Rekordspieler Faryd Mondragón Alter!

Kolumbiens Ersatztorwart Faryd Mondragón hat einen Rekord aufgestellt: Durch seine Einwechslung gegen Japan ist er der älteste Spieler der WM-Geschichte - dabei war seine Nationalmannschaftskarriere eigentlich schon vorbei.

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Faryd Mondragón liebt große Auftritte, er steht gerne im Mittelpunkt. Ein Beispiel: Im August 2007 spielte er mit dem 1. FC Köln in der zweiten Liga gegen Carl Zeiss Jena. Köln lag zurück, Jena wollte Zeit schinden. Jenas Angreifer, ein Ungar namens Sándor Torghelle, verließ den Platz bei seiner Auswechslung kurz vor Schluss auffallend gemächlich. Da stürmte Mondragón aus seinem Tor, rannte bis zur Mittellinie und schob den trödelnden Torghelle unsanft vom Spielfeld, damit die Partie weitergehen konnte. Das Kölner Stadion tobte, der FC drehte das Spiel und Mondragón war der Held. Er hatte sein Team aufgeweckt, er hatte ein Zeichen gesetzt, wie es in der Fußballersprache heißt.

Jetzt hatte Mondragón erneut einen großen Auftritt, es war ein Auftritt für die Geschichtsbücher. Bei Kolumbiens abschließendem WM-Gruppenspiel gegen Japan wurde er in der 85. Minute für Stammtorwart David Ospina eingewechselt. Sportliche Erwägungen spielten dabei keine Rolle. Vielmehr sollte Mondragón seinen Rekord bekommen: Mit 43 Jahren und drei Tagen ist er jetzt der älteste Spieler, der je bei einer WM-Endrunde zum Einsatz kam. Er löste den bisherigen Rekordhalter Roger Milla ab, der seine letzte WM-Partie im Alter von 42 Jahren und einem Monat bestritten hatten, das war 1994.

Als Mondragón im Stadion von Cuiaba aufs Feld lief, erhoben sich die kolumbianischen Fans, sie feierten den Torwart wie einen Nationalhelden. Mondragón liefen Tränen über die Wangen, er schlug sich mit der Hand aufs Herz und winkte in die Menschenmenge. Es war ein rührender Moment. Sein Rekord gehöre Kolumbien, nicht ihm selbst, hatte Mondragón kürzlich schon mit einer ordentlichen Portion Pathos gesagt. Nach dem Spiel lief Mondragón zu den Fans, auch sein Sohn Lucca war da, natürlich im Kolumbien-Trikot.

In Köln verglich er sich mit Jesus

Gegen Japan kam Mondragón zum ersten Mal seit 16 Jahren bei einer WM zum Einsatz. 1994 in den USA war er Ersatzmann, er spielte keine Sekunde. 1998 in Frankreich war er dann Stammtorhüter, er machte alle drei Vorrundenspiele, dann war Schluss für Kolumbien. 2002, 2006 und 2010 war das Land nicht für die Endrunde qualifiziert, erst in Brasilien schafften es die Kolumbianer wieder ins Teilnehmerfeld. Und es ist erstaunlich, dass Mondragón immer noch dabei ist. Denn seine Karriere in der Nationalmannschaft war eigentlich schon vorbei. Nach der verpassten Qualifikation für das Turnier 2006 trat er zurück, ein Comeback Jahre später lehnte er ab. Er wollte sich auf den Vereinsfußball konzentrieren.

Ende 2010 tauchte er dann doch wieder in der Nationalmannschaft auf, bei einem Freundschaftsspiel gegen die USA gab er sein Comeback. Seitdem gehört er wieder zum Team. Trainer José Pékerman schätzt die Erfahrung des 43-Jährigen, deshalb hat er ihn mit nach Brasilien genommen. Er möchte einen erfahrenen Ersatzmann zur Verfügung haben, sollte sich Stammtorwart Ospina verletzen. Und diesmal ist Kolumbiens WM noch nicht nach der Vorrunde vorbei. Das Team hat sich souverän fürs Achtelfinale qualifiziert.

Mondragóns Erfahrung bemisst sich nicht allein an seinem Alter. Er spielte mit Galatasaray in der Champions League und mit Köln in der zweiten Bundesliga (und auch in der ersten), seine weiteren Vereine waren unter anderem Independiente in Argentinien, der FC Metz und Philadelphia Union. Er ist viel rumgekommen in seinem Fußballerleben, kennt Höhen und Tiefen. In den vergangenen beiden Jahren spielte er bei Deportivo Cali in Kolumbien, wo er 1990 seine Karriere begonnen hatte.

Mondragón ist immer wieder mal für einen Skandal oder zumindest ein Skandälchen zu haben. In seiner Zeit in Metz geriet er wegen gefälschter Pässe in Bedrängnis, bei einer Champions-League-Partie für Galatasaray gegen den AS Rom kam es zu einer Schlägerei, auch gegen Mondragón wurde danach ermittelt. Und sein Abschied vom 1. FC Köln, wo er von 2007 bis 2010 spielte, ist legendär: Mit der Teilnahme an einer Länderspielreise provozierte er seinen Rauswurf. Mondragón fühlte sich von der Kölner Vereinsspitze verraten und hielt vor der lokalen Presse einen Rede, in der er sich mit Jesus vergleich. Auch der sei schließlich hintergangen worden.

Wie gesagt: Mondragón liebt große Auftritte. Seit seiner Einwechslung gegen Japan hat er einen Platz in der WM-Historie sicher.



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Seite 1
sebastian.teichert 25.06.2014
1. optional
Ist ist nicht mehr oder weniger, als eine nette Geste Kolumbiens! Weil er mit Galatasaray mehr schlecht als recht aus der CL ausgeschieden und und !OHO! Mit Köln in der 2. Liga gespielt hat, hat er so viel Erfahrung? Bitte! Das ist doch einfach nur albern und da man von Kolumbien sonst weiter nichts hören wird der Versuch etwas Aufmerksamkeit zu erhaschen! -.-
kastenmeier 25.06.2014
2. ...
Zitat von sysopREUTERSKolumbiens Ersatztorwart Faryd Mondragón hat einen Rekord aufgestellt: Durch seine Einwechslung gegen Japan ist er der älteste Spieler der WM-Geschichte - dabei war seine Nationalmannschaftskarriere eigentlich schon vorbei. http://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-2014-in-brasilien-faryd-mondragon-bricht-rekord-von-roger-milla-a-977285.html
Sehr schäbig und billig, dieses künstliche Rekordbasteln. Millar hat für Kamerun mit 42 Jahren gespielt, weil er der Mannschaft geholfen hat, weil er gut war, ein tatsächlich sportlicher Erfolg. Die Nummer gestern diente einzig dem abluchsen des Rekordes, albern und entlarvend zugleich, allein für so eine Scheißaktion gönne ich Kolumbien das Rausfliegen. Demnächst sollten wir auf die Nominierung des dritten Torstehers verzichten und stattdessen (z. B. beim Stand von 5:0 gegen Holland in der 36. Minute) Uwe Seeler in den Mittelkreis setzen. Dann hat die liebe Seele Ruh.
Attila2009 25.06.2014
3.
Zitat von sysopREUTERSKolumbiens Ersatztorwart Faryd Mondragón hat einen Rekord aufgestellt: Durch seine Einwechslung gegen Japan ist er der älteste Spieler der WM-Geschichte - dabei war seine Nationalmannschaftskarriere eigentlich schon vorbei. http://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-2014-in-brasilien-faryd-mondragon-bricht-rekord-von-roger-milla-a-977285.html
Also ich habe Mondragon in guter Erinnerung als fairen Sportsmann. Als der FC Köln zum Zweitligaspiel in Aue weilte gab es eine Szene als ein Auer Angreifer fair über den in den Ball werfenden Torwart sprang. Der Ball wurde wieder nach vorn gespielt und Mondragon winkte den Auer zu sich und gab ihn dankend die Hand weil er über ihn sprang. So etwas macht bleibenden Eindruck.
dgs 25.06.2014
4. Ich werfe mich weg vor lachen...
Zitat von kastenmeierSehr schäbig und billig, dieses künstliche Rekordbasteln. Millar hat für Kamerun mit 42 Jahren gespielt, weil er der Mannschaft geholfen hat, weil er gut war, ein tatsächlich sportlicher Erfolg. Die Nummer gestern diente einzig dem abluchsen des Rekordes, albern und entlarvend zugleich, allein für so eine Scheißaktion gönne ich Kolumbien das Rausfliegen. Demnächst sollten wir auf die Nominierung des dritten Torstehers verzichten und stattdessen (z. B. beim Stand von 5:0 gegen Holland in der 36. Minute) Uwe Seeler in den Mittelkreis setzen. Dann hat die liebe Seele Ruh.
Ich kann nicht mehr vor lachen... Einer der schönsten Kommentare der letzten Jahre! Vielen Dank, das ist der Grund, weswegen ich dieses Forum immer wieder lese!
Multiple Choice 25.06.2014
5.
Zitat von dgsIch kann nicht mehr vor lachen... Einer der schönsten Kommentare der letzten Jahre! Vielen Dank, das ist der Grund, weswegen ich dieses Forum immer wieder lese!
Najaaa, eher zum Heulen. Erstaunlich, wie groß die Missgunst ist. Kann man nicht wenigstens ein bisschen was dem Mondragón gönnen?
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