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Kommentar zum deutschen Team: Der Titel ist kein Muss

Ein Kommentar von

REUTERS

Dreimal hintereinander hat es die deutsche Nationalmannschaft zuletzt bei einer WM mindestens ins Halbfinale geschafft. In Brasilien soll, nein: muss nun mindestens das Gleiche rausspringen. Warum eigentlich?

Am Abend beginnt auch für die deutsche Fußballnationalmannschaft endlich die WM, gegen Portugal hofft die Mannschaft von Joachim Löw auf einen guten Start.

Für viele ist die Portugiesen-Partie nur eine Etappe auf dem Weg ins Finale. "Joachim Löw muss sich am Titel messen lassen", schrieb Michael Ballack in der "Mopo". "Ich glaube, der Zeitpunkt ist jetzt da", sagte Jürgen Klinsmann in der "Sportbild". Und Franz Beckenbauer? "Wenn nicht jetzt…?" fragte er rhetorisch bei Sky, denn: Nie habe eine deutsche Mannschaft eine bessere Qualität gehabt.

Das einhellige Urteil dieser Fußball-Granden: Deutschland muss Weltmeister werden. Jetzt. Und Sie? Was glauben Sie?

2002: Finale. 2006: Halbfinale. 2010: Halbfinale. Sind Sie auch der Meinung, dass es Zeit ist für ganz oben? Glauben Sie auch, dass die deutsche Mannschaft jetzt dran ist? Stimmen Sie Franz Beckenbauer zu, dass das Team im Vergleich mit 2010 "jetzt viel mehr Erfahrung" hat und "am Zenit" ist? Muss Deutschland Weltmeister werden?

Ich glaube, die deutsche Mannschaft kann Weltmeister werden. Aber sie muss nicht.

Denn der Fußball ist kein Modell, in dem man nur konstant die eigene Leistung verbessert und am Ende automatisch vorn landet. Es gibt im modernen Fußball kein absehbares Ende eines planbaren Weges, kein Anrecht auf den höchsten Erfolg. Nur im Modell verharrt die Konkurrenz auf dem Status quo. In der Realität verbessern sich auch die anderen, manchmal sogar schneller als man selbst.

Siegenthalers Warnung

Wer glaubt, dass der WM-Titel jetzt geholt werden muss, der sollte dem deutschen Chefscout zuhören. Urs Siegenthaler sagt: "Die ganz großen Mannschaften machen momentan wieder einen Sprung, da müssen wir wachsam sein." Siegenthaler spricht nicht vom Titel, er warnt, dass Deutschland abgehängt werden könnte.

Der moderne Weltfußball sieht fünf, sechs, sieben Mannschaften auf dem taktisch, technisch und physisch höchsten Niveau, neben Deutschland sind das Brasilien, Argentinien, Italien, Spanien, knapp dahinter noch Frankreich, die Niederlande, England, und bald vielleicht auch Belgien. Zu diesem Zirkel zu gehören, ist ein Erfolg, auf den man stolz sein kann. Innerhalb dieses Zirkels der Beste zu sein, kann ein Wunsch sein, aber nie ein Muss.

Deutschland muss bei dieser WM nicht Weltmeister werden. Die Mannschaft muss nicht mal das Finale erreichen oder das Halbfinale. Selbst bei einem Viertelfinalaus könnte es immer noch eine gute WM gewesen sein. Es kommt nur darauf an, wie die Mannschaft ausscheidet. Denn alles, was das DFB-Team um Joachim Löw muss, ist: alles geben. Und viel Glück haben.

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Zum Autor
Saima Altunkaya
Christian Gödecke ist Sportchef von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Christian_Goedecke@spiegel.de

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1. Das ist doch alles Jogi-Sprech
alexschneider75 16.06.2014
Genauso klingt der Bundestrainer. Ergebnisse sind nicht wichtig, hauptsache man hat schön gespielt. Und dann macht man sich beim ersten Spiel gegen eine Mannschaft, in der erwachsene Männer stehen, wie Italien oder Spanien, wieder jämmerlichst in die Hose, vergisst die eigenen Stärken und scheidet ohne Gegenwehr aus.
2. Gedämpte Erwartungen
teacher20 16.06.2014
Schön, dass man für das letztendliche Scheitern nach (vermutlich) Anfangserfolgen schon vor dem ersten Spiel der deutschen Mannschaft vorbaut...
3.
stevenspielberg 16.06.2014
Zitat von sysopREUTERSDreimal hintereinander hat es die deutsche Nationalmannschaft zuletzt bei einer WM mindestens ins Halbfinale geschafft. In Brasilien soll, nein: muss nun mindestens das gleiche rausspringen. Warum eigentlich? http://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-2014-kommentar-zu-deutschlands-titelchancen-a-975342.html
Ja, klar, dabei sein ist alles. Das ist WM, nicht Olympia! Diese Generation guter Spieler braucht endlich einen Titel. Und wir auch! Eine große Fußballnation und das ist Deutschland, muss von Zeit zu Zeit einen Titel gewinnen. Seit dem ersten Titel(WM oder EM) 1954 vergingen maximal 18 Jahre bis zum nächsten Titel. Diese Zeitspanne haben wir nun wieder erreicht. Ich kann diese Ausreden nicht mehr hören: Hauptsache gut gespielt! Klar, die Griechen werden 2004 bestimmt gedacht haben: Wir sind zwar Europameister, aber wir haben voll destruktiv gespielt. Was zählt ist das Ergebnis, und da muss mehr rauskommen, als bei den letzten drei Weltmeisterschaften. Glück, da gebe ich dem Autor Recht, braucht die Mannschaft dafür natürlich schon, vor allem im Halbfinale gegen Brasilien!
4.
ballanda 16.06.2014
Zitat von sysopREUTERSDreimal hintereinander hat es die deutsche Nationalmannschaft zuletzt bei einer WM mindestens ins Halbfinale geschafft. In Brasilien soll, nein: muss nun mindestens das gleiche rausspringen. Warum eigentlich? http://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-2014-kommentar-zu-deutschlands-titelchancen-a-975342.html
Merkwürdig! Überall in unserer Gesellschhaft wird dem Leistungsgedanken wie einem Götzen gehuldigt. Outsourcing staatlicher Zuständigkeiten in die Privatwirtschaft, ÖPPs, Lean Management und Co. Und ausgerechnet im Sport, wo das Streben nach Bestleistung konstitutiv ist, soll nach dem Autorenwillen jetzt gekuschelt werden? Quatsch! Der Zweite ist der erste Verlierer! Nicht unbedingt im Leben, aber im Fußball ganz sicher. In diesem Sinne: Der Titel muss her.
5. Man kann nur ein ziel erreichen wenn man es sich setzt.
jake1865 16.06.2014
Letztes Mqal haben die Deutschen das Ziel gehabt es bis ins Halbfinale zu schaffen. Genau das haben Sie erreicht und das war es dann auch. Wer Weltmeister werden will, muss sich das auch zum Ziel setzen. Sprüche wie: "Wir wollen ins Finale und dann sehen wir mal" sind Dumm. So wird man niemals wieder Weltmeister. In einem Kampf gewinnt derjenige der es am meisten will. Das ist Kopfsache, denn gut Fussballspielen können die alle. Natürlich ist der Gewinn kein muss, aber der unbedingte Wille es schaffen zu wollen, der ist es. Dazu gehört auch das Selbstvertrauen es schaffen zu können und nicht wie letztes Mal, vor lauter Angest vor den vermeintlich unbesiegbaren Spanieren, wie gelähmte Kannichen auf dem Platz rumzustehen. Kein Mannschaft ist übermächtig. Man sollte das aber den Gegner galuben machen. Gruß Jake
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Fußball-WM: Alle Gastgeber und Gewinner
Jahr Gastgeber Weltmeister
2022 Katar ???
2018 Russland ???
2014 Brasilien Deutschland
2010 Südafrika Spanien
2006 Deutschland Italien
2002 Japan und Südkorea Brasilien
1998 Frankreich Frankreich
1994 USA Brasilien
1990 Italien Deutschland
1986 Mexiko Argentinien
1982 Spanien Italien
1978 Argentinien Argentinien
1974 Deutschland Deutschland
1970 Mexiko Brasilien
1966 England England
1962 Chile Brasilien
1958 Schweden Brasilien
1954 Schweiz Deutschland
1950 Brasilien Uruguay
1938 Frankreich Italien
1934 Italien Italien
1930 Uruguay Uruguay
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