Belgien besiegt England Dann gib ihn halt her, den Gruppensieg

Wer will denn schon gewinnen? England und Belgien schonten ihre Stars im Duell um den Gruppensieg, Platz zwei versprach nämlich den angenehmeren Turnierverlauf. Doch ein Traumtor beendete alle Rechenspiele.

Shakehands zwischen Gary Cahill und Leander Dendoncker
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Shakehands zwischen Gary Cahill und Leander Dendoncker

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Niederlage als Gewinn? Beide Teams waren für die K.-o.-Runde qualifiziert, es ging also darum, ob der Achtelfinalgegner Japan oder Kolumbien heißt. Und noch wichtiger: Ob man im weiteren Turnierverlauf im Viertelfinale auf Brasilien (oder Mexiko) treffen würde und im Halbfinale auf Frankreich, Argentinien, Portugal oder Uruguay. Auf der anderen Seite des Turnierbaums warteten Schweden oder die Schweiz und dann (im schlimmsten Fall) Spanien oder Kroatien. Die Krux: Die schwierigere Seite war dem Sieger des letzten Gruppenspiels vorbehalten.

Ohne 17: Diese Ausgangslage hatte wohl auch Auswirkungen auf die Aufstellung. Englands Trainer Gareth Southgate schonte acht Spieler, die noch beim 6:1 gegen Panama brilliert hatten. Roberto Martinez ließ gar neun Profis vom Kantersieg gegen Tunesien draußen. Harry Kane? Romelu Lukaku? Kevin de Bruyne? Fehlanzeige. Dafür: Jamie Vardy, Thorgan Hazard und Michy Batshuayi. Auch keine Schlechten.

Ergebnis: 1:0 für Belgien, hier geht es zur Meldung.

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Die erste Hälfte: War arm an Höhepunkten, wie ein Überblick der wichtigsten Ereignisse zeigt: Youri Tielemans prüfte Englands Torwart Jordan Pickford (6. Minute), Michy Batshuayi nutzte fast eine Unsicherheit des Keepers - nur eine Grätsche von Gary Cahill, der den Ball von der Linie kratzen konnte, verhinderte den ersten Treffer (10.). Fellaini versuchte es noch mit einem Fernschuss (27.). Dann war Halbzeit.

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Belgiens Sieg gegen England: Ein Treffer gegen die Langeweile

Die zweite Hälfte: Mit einer wunderschönen Einzelleistung sorgte Adnan Januzaj für das Highlight des Spiels. Er tänzelte seinen Gegenspieler im Strafraum aus und schlenzte den Ball in den Winkel (51.). Auf der anderen Seite vergab Marcus Rashford eine Riesenchance, als er alleine aufs Tor der Belgier zulief (66.). Je näher der Schlusspfiff kam, desto munterer wurde das Spiel. Fellaini setzte die letzte Möglichkeit ans Außennetz.

Streckt sich vergebens: Englands Torhüter Jordan Pickford
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Streckt sich vergebens: Englands Torhüter Jordan Pickford

Missgeschick des Spiels: Während seine Mannschaftskameraden über das 1:0 jubelten, schnappte sich Batshuayi den Ball aus dem Tor und wollte ihn wegschießen. Doch er traf den Pfosten, von dem der Ball wieder zurückprallte - mitten in sein Gesicht. Ein Kandidat für den Pleiten-Pech-und-Pannen-Zusammenschnitt nach dem Turnier. Immerhin konnte Batshuayi darüber lachen:

Fair-Play-Wertung: Bereits am Nachmittag hatte Japan sich mit einer Premiere ins Achtelfinale gezittert. Dank der Fair-Play-Wertung kamen die Asiaten eine Runde weiter, sie hatten zwei Gelbe Karten weniger im Vorrundenverlauf gesammelt als Senegal. Ähnliches hätte auch bei Belgien und England passieren können, die Belgier sorgten in dieser Kategorie schnell für klare Verhältnisse - indem sie frühzeitig zwei Gelbe Karten kassierten. Januzajs Treffer beendete auch diese Rechenspiele.

Schadenfreude: England sicher im Achtelfinale, Deutschland schon in der Vorrunde ausgeschieden? Logisch, dass das natürlich auch bei den Three-Lions-Fans Thema war. Schließlich hatte ihre Nationalmannschaft seit 1966 nicht mehr besser bei einer WM abgeschnitten als Deutschland. Da blieb Häme natürlich nicht aus.

Fazit des Spiels: Schönheit schlägt Berechnung.

England - Belgien 0:1 (0:0)
0:1 Januzaj (51.)
England: Pickford - Jones, Stones (46. Maguire), Cahill - Alexander-Arnold (79. Welbeck), Dier, Rose - Loftus-Cheek, Delph - Rashford, Vardy
Belgien: Courtois - Dendoncker, Boyata, Vermaelen (74. Kompany) - Tielemans, Fellaini, Dembele, Chadli - Januzaj (86. Mertens), Batshuayi, Thorgan Hazard
Schiedsrichter: Damir Skomina (Slowenien)
Zuschauer: 33.973
Gelbe Karten: - / Tielemans, Dendoncker



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gibmichdiekirsche 29.06.2018
1.
Ein Immer noch besser anzuschauendes Spiel einer bislang nicht eben gutklassigen WM. Aber ein Jammer, dass diese von der Ansetzung so vielversprechende Partie aufgrund der Tabellensituation so entwertet wurde. Beim Blick auf den Spielplan hatte sich gewiss nicht nur ich auf einen richtigen Kracher gefreut. Und dann spricht man bis zur 52. Minute nur über die mehr oder weniger eingefahrenen gelben Karten. Schade drum. Und viel Glück unseren netten schwarz-gelb-roten Nachbarn - gern bis ins Finale!
auf_dem_Holzweg? 29.06.2018
2. England kann nicht besser
sobale echte Gegner kommen ist es sofort aus mit der Torserie, schön zu sehen gestern. Selbst im Ausruhnodus kann man etwas Leistung bringen, mir erschienen die Engländer aber eher wie die Deutschen gegen Südkorea... Was nicht nötig ist ist nicht nötig, aber im Achtel- spätestens Viertelfinale ist Schluss, denn dort ist es nötig.
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