WM-Achtelfinalisten im Check Auf der Suche nach dem Titelfavoriten

Die 16 besten Teams der WM treten im Achtelfinale an. Wer konnte in der Gruppenphase überzeugen? Wie sind die Teams in Form? Wir haben uns die bisherigen Leistungen genau angeschaut.

Brasiliens Neymar
AFP

Brasiliens Neymar

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Mit Deutschland hat sich der Titelverteidiger bereits aus dem Turnier verabschiedet. Die restlichen Favoriten haben die Gruppenphase allesamt überstanden. Doch wie gut waren die Leistungen der Achtelfinalisten wirklich? Welche Prognosen lassen sich aus der Vorrunde für die K.-o.-Phase ableiten? Alle 16 Teams im Form-Check:

Frankreich - Argentinien

Frankreich: Wer vor der Weltmeisterschaft ein französisches Offensivspektakel erwartet hatte, wurde in den ersten drei Spielen enttäuscht. Drei magere Treffer erzielte das Team von Didier Deschamps im Turnier. Weil es Frankreich jedoch gelungen ist, das Spiel vor allem in der gegnerischen Hälfte stattfinden zu lassen, ließen auch wenige Teams weniger Torschüsse zu. Gegen Dänemark, den stärksten Gruppengegner, trat das Team besonders dominant auf, zeigte jedoch auch, dass in der mit Stars gespickten Offensive noch zu wenig zusammenläuft.

Argentinien: 27 Torschüsse, 257 angekommene Pässe im Drittel vor dem isländischen Tor - kein Team trat in diesem Turnier in einem Spiel so dominant auf wie Argentinien gegen Island. Das Problem: Die Überlegenheit reichte beim Unentschieden nur für einen Treffer. Und gegen stärkere Gegner wie Nigeria und Kroatien wurden die spielerischen Mängel des Teams um Superstar Lionel Messi dann offensichtlich. Gegen Frankreich wird es noch einmal schwerer.

Uruguay - Portugal

Uruguay: Als einziges Team des Turniers ließ Uruguay noch kein Gegentor zu. Das mag gegen Saudi-Arabien und Ägypten keine herausragende Leistung sein, doch auch die zuvor rauschhaft auftretende russische Offensive prallte an Diego Godín und seinen Nebenmännern ab. Das Team lässt den Gegner gern spielen, jedoch ungern treffen. Offensiv gab sich der zweimalige Weltmeister zunächst zurückhaltend, zeigte gegen Russland jedoch auch seine offensive Durchschlagskraft.

Portugal: Das Offensivspektakel gegen Spanien täuscht ein wenig darüber hinweg, wie schlecht der Europameister in Form ist. Spanien und selbst Marokko dominierten das Team über lange Phasen. Kein Team brachte verhältnismäßig so wenig Torschüsse innerhalb des gegnerischen Strafraums zustande. Kein Team ist so sehr von einem einzelnen Spieler abhängig wie Portugal von Cristiano Ronaldo.

Spanien - Russland

Spanien: Das Passspiel gehört zur DNA des spanischen Spiels, das hat auch dieses Turnier wieder eindrucksvoll gezeigt. Kein Team erreicht einen hören Wert. Spanien dominiert seine Gegner auch bei dieser WM. Nur Deutschland hat mehr erfolgreiche Pässe im Angriffsdrittel gespielt. Der Unterschied: Spanien war dabei mit sechs Toren deutlich effektiver. Obwohl das Team nur sieben Torschüsse pro Spiel zuließ, kassierte es mit sechs Gegentoren die meisten aller Achtelfinalisten. Eine beachtliche Schwachstelle.

Russland: Wie im Rausch hat Gastgeber Russland seine zwei ersten Spiele gewonnen. Allerdings waren die Gegner Ägypten ohne Superstar Mohamed Salah und Saudi-Arabien. Gegen Uruguay, den ersten starken Gegner, kam die vorher so treffsichere Offensive zum Erliegen, brachte es nur noch auf vier Torschüsse. Den Unterschied zwischen der Defensive Uruguays und Spaniens hatten wir allerdings bereits aufgezeigt.

Kroatien - Dänemark

Kroatien: Kroatien hat bei der WM durch Cleverness überzeugt. Gegen spielstarke Teams wie Argentinien und Nigeria blieben sie abwartend, auch die unter Erfolgsdruck stehenden Isländer ließen sie lange spielen. Doch in der Offensive nutzten sie ihre Chancen eiskalt. Sieben Treffer zeugen von einer durchschlagskräftigen Offensive.

Dänemark: Ein Tor hat Dänemark bislang im Turnier kassiert. Damit ist das Team in dieser Kategorie unter den Top 3. Allerdings liegt es bei den Dänen weniger daran, dass sie das Spiel vom eigenen Tor fernhalten, sie verteidigen es am eigenen Strafraum. Wenige verbleibende Teams ließen so viele Torschüsse zu. Gegen die treffsicheren Kroaten werden die Dänen Probleme bekommen.

Team Pässe Pässe ins Angriffsdrittel Dribblings Tore Schüsse Anteil Schüsse im Strafraum Tore kassiert Zugelassene Torschüsse Torschützen
Argentinien 654 146 14,3 1 15 60 1,67 10 3
Australien 528 85 11 1 11,3 61,9 1,33 8,7 2
Belgien 558 92 12 3 17 62,7 0,67 11,3 5
Brasilien 668 147 16,3 1,67 18,7 60,6 0,33 6,3 4
Kolumbien 484 78 7,7 1,67 8,3 52,2 0,67 10 4
Costa Rica 394 75 9,3 0,33 8,3 52,2 2 14,7 1
Kroatien 495 84 9,7 2 12,7 47,2 0,67 13,3 5
Dänemark 413 83 7,3 0,67 8,3 48,2 0,33 13,7 2
Ägypten 450 95 6 1 9,7 48,1 1,67 16,3 2
England 570 79 12 2,67 13 66,7 1 9,3 3
Frankreich 567 127 10 0,67 11,7 54,1 0,67 7 2
Deutschland 717 250 8,7 0,67 23 60,9 1,33 10,7 2
Island 310 64 8 0,67 10,7 68,5 1,67 18,7 2
Iran 248 36 8,3 0,33 7,7 56,3 1 15,3 1
Japan 568 88 5 1,33 10 76,7 1,33 11,3 4
Südkorea 346 72 11,7 1 11,3 38,3 1 18,3 2
Mexiko 461 92 14,7 1,33 15,7 46,7 1 19 4
Marokko 433 85 12 1 11,3 70,8 1 12,3 3
Nigeria 429 62 16 1,33 13 53,8 1 9,3 3
Panama 366 65 7 0,33 8 50 4 13,7 1
Peru 482 96 8 0,67 10 63,3 0,67 12 2
Polen 521 76 5 1 10,7 59,2 1,33 10,3 3
Portugal 496 87 10 1,67 11 36,4 1,33 11,7 2
Russland 418 97 9 2,67 9,7 58,4 1,33 12 4
Saudi-Arabien 628 127 9,7 0,67 12,3 48,8 2,33 11,3 2
Senegal 368 83 8,7 1 10 66,7 1,67 7,3 3
Serbien 430 101 9 0,67 11 63,6 1,33 14,3 2
Spanien 803 220 13,7 2 16,3 65,4 1,67 7 4
Schweden 336 62 6,7 1,33 12,3 73,2 1 14,3 3
Schweiz 558 86 10 2 12,7 47,2 1 15,3 6
Tunesien 508 75 9,3 2 12,3 51,5 2,33 16 5
Uruguay 570 94 8 1,33 14,7 56,7 0 6,7 3

Brasilien - Mexiko

Brasilien: Trainer Tite hat den brasilianischen Fußball wieder auf Erfolg getrimmt. Kein Team ist gleichsam offensiv so engagiert und steht defensiv derart sicher. Nach Spanien spielt Brasilien von allen verbleibenden Mannschaften am meisten im Drittel vor dem gegnerischen Tor, niemand schießt so oft auf das Tor. Zudem lässt Brasilien am wenigsten Schüsse auf das eigene Tor zu und hat bislang erst ein Gegentor gegen stark aufspielende Schweizer bekommen. Dass Brasilien nach wie vor die beste Quote bei erfolgreichen Dribblings vorweisen kann, ist Ehrensache.

Mexiko: Gegner Mexiko spielt mit offenem Visier: Von allen verbleibenden Teams schießen die Mittelamerikaner am viertmeisten auf das Tor und das aus allen Lagen. Unter dem Offensivdrang leidet schon mal die Defensive, denn kein Team hat im gesamten Turnier durchschnittlich so viele Torschüsse zugelassen. Dass dies jedoch nicht zwingend zu Gegentoren führen muss, durfte das deutsche Team feststellen.

Belgien - Japan

Belgien: Niemand ist so torgefährlich wie Belgien. Drei Tore pro Spiel hat das Team in der Vorrunde geschossen, nach Deutschland und Brasilien sucht Belgien am häufigsten den Abschluss. Allerdings probierte die Mannschaft die Spiele nicht über ausufernde Passsequenzen zu dominieren, sondern suchte meist den direkteren Weg zum Tor. Mit Romelu Lukaku wird der zwischenzeitlich angeschlagene Top-Torjäger zum Achtelfinale vermutlich wieder fit sein.

Japan: Kein anderes Team hat in seinen Angriffen so beharrlich den Weg in den Strafraum gesucht wie Japan. Drei von vier Torschüssen gab das Team von dort aus ab. Allerdings wagt sich das Team auch wenig vor das gegnerische Tor, sondern ist auf viele Pässe und Stabilität bedacht. Damit wurde es schon gegen Polen schwierig, Belgien wird die Defensive noch vor ganz andere Probleme stellen.

Schweden - Schweiz

Schweden: Keines der verbleibenden Teams ist bei der WM so passiv aufgetreten wie Schweden. Die Skandinavier lassen den Gegner spielen und halten sich aus dessen Torraum größtenteils raus. Wenn es für Schweden nach vorn geht, dann schnell und zielgerichtet. Das Team kontert bevorzugt und ist damit erfolgreich. Zur Not richten sie es per Elfmeter.

Schweiz: Die Schweiz hält den Ball gern in den eigenen Reihen, schafft es damit jedoch nicht immer, den Gegner auch vom eigenen Tor fernzuhalten. Nur Mexiko ließ von den Achtelfinalisten mehr Torschüsse zu. Dafür zeigte sich das Team im Umschaltspiel gefährlich und überrumpelte damit Serbien, den größten Konkurrenten um Platz zwei in der Gruppe. Ein Punkt gegen Costa Rica reichte zum Weiterkommen und auch Schweden wird keine unlösbare Aufgabe.

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Kolumbien - England

Kolumbien: Das Team um die Superstars Falcao und James Rodríguez hat in der Vorrunde nicht durch Offensivfußball geglänzt. Von allen Achtelfinalisten wagte sich einzig Schweden weniger ins Angriffsdrittel, nur Dänemark suchte genauso selten den Abschluss. Dafür stand Kolumbien kompakt und ließ nur wenige gegnerische Torschüsse zu.

England : Zwei Siege zu Beginn, darunter das deutliche 6:1 gegen ein überfordertes Team aus Panama, täuschen ein wenig darüber hinweg, dass England nicht so dominant spielt, wie es die Torquote suggeriert. Die Mannschaft von Gareth Southgate kontrolliert die Gegner nicht im Kollektiv wie Spanien, sondern setzt auf die individuelle Klasse eines Delle Alli oder Harry Kane. Das Kräftemessen der B-Teams im letzten Gruppenspiel zwischen England und Belgien war kein Maßstab. Aber in der K.-o.-Runde könnte England gegen starke Gegner schnell an Grenzen stoßen.

In einer ursprünglichen Version hieß es, Argentinien erzielte keinen Treffer gegen Island. Diesen Fehler haben wir korrigiert.

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Seite 1
LeserOL 30.06.2018
1.
Nur war Mohamed Salah dabei beim Spiel gegen Russland.
uhrentoaster 30.06.2018
2. Halbfinal-Favoriten
Im Halbfinale erwarte ich Frankreich, Brasilien, Kroatien und England. Belgien sollte normalerweise spätestens im Viertelfinale an Brasilien scheitern. Ein Schlüsselspiel ist heute Frankreich-Argentinien. Sollten die Franzosen gegen Argentinien rausfliegen, dann befürchte ich einen Halbfinaleinzug von Messi. Möge es bitte nicht dazu kommen. England schätze ich wegen Kane stärker ein als Kolumbien und auch stärker als Schweiz oder Schweden. Vor allem beim Spiel Schweden-Schweiz sehe ich keinen Favoriten. Beide Mannschaften könnten den Engländern Probleme bereiten. Die Spanier werden hoffentlich die Russen rauswerfen, sollten aber normalerweise an Kroatien scheitern, weil deren Defensive stärker wirkt. Aber vielleicht kommt es ja zwischen Kroatien und Dänemark zu einem Elfmeterschießen und die Dänen sorgen für eine Überraschung. Gegen Dänemark schätze ich Spaniens Chancen höher ein. Uruquay könnte sich durchmogeln. Ich bin gespannt, ob sie sich gegen Ronaldos Mannschaft durchbeissen können.
thorgur 30.06.2018
3. Zuviele Statistiken
Fussball ist keine Mathematik. Einzige Statistik die zählt sind die Tore. Alle anderen Statistiken kann man beim Fussball getrost in die Tonne kloppen, was man ja auch daran sieht, dass die aufgeführten Statistiken und die Ergebnisse auf dem Platz in keinerlei Relation stehen. Und was dabei rauskommt, wenn man sich zu sehr auf Statistiken verlässt oder danach sogar die Taktik bestimmt sah man ja an Deutschland. Und Titelfavoriten ? Ich konnte keinen ausmachen in der Vorrunde. Es gibt einige Mannschaften denen man den Titel zutrauen kann und einige bei denen es doch sehr unwahrscheinlich ist. Aber klare Favoriten seh ich da keinen. Keine Mannschaft der Vorrunde hat 100 % überzeugt. Allgemein war das Niveau der Spiele sehr durchschnittlich.
elimaranders 30.06.2018
4. Ach, Statistik
Wie schön ist es doch, Statistiken für Fußballteams zu erstellen, über sie nachzudenken und zu diskutieren und sich augenscheinlich überhaupt keine Gedanken darüber zu machen, was sie aussagen. das ist jetzt doch sehr klar geworden, dass wir aus diesen Statistiken, wie sie vorliegen, eigentlich den Schluss ziehen müssten, dass Deutschland im Achtelfinale steht. Oder wie anders kann man diese Statistiken lesen? In allen Bereichen, die ich jetzt durchgelesen oder vielleicht auch nur überflogen habe, steht Deutschland eigentlich sehr gut da! Also, danke lieber Spiegel, dass ihr euch die Mühe macht, dass Statistiken völliger Blödsinn sind. Oder wie anders wollt ihr diese Statistiken jetzt interpretieren? Danke für den Mut, aufzuzeigen, dass die Statistiken offensichtlich gar nichts aussagen! es braucht noch nicht mal jemanden, der die Statistiken gefälscht hätte, denn die Statistiken sind ja alle richtig! Diese Unsitte, solche Statistiken zu erstellen, hängt wohl eigentlich nur damit zusammen, dass es möglich ist. Wir gehen wohl herrlichen Klammer auf digitalen Klammer zu Zeiten entgegen.
elimaranders 30.06.2018
5. Ach, Statistik
Wie schön ist es doch, Statistiken für Fußballteams zu erstellen, über sie nachzudenken und zu diskutieren und sich augenscheinlich überhaupt keine Gedanken darüber zu machen, was sie aussagen. das ist jetzt doch sehr klar geworden, dass wir aus diesen Statistiken, wie sie vorliegen, eigentlich den Schluss ziehen müssten, dass Deutschland im Achtelfinale steht. Oder wie anders kann man diese Statistiken lesen? In allen Bereichen, die ich jetzt durchgelesen oder vielleicht auch nur überflogen habe, steht Deutschland eigentlich sehr gut da! Also, danke lieber Spiegel, dass ihr euch die Mühe macht, dass Statistiken völliger Blödsinn sind. Oder wie anders wollt ihr diese Statistiken jetzt interpretieren? Danke für den Mut, aufzuzeigen, dass die Statistiken offensichtlich gar nichts aussagen! es braucht noch nicht mal jemanden, der die Statistiken gefälscht hätte, denn die Statistiken sind ja alle richtig! Diese Unsitte, solche Statistiken zu erstellen, hängt wohl eigentlich nur damit zusammen, dass es möglich ist. Wir gehen wohl herrlichen Klammer auf digitalen Klammer zu Zeiten entgegen.
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