Marktwert der WM-Teilnehmer Deutschland im Finale!

Geld schießt keine Tore - stimmt diese Fußballweisheit? Nein. Die Ergebnisse der jüngsten Turniere zeigen: Stets das teuerste Team gewann den Titel. Bei der WM in Brasilien müsste Deutschland also im Finale stehen.

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Hamburg - Am Donnerstag beginnt die WM und der große Favorit eröffnet das Turnier. Brasilien ist für die Wettanbieter Titelanwärter Nummer eins, dahinter folgt das Team von Lionel Messi - Argentinien. Erst dahinter folgen der Titelverteidiger Spanien und die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw: Deutschland.

Dabei ist das, glaubt man einer neuen Studie, die wahrscheinlichste Finalpaarung des Weltturniers: Spanien gegen Deutschland.

Ein Blick zurück zeigt nämlich: 2006 und 2010 wurde jeweils das Team Weltmeister, das die wertvollsten Spieler im Kader hatte. Gleiches Bild bei den Europameisterschaften 2008 und 2012. Dreimal jubelten die Spanier, 2006 sicherte Italien sich den Titel. Und auch dieses Mal sind Andrés Iniesta (55 Millionen Euro), Cesc Fábregas (50 Millionen Euro) und Co. das wertvollste Team des Turniers.

Wie plausibel es ist, die Chancen eines Teams über die Marktwerte zu beziffern, haben die Wissenschaftler Jürgen Gerhards (FU Berlin), Michael Mutz (Universität Göttingen) und Gert G. Wagner (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) berechnet. In ihrer Studie "Die Berechnung des Siegers" zeigen sie, dass sich in der WM-Qualifikation fast ausschließlich die wertvollsten Teams durchsetzten: In Europa erreichten acht Mannschaften mit dem höchsten Marktwert ihrer Gruppe den ersten Platz, der die direkte Qualifikation bedeutete: Belgien, Italien, Deutschland, Niederlande, Schweiz, Bosnien-Herzegowina, England und Spanien. Nur Russland schaffte es in der Gruppe F, die vom Marktwert überlegenen Portugiesen auf Rang zwei zu verweisen. Portugal qualifizierte sich dann in den Playoffs gegen Schweden.

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Alle Fußball-Weltmeister: Fünfmal Brasilien, viermal Deutschland

Das einzige Überraschungsteam in Brasilien ist Honduras - die Zentralamerikaner setzten sich in der Gruppe vor den wertvolleren Mannschaften aus Mexiko und Jamaika durch.

"Deutschland hat aufgeholt"

Es ist also tatsächlich so simpel: In der Mehrzahl der Fälle gewinnt die Mannschaft mit dem teuersten Kader. Allerdings sind die Unterschiede beim Marktwert in der Qualifikation besonders groß. Gerhards weist darauf hin, dass die Unterschiede bei den Topteams dieses Mal deutlich kleiner sind als bei den vergangenen beiden Turnieren: "Vor allem Deutschland hat klar aufgeholt und liegt nur noch knapp hinter Spanien."

Zum Vergleich: Bei der WM 2010 in Südafrika hatte das deutsche Team nur etwas mehr als die Hälfte des Werts der Spanier - 334 Millionen Euro zu 650 Millionen Euro. Während der Marktwert der amtierenden Weltmeister leicht sank (631 Millionen Euro), stieg jener des DFB-Teams auf 562 Millionen Euro (hier finden Sie die Grafiken zu den Berechnungen der Forscher). Dafür sind vor allem die Stars Mario Götze, Mesut Özil und Thomas Müller verantwortlich, deren Wert jeweils auf rund 50 Millionen Euro beziffert wird. Zudem ist Deutschland recht ausgeglichen besetzt und nicht so abhängig von der Leistung eines Spielers wie Argentinien von Messi (120 Millionen Euro) und Portugal von Cristiano Ronaldo (100 Millionen Euro).

Die Forscher stützen sich bei ihren Berechnungen auf die Webseite "Transfermarkt.de". Für mehr als 500 Spieler, die 2012 den Verein wechselten, haben sie die Schätzungen mit den tatsächlich erzielten Transfersummen verglichen. Dabei ergab sich eine Übereinstimmung von 93 Prozent, schreiben die Wissenschaftler, "ein sehr hoher Wert".

Auch Brasilien, Argentinien und Frankreich haben beim Marktwert zu Spanien aufgeschlossen, weshalb es dieses Mal keinen klaren Favoriten gebe, sagt Gerhards. Wenn sich aber in der K.-o.-Phase jeweils das wertvollere Team durchsetzt, kommt es zu folgenden Halbfinal-Spielen:

Halbfinals nach Marktwerten (in Euro)

467,5 Millionen Brasilien vs. Deutschland 562 Millionen
631 Millionen Spanien vs Argentinien 391,5 Millionen
Für Brasilien spricht der Heimvorteil. Sechsmal wurde ein Gastgeber bisher Weltmeister: Uruguay 1930, Italien 1934, England 1966, Deutschland 1974, Argentinien 1978 und Frankreich 1998. "Die Bedeutung des Heimvorteils ist in den vergangenen 20 Jahren aber stetig gesunken", sagt Gerhards. Er begründet das mit der Professionalisierung und Globalisierung des Fußballs. Auch dass bislang kein europäisches Team in Südamerika Weltmeister wurde, ist für ihn kein Argument: "Das ist kein plausibler Grund, warum die Spanier oder Deutschland es nicht schaffen sollten."

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insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
PeterPan95 06.06.2014
1.
"Die Ergebnisse vergangener Turniere zeigen: Stets das teuerste Team gewann den Titel." - "Das ist kein plausibler Grund, warum die Spanier oder Deutschland es nicht schaffen sollten." - Soso, die eine Statistik ist also stärker als die andere. Auf welcher Grundlage genau? Genauso wie die eine Statistik einfach als unplausibel weggewischt werden kann, kann es die andere auch: "Es gibt keinen plausiblen Grund, warum Brasilien im Halbfinale nicht Deutschland schlagen könnte." Zack, schon bin ich ein "Forscher".
kunibertus 06.06.2014
2. Die WM
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEGeld schießt keine Tore - stimmt diese Fußball-Weisheit? Nein. Die Ergebnisse vergangener Turniere zeigen: Stets das teuerste Team gewann den Titel. Bei der WM in Brasilien müsste Deutschland also im Finale stehen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-2014-spanien-und-deutschland-sind-wertvollste-teams-a-973094.html
endet ohne einen Sieger, da sie wegen der anhaltenden Proteste der brasilianischen Bevölkerung abgebrochen werden muss.
FKassekert 06.06.2014
3. Marktwert Deutschland
562 Millionen der Spieler? Nehmen wir den Trainer hinzu und stellen fest, der hat ja noch nichts gewonnen und der Marktwert sinkt auf sage und schreibe NULL! Weltmeister? Sepp Herberger meinte schon vor Jahrzehnten: Eine Mannschaft muesst ihr sein! Eine ...
bjbehr 06.06.2014
4. Deutschland raus
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEGeld schießt keine Tore - stimmt diese Fußball-Weisheit? Nein. Die Ergebnisse vergangener Turniere zeigen: Stets das teuerste Team gewann den Titel. Bei der WM in Brasilien müsste Deutschland also im Finale stehen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-2014-spanien-und-deutschland-sind-wertvollste-teams-a-973094.html
Dann wäre es wünschenswert, dass Deutschland in der Vorrunde rausfliegt und der perfide Spruch "Geld regiert die Welt" ad absurdum geführt wird.
español 06.06.2014
5. Schaun mer...
...mal ob mein España überhaupt die Gruppenphase übersteht. Eine (mögliche) Niederlage im "Anfangs-Endspiel" gegen die Niederlande und dann ein Unentschieden gegen recht starke (und nicht zu unterschätzende) Chilenen...und Schwupps!!!...kann das Gruppen Abschluss-Spiel gegen Australien auch schon das letzte des Turniers sein. MfG aus Madrid
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