Eigenes WM-Quartier Löws Dschungelcamp

Alle WM-Teams finden ein Quartier in Brasilien - nur dem DFB ist keines gut genug. Deshalb lässt sich der Verband jetzt sein eigenes Camp bauen. Wohnunterkünfte und ein Trainingsplatz sollen binnen eines halben Jahres entstehen. Die Pläne gibt es nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen schon länger.

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Als in den siebziger Jahren der FC Bayern zu Europapokalspielen hinter den Eisernen Vorhang reiste, nahm er stets die eigene Küche mit. Weil er die heimischen Gegebenheiten seinen Stars nicht zumuten wollte. So ungefähr müssen sie sich beim DFB das auch gedacht haben bei der Suche nach dem idealen WM-Quartier für das Turnier 2014 in Brasilien. Beim Deutschen Fußball-Bund kam man auf die Idee, sich das perfekte Domizil einfach selbst bauen zu lassen..

Im Laufe eines halben Jahres ein Trainingsgelände, möglichst luxuriöse Unterkünfte, ein Pressezentrum zu errichten - und all das aus dem Nichts. Das kann man gewagt nennen. Und es spricht nicht unbedingt für großes Vertrauen in das Gastgeberland.

Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff betonte allerdings am Freitag, dass die Anlage der Münchner Hirmer-Gruppe nicht ausschließlich auf Wunsch des DFB gebaut worden sei und auch nach der WM als Resort selbstverständlich weiter genutzt werde. Dennoch wird der Quartierkomplex auf die Bedürfnisse der Nationalmannschaft zugeschnitten.

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Deutsche WM-Quartiere: Militärschule, Castello und ein toter Hund

Wenn man den Kollegen der "Bild"-Zeitung glauben darf, ist vor Ort außer einem beeindruckenden Kokosnusshaufen und einem grün gestrichenen Baustellentor zwar noch nicht viel zu sehen, aber im Sommer sollen in dem Nest Santo André nahe Porto Seguro im Bundesstaat Bahia an der Atlantikküste 13 Häuser stehen mit allem, was die Nationalspieler so benötigen. Bereits im März soll die Anlage weitgehend fertiggestellt sein.

Monatelang hat sich der DFB unter Leitung von Organisationschef Georg Behlau in Brasilien umgeschaut, aber kein Hotel, das die Fifa zur Auswahl gestellt hat, scheint restlos den Wünschen des Verbandes entsprochen zu haben. Dabei hatten sich Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff schon relativ frühzeitig auf den Raum Porto Seguro am Atlantik konzentriert. Hier hätte es mit dem renommierten "Terravista Golf Resort" auch eine bereits bestehende Wohnanlage gegeben - inklusive Flugplatz und Hubschrauberlandeplatz. Aber offenbar war dies dem DFB zu weitläufig.

Standort des "Campo Bahia", der deutschen Unterkunft bei der WM 2014
SPIEGEL ONLINE

Standort des "Campo Bahia", der deutschen Unterkunft bei der WM 2014

Schon bevor die WM-Auslosung am 6. Dezember der Nationalmannschaft ausschließlich Vorrundengegner an der Ostküste zugeführt hat, gab es daher offenbar schon enge Kontakte zur Münchner Hirmer-Gruppe und dem Unternehmer-Netzwerk Lide mit der Überlegung, ein eigenes Quartier aus dem Boden zu stampfen. Entsprechende Hinweise liegen SPIEGEL ONLINE vor.

Bereits im Mai Kontakte zu Bierhoff aufgenommen

Hirmer hat sein Geld eigentlich mit Herrenbekleidung gemacht, das Geschäft in der Münchner Kaufingerstraße, direkt in der Innenstadt, ist das größte Haus für Herrenmode nicht nur in Deutschland, sondern nach eigener Auskunft sogar der Welt. Seit geraumer Zeit jedoch hat das Unternehmen sich auch auf den Immobiliensektor verlagert.

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WM 2014: Vorfreude und Baustellen
Ein solches Projekt wie das "Campo Bahia" des DFB dürfte aber auch für Hirmer mehr oder weniger Neuland sein. Hier kommt der Partner Lide ins Spiel, der sich selbst das "größte Unternehmer-Netzwerk Brasiliens" nennt, ein international agierender Player. Auf der Referenzliste im Internet rühmt man sich enger Kontakte zu Mercedes, Volkswagen, Audi oder Allianz - allesamt Konzerne mit engem Draht zum Fußball und zum Deutschen Fußball-Bund.

Für den DFB traf Bierhoff bereits Anfang Mai dieses Jahres anlässlich eines Unternehmer-Empfangs mit dem deutschen Lide-Geschäftsführer Stefan Maria Gast in München zusammen, dort wurden offenbar entsprechende Kontakte geknüpft.

Mit dem Quartier Marke Eigenbau sichert sich der DFB-Tross die Abgeschiedenheit, die er sich für seine Zwecke wünscht. Das Quartier ist laut "Bild" derzeit nur mittels einer Fähre erreichbar, in der Nähe liegt lediglich das 30.000-Einwohner-Städtchen Santa Cruz Cabrália. Die nächstgrößere Stadt, Porto Seguro, mit gut 150.000 Einwohnern für brasilianische Verhältnisse auch noch äußerst überschaubar, liegt 20 Kilometer entfernt.

Die Gegend gilt als klassische Urlaubsregion mit den entsprechenden Sandstränden, auch die Schweizer Nationalmannschaft mit Trainer Ottmar Hitzfeld hat sich Porto Seguro als Basiscamp ausgesucht. Die Schweizer allerdings sahen keinen Anlass, selbst baulich tätig zu werden. Sie zeigten sich mit der bereits bestehenden Anlage "La Torre" hochzufrieden. Aus der Schweizer Delegation hieß es, die Anlage "erfüllt alle hohen Ansprüche".

Eine Militärschule, ein Castello und ein toter Hund: Klicken Sie sich hier durch die besten WM-Quartiere der deutschen Nationalmannschaft.



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insgesamt 178 Beiträge
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Seite 1
tantali 13.12.2013
1. Qm2
Der DFB könnte doch für die kurze Zeit die Queen Mary 2 chartern und an der Küste festmachen lassen. Kommt für die kurze Zeit bestimmt preiswerter, als eine Nobelbude in geschützen Tropenwald zu stellen.
Benutzernameoptional 13.12.2013
2. Investition im Schwellenland
Die Überschrift ist falsch. Denn nicht der DFB baut eine Anlage, sondern ein Investor, der damit in Brasilien Arbeitsplätze auch über die WM hinaus schafft. Was soll daran schlecht sein?
widower+2 13.12.2013
3. Anschlussverwendung?
Was soll denn nach der WM mit der Anlage passieren? Ein paar Informationen dazu wären ganz hilfreich. Auch zu den Kosten findet sich nichts. Etwas dünn.
kimba_2014 13.12.2013
4.
Zitat von sysopDPAAlle WM-Teams finden ein Quartier in Brasilien - nur dem DFB ist keines gut genug. Deshalb baut der Verband sich jetzt sein eigenes Camp. Wohnunterkünfte und ein Trainingsplatz sollen binnen eines halben Jahres entstehen. Die Pläne gibt es nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen schon länger. http://www.spiegel.de/sport/fussball/dfb-baut-eigenes-quartier-fuer-die-wm-2014-a-938852.html
Und Frühstück gibts sicher jeden Morgen im Cafe Größenwahn. Vorrunde raus.
markster 13.12.2013
5.
und da wundert sich noch jemand, warum die leute von sportfunktionären, olympia etc. die nase gestrichen voll haben?
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