Argentinien weiter mit Trainer Sampaoli "Dieses Elend kostet wertvolle Tage"

Keine Trennung trotz der großen WM-Enttäuschung: Jorge Sampaoli bleibt vorerst Trainer von Argentiniens Nationalmannschaft. Er bekommt sogar noch mehr Einfluss.

Trainer Jorge Sampaoli aus Argentinien
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Trainer Jorge Sampaoli aus Argentinien


Die Aufarbeitung des enttäuschenden WM-Auftritts von Argentinien mit dem Achtelfinal-Aus ist noch nicht abgeschlossen. Immerhin: Nach einem Krisentreffen in Ezeiza bei Buenos Aires traf der Verband eine vorübergehende Entscheidung: Jorge Sampaoli bleibt vorerst Trainer, Ende des Monats soll das Exekutivkomitee des argentinischen Fußball-Verbands die Situation endgültig bewerten.

"Es ist nur eine Pause. Die Geschichte von Verstrickungen, Unsinn und Lügen wurde nicht beendet", schrieb die Zeitung "La Nacion". In der Sportzeitung "Olé" hieß es: "Dieses ganze Elend und die Weiterbeschäftigung des Trainers kostet nur wertvolle Tage für den dringend notwendigen Neuaufbau der Nationalmannschaft." Laut einer Umfrage von "La Nacion" wünschen sich 86 Prozent der Teilnehmer eine Absetzung Sampaolis.

Aber so ist es nicht gekommen: Keine Trennung durch den Verband, keine klare öffentliche Position durch Verbandschef Claudio Tapia und dessen Stellvertreter Daniel Angelici. Und auch kein Rücktritt von Sampaoli, wobei dieser auch am wenigsten zu erwarten war bei der rund einstündigen Zusammenkunft. Einem informativen Treffen, wie es danach inoffiziell hieß. Man habe Sampaoli auch nicht aufgefordert zu gehen, hieß es weiter.

Sampaoli wird sogar befördert

Ein überraschendes Ergebnis der Zusammenkunft: Sampaoli wird sogar mit einer weiteren Funktion ausgestattet. Der 58-Jährige soll Ende des Monats die U20 des Landes bei einem Turnier in Spanien betreuen.

Die Fortsetzung mit Sampaoli könnte auch finanzielle Hintergründe haben. Bei einer Entlassung in diesem Jahr würde Medienberichten zufolge eine Abfindung in zweistelliger Millionenhöhe fällig werden. Sampaoli war vom Verband vor knapp einem Jahr aus seinem bis diesen Sommer laufenden Vertrag beim spanischen Erstligisten FC Sevilla herausgekauft worden.

Unklar ist zudem, ob der Star die Auswahl verlassen wird: Lionel Messi hat sich nach der 3:4-Niederlage im Achtelfinale gegen Frankreich noch nicht zu seiner Zukunft im Nationaltrikot geäußert.

jan/dpa



insgesamt 4 Beiträge
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Svenner80 10.07.2018
1. Argentinien?
Bei der Überschrift habe ich jetzt irgendwie gar nicht an Argentinien gedacht ... komisch. Aber ich habe schon Verständnis dafür. Einen Trainer zu entlassen, nur weil er die WM in den Sand gesetzt hat und man als Verband jetzt auch keine Lust und Ahnung hat, wie es irgendwie anders und wo überhaupt hin- und weitergehen soll und dann auch noch finanzielle Einbußen wegen gewisser unglücklich verlaufender Dinge bei Vertragsgestaltung ... also unter diesen Umständen sollte man am besten alles einfach so weiterlaufen lassen, wie bisher. Am besten Sampaoli geht erst mal ein paar Wochen in aller Ruhe in sich, um alles aufzuarbeiten und dann voll neu durchzustarten.
fccopper 10.07.2018
2. Das
ist ja wie bei uns. Das Volk will einen Neustart, aber ohne die alten Seilschaften. Aber nein, es geht weiter wie gehabt. Das ist soooo langweilig und wohl auch den Ärger nicht wert. Neuaufbau ist schwer mit all den Altlasten. Die Hoffnung stirbt schon vorher. Schade.
Chico73 10.07.2018
3. Tja Neuanfang
Solange man noch überhaupt kein neues Konzept, einen möglichen neuen Trainer oder irgendwelche Visionen in Hinterhand hält, ist ein reiner Trainerwechsel eben auch kein Neuanfang sondern allenfalls eine blinder Aktionismus. Hier wohl auch die Parallele zum DFB. Abgesehen davon heißt die viel größerer Baustelle bei der AfA Lionel Messi. Ähnlich wie bei Neymar hat sich das Team, Trainer und der Verband viel zu sehr in die Abhängigkeit und die Tagesform dieses Ausnahmespielers gebracht. Argentinien hat zwei Finals (WM und Copa) verloren und beide male hat sich das ganze Team hinter LM verstecken können.
so what? 10.07.2018
4. Macht Sinn - die zwei Hauptverlierer
der WM Argentinien und Deutschland gehen bei der Trainerfrage Hand in Hand. Die anderen Nationen wird's freuen, dass die "biggest losers" im Geschäft bleiben....
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