WM 2014 in Brasilien Tote bei schwerem Unfall auf Stadionbaustelle

Schwerer Unfall auf der Baustelle des WM-Stadions in São Paulo: Ein Kran ist zusammengebrochen und hat Teile der Arena stark beschädigt. Nach Behördenangaben starben mehrere Menschen. Die Baufirma und das lokale Organisationskomitee beriefen eine Dringlichkeitssitzung ein.


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Hamburg - Auf der Baustelle des WM-Stadions in São Paulo ist es zu einem schweren Unfall gekommen. Ein Kran brach zusammen und stürzte auf die Arena des Traditionsclubs Corinthians. Dabei wurden auch Teile des Stadions zerstört. Laut der Feuerwehr kamen dabei zwei Menschen ums Leben, zunächst hatten lokale Behörden von drei Toten gesprochen. Zudem habe es mehrere Verletzte gegeben.

Der Unfall ereignete sich gegen 12.00 Uhr Ortszeit durch einen umstürzenden Kran, der auf das Dach der Arena fiel. Dabei wurden große Teile der Dachkonstruktion beschädigt. Der Kran arbeitete von außerhalb des Stadions an der Platzierung der letzten Dachstücke. Ein Lastwagenfahrer kam in der Kabine des neben dem Kran geparkten Fahrzeuges ums Leben. "Es hätte noch mehr Todesopfer geben können, wenn das Unglück nicht während der Mittagspause passiert wäre", sagte ein Bauarbeiter dem Nachrichtenportal "G1". Der Kran habe das letzte und mit 500 Tonnen Gewicht schwerste Dach-Modul gehoben, als der Kranausleger umkippte und auf die Osttribüne fiel.

"Es sieht so aus, als wäre der Kran in zwei Teile zerbrochen. Zwei Stockwerke der Zuschauertribünen sind zum Teil zerstört", sagte Architekt Aníbal Coutinho der brasilianischen Zeitung "O Globo". Die Baustelle wurde sofort gesperrt, die Arbeiter wurden in Sicherheit gebracht. Für Mittwoch war der Einsatz von insgesamt 1500 Arbeitern über den ganzen Tag verteilt geplant.

Der Kran gilt eigentlich als eines der sichersten Modelle Brasiliens, er hat eine maximale Höhe von 114 Metern und kann ein Gewicht von bis zu 1500 Tonnen aushalten.

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Corinthians bestätigte das Unglück auf seiner Internetseite. "Der Vorstand von Corinthians bedauert den Unfall zutiefst", so der Club, der weder Opferzahlen noch weitere Details nannte. Fifa-Präsident Joseph Blatter schrieb den Familien der getöteten Arbeiter sein Beileid aus. Er sei sehr betroffen von dem tragischen Unglück. "Die Sicherheit der Arbeiter ist erste Priorität für die Fifa, das Organisationskomitee und die (brasilianische) Regierung", teilt der Weltverband mit.

Noch im Laufe des Mittwochs sollte es ein Dringlichkeitstreffen zwischen dem lokalen Organisationskomitee und der brasilianischen Baufirma Odebrecht geben. Das Stadion war zum Unglückszeitpunkt zu 94 Prozent fertiggestellt, nur das letzte Dachteil fehlte noch. In dem Stadion soll am 12. Juni kommenden Jahres das Eröffnungsspiel des Turniers stattfinden sowie drei Gruppenspiele, ein Achtefinale und ein Halbfinale.

Für den 25. Januar, zum 460. Jahrestag der Stadt São Paulo, war ein Einweihungsspiel zwischen Vereins-Mitarbeitern von Corinthians und Bauarbeitern vorgesehen. Die Kosten für das Stadion werden mit rund 855 Millionen Reais (273 Millionen Euro) angegeben. Die Arena bietet zur WM inklusive temporärer Sitztribünen Platz für mehr als 69.000 Zuschauer.

Für Ende Dezember war eigentlich die Fertigstellung der Arena de São Paulo geplant. Das schwere Unglück könnte die rechtzeitige Übergabe der Arena an die Fifa gefährden. Der Unfall ist bereits der dritte auf einer WM-Baustelle in Brasilien. Im Juni 2012 war ein 21 Jahre alter Arbeiter aus 30 Meter Höhe auf der Baustelle des Estádio Nacional von Brasília gestürzt. Im März 2013 war ein Arbeiter nach einem Sturz aus fünf Meter Höhe auf der Baustelle in der Arena Amazônia in Manaus gestürzt. Im Sommer war zudem bekannt geworden, dass es auf vielen WM-Baustellen bauliche Mängel gegeben hatte.

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Unfall auf WM-Baustelle: Schock nach Kran-Umsturz

max/bka/AP/Reuters/sid/dpa



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aurichter 27.11.2013
1. Sicherste Kran in Brasilien
Das mag ja sein, doch wie oft hat man schon gehört und auch gesehen, daß einfachste Sicherheitsanweisungen nicht eingehalten werden. So wird bspw die Auslage überschritten oder die automatische Überlast-Schaltung wird deaktiviert. Wäre nicht überrascht, wenn dies auch dort so mitunter gehandhabt wird. Die Betroffenen können einem Leid tun, sowas muss wirklich nicht sein. Traurig auch die vielen Unfälle auf den anderen Baustellen, allerdings werden diese Vorfälle nur erwähnt, weil dort die WM stattfindet, ansonsten hätte man davon nichts vernommen.
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