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Müllers Slapstick-Freistoß gegen Algerien: Finte oder Fehltritt? 

Müller beim Anlauf: "Schlechtester Freistoß aller Weltmeisterschaften" Zur Großansicht
imago/ Moritz Müller

Müller beim Anlauf: "Schlechtester Freistoß aller Weltmeisterschaften"

"Einer der bizarrsten Freistöße der WM-Geschichte": Müller läuft an, stürzt, läuft weiter - und kommt nicht an den Ball. Deutschlands skurrile Variante gegen Algerien amüsiert viele Beobachter. War der Kniefaller etwa Absicht?

SPIEGEL ONLINE Fußball
Hamburg - Die deutsche Nationalelf mag mit ihrem Auftritt beim 2:1-Sieg gegen Algerien vielleicht nicht mit überragenden Spielzügen begeistert haben - bestens unterhalten hat sie die Fußballfans dennoch. Zumindest mit einer Szene aus der Schlussphase der regulären Spielzeit, die nach Meinung etlicher Beobachter unvergessen bleiben dürfte.

Es läuft die 88. Minute, Deutschland bekommt einen Freistoß in vielversprechender Position zugesprochen: fast zentral, Entfernung zum Tor circa 25 Meter. Toni Kroos, Mesut Özil, Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller stehen bereit. Schon gegen Portugal und gegen Ghana hatten die Deutschen Freistöße mit mehreren angetäuschten Anläufen vorgeführt, beide Male war das Ergebnis ziemlich dürftig.

Doch die nun folgende Variante toppt alles: Schweinsteiger läuft an und springt über den Ball. Müller will es ihm offenbar nachmachen, doch zwei Meter vor dem Ball fällt er ohne erkennbaren Grund auf die Knie, rappelt sich wieder auf, rennt über den Ball mit hohem Tempo direkt in den Strafraum, wo ihn der sichtlich irritierte Kroos bedienen will, aber nur die Mauer trifft.

Eine Slapstick-Einlage, über die sich die Presse und prominente Beobachter prächtig amüsieren - Videos der Szene sind auf vielen internationalen Nachrichtenportalen zu finden, meist garniert mit spöttischen Kommentaren. So schreibt der "Sydney Morning Herald" aus Australien: "Deutschland hat einen der bizarrsten Freistöße in der Geschichte der Weltmeisterschaft aufgeführt."

Nun gelten die Australier nicht gerade als die versiertesten Fußballkenner - in diesem Fall deckt sich die Einschätzung der australischen Zeitung aber mit der eines echten Experten:

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Den algerischen Spielern in der Mauer, konstatiert das Blatt noch, "muss zu diesem Zeitpunkt zum Lachen zumute gewesen sein".

Für die Onlineausgabe der auflagenstarken US-Zeitung "USA Today" steht die Geschichtsträchtigkeit der Szene ebenfalls fest: "Deutschlands vermurkster Freistoß ist der peinlichste Patzer der Weltmeisterschaft".

Auch in der Schweiz verbergen die Zeitungen den Hohn über die verunglückte Standardsituation nicht. "Deutsche machen sich mit Slapstick-Freistoß lächerlich", titelt die Onlineausgabe der Boulevardzeitung "Blick" und wertet die Einlage der DFB-Kicker als "Blamage". Und die "Basler Zeitung" stellt fest: "Die Kombination der Deutschen geriet zur Lachnummer."

Allerdings fokussiert sich der Spott der internationalen Presse nicht ausschließlich auf Thomas Müller: Wie der "Sydney Morning Herald" sehen viele den Ausrutscher nur als einen Teil eines "komplett verunglückten Spielzugs", zu dem auch der seltsame Kreislauf Schweinsteigers und der lasche Lupfer von Kroos gehören. Die Aktion sei eine "einstudierte Freistoßvariante für die Ewigkeit" gewesen, schreibt das australische Blatt: "Oder war es einfach nur ein peinlicher Patzer?"

Die Frage bleibt vorerst unbeantwortet. "Das war einstudiert, im Training hat das auch immer geklappt. Wenn es aber nicht funktioniert, sieht das scheiße aus", sagte Kroos. Also ein bewusster Hinfaller? Thomas Müller selbst trug nach dem Spiel eher noch zur Konfusion bei. Während er im TV-Interview mit dem ZDF anscheinend ernst, aber mit einem Grinsen auf den Lippen bekundete: "Ich fand's ne gute Variante, das war schon bewusst so", überlieferte ein Reporter der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" folgenden Dialog aus der Mixed Zone:

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Also alles nur Geheimhaltung? Will Müller die gegnerischen Teams weiter im Unklaren lassen, um sie künftig mit noch ungewöhnlicheren Varianten austricksen zu können? Wenn die Slapstick-Einlage einem Spieler zuzutrauen - und zu verzeihen - ist, dann Müller. Seine Bewegungen und Laufwege sind ohnehin unergründlich. Bei ihm weiß man nie so genau, was er vorhat - und dann steht er plötzlich an der richtigen Stelle und trifft.

Bei der WM in Brasilien gelangen ihm bereits vier Tore - gegen Algerien vergab er jedoch beste Chancen. Die "Daily Mail" aus Großbritannien sieht die Freistoßszene daher symptomatisch für eine verkorkste Partie des Stürmers: "Eine schwache Vorstellung wurde komplettiert von seinem bizarren 'Als-ob-Ausrutscher'-Freistoß-Anlauf, an dessen Ende er allein im Strafraum stand - aber ohne den Ball."

fdi

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insgesamt 75 Beiträge
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1. Diese Finte...
s.4mcro 01.07.2014
...war eindeutig gewollt!!
2. Schon komisch!
wackerdurchsaufen 01.07.2014
Da mokieren sich immer alle über Ronaldo´s Western-Posing vor einem Freistoss - aber der trifft wenigstens häufig genug ...
3. Absicht?
maipiu 01.07.2014
Nie im Leben!
4.
Immanuel_Goldstein 01.07.2014
Zitat von sysopimago/ Moritz Müller"Einer der bizarrsten Freistöße der WM-Geschichte": Müller läuft an, stürzt, läuft weiter - und kommt nicht an den Ball. Deutschlands skurrile Variante gegen Algerien amüsiert viele Beobachter. War der Kniefaller etwa Absicht? http://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-2014-reaktionen-auf-mueller-ausrutscher-bei-freistoss-gegen-algerien-a-978473.html
Ich fand überhaupt nicht, dass Müller eine schlechte Partie gespielt hat. Der Freistoß war sicher unglücklich, aber Ausrutscher passieren nun mal. Es war allerdings so, dass der algerische Torwart drei Weltklasseparaden brauchte, um Müllers Schüsse und Kopfbälle zu entschärfen, die 90% aller Torhüter dieser WM reingelassen hätten. Ohne diese Paraden hätte Müller jetzt 6-7 Tore auf dem Konto.
5. Grosse Geste á la Brandt
SPONU 01.07.2014
...als Wiedergutmachung für die Schande von Gijón. Jetzt kann die Aussöhnung beginnen. Danke, soviel politisches Feingefühl hatte ich Jogi und den beteiligten Spielern garnicht zugetraut. Respekt! :)))
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