußballspieler hat. Das Spiel gibt uns trotzdem Selbstvertrauen", sagte Algeriens Kapitän Madjid Bougherra nach der Partie. Und Torschütze Feghouli sagte: "Wir haben einfach auf diesem Weltniveau noch zu wenig Erfahrung."

Belgien - Algerien 2:1 (0:1)
0:1 Feghouli (25., Foulelfmeter)
1:1 Fellaini (70.)
2:1 Mertens (80.)
Belgien: Courtois - Alderweireld, van Buyten, Kompany, Vertonghen - Witsel, Dembele (ab 65. Fellaini) - de Bruyne, Chadli (ab 46. Mertens), Hazard - Lukaku (ab 58. Origi)
Algerien: M'Bolhi - Mostefa, Bougherra, Halliche, Ghoulam - Taider, Medjani (ab 84. Ghilas), Bentaleb - Feghouli, Mahrez (ab 71. Lacen - Soudani (ab 66. Slimani)
Schiedsrichter: Marco Rodriguez (Mexiko)
Zuschauer: 56.800
Gelbe Karten: Vertonghen - Bentaleb
Ballbesitz (in Prozent): 67:33
Gewonnene Zweikämpfe (in Prozent): 57:43
Torschüsse: 17:3

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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
romeov 17.06.2014
1. Ein großes Wort
...die sahen mir wirklich nicht wie Geheimfavoriten aus.
Lutetius 17.06.2014
2. Geheimfavorit Belgien
Zitat von sysopAFPDie Einwechselspieler brachten die Wende: Lange Zeit lag Geheimfavorit Belgien gegen Außenseiter Algerien zurück - doch dann drehten Marouane Fellaini und Dries Mertens die Partie. Auch für den Gegner ging eine Durststrecke zu Ende. http://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-2014-belgien-gewinnt-gegen-algerien-a-975766.html
In der ersten Halbzeit haben sie das wirklich sehr gut geheimgehalten.
denkendermenschen 17.06.2014
3. Respekt an Algerien
Das war eine sehr sympathische Vorstellung, disziplinierter Fußball voller Ehrgeiz. Und dabei immer fair und sportlich. Schön zu sehen. Und der mexikanische Schiri hat die bislang beste Schiri-Leistung dieser WM gezeigt. Hat mir gefallen.
pussinboots 17.06.2014
4.
Zitat von sysopAFPDie Einwechselspieler brachten die Wende: Lange Zeit lag Geheimfavorit Belgien gegen Außenseiter Algerien zurück - doch dann drehten Marouane Fellaini und Dries Mertens die Partie. Auch für den Gegner ging eine Durststrecke zu Ende. http://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-2014-belgien-gewinnt-gegen-algerien-a-975766.html
Zum Einschlafen die Belgier. Habe gewartet, bis ein Pass gespielt wird, dann schnell die Küche aufgeräumt und den Müll runter gebracht, und zurück zum Fernseher, um zu verfolgen, wie der Pass ankommt. Die zweite Halbzeit war zwar besser, aber das war immer noch kein Geheimfavorit.
gandhiforever 17.06.2014
5. So viele 'Geheimfavoriten'
Zitat von sysopAFPDie Einwechselspieler brachten die Wende: Lange Zeit lag Geheimfavorit Belgien gegen Außenseiter Algerien zurück - doch dann drehten Marouane Fellaini und Dries Mertens die Partie. Auch für den Gegner ging eine Durststrecke zu Ende. http://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-2014-belgien-gewinnt-gegen-algerien-a-975766.html
Von Uruguay bis Belgien. Wenn von einem Geheimfavoriten gesprochen wird, geht das ja noch an, aber von dreien (oder sind es vier)? Am Ende hat von denen keiner viel zu sagen, denn bisher haben diese "Geheimfavoriten" ihre Qualitaeten geheim gehalten.
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