Brasiliens Remis gegen die Schweiz Jedem Anfang wohnt ein Zuber inne

Brasilien begann zauberhaft, spielte nach der Führung jedoch zu passiv. Ein Bundesligaprofi aus Hoffenheim brachte die Schweiz so noch einmal zurück ins Spiel. Immerhin: Neymars Friseur ist in Bestform.

Steven Zuber, Paulinho und Neymar (v.r.)
REUTERS

Steven Zuber, Paulinho und Neymar (v.r.)

Von Philipp Awounou


Eine neue Ära: Die Heim-WM 2014 endete für Brasilien mit einer Tragödie: Das "Mineirazo", die 1:7-Niederlage im Halbfinale gegen Deutschland, blieb den Südamerikanern in schmerzhafter Erinnerung. Gegen die Schweiz startete das Team in die Post-Mineirazo-Ära. Ein holpriger Auftakt.

Das Ergebnis: Brasilien verpasst den erstem WM-Sieg 2018 und spielt 1:1 gegen die Schweiz. Damit liegen die Teams in Gruppe E hinter Serbien auf den Rängen zwei und drei. Hier geht's zum Spielbericht.

Neymars Prozente: Superstar Neymar ist Brasiliens Hoffnungsträger. Laut seinem Coach Tite ist er nach überstandener Verletzung aber "noch nicht bei hundert Prozent". Sein mäßiger Auftritt in Rostov am Don bestätigte die Aussage. Immerhin: Neymars (offenbar italienischer) Friseur scheint in Bestform zu sein.

Die erste Hälfte: Mit dem Anpfiff übernahmen die Brasilianer die Kontrolle. Sie kombinierten gefällig und zeigten das eine oder andere Kabinettstückchen, ehe ein Mix aus beidem zum Führungstor durch Philippe Coutinho führte (20. Minute). Anschließend zogen sich die Südamerikaner zurück und hatten wenig Probleme, die bemühten, aber offensiv harmlosen Schweizer vom Tor fernzuhalten.

Die zweite Hälfte: Fünf Minuten nach Wiederanpfiff stand Steven Zuber nach einem Eckball richtig - und erzielte den überraschenden Ausgleich. Anschließend erhöhte Brasilien die Intensität und drückte auf die erneute Führung. Lange passierte nichts, dann vergaben Neymar (88.), Miranda (90.) und Renato Augusto (90.+5) die besten Gelegenheiten zum Sieg.

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Schweizer Remis gegen Brasilien: Das war Zuber, das war elegant

Deutsche Außenstelle: Zehn aktuelle oder ehemalige Bundesligaprofis stehen im Kader der Schweizer. Neun durften gegen Brasilien von Beginn an ran. Individuell waren sie ihren Gegenübern unterlegen, kompensierten dies jedoch durch hohe Einsatzbereitschaft.

Feines Füßchen: Coutinho trifft gerne aus der Distanz. Bis in die Schweiz scheint sich das allerdings nicht herumgesprochen zu haben. Bei seinem Führungstreffer hatte der Star vom FC Barcelona nach einer abgewehrten Flanke zu viel Platz an der Strafraumkante und bestrafte die Eidgenossen per Kunstschuss. Zucker.

Philippe Coutinho
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Philippe Coutinho

Schweizer Größenwahn? "Ein Punkt ist uns zu wenig", hatte Vladimir Petkovic, Nationalcoach der Schweiz, vor dem Aufeinandertreffen mit Brasilien verkündet. Ob er sich nach der Punkteteilung trotzdem zufrieden ins Bett legt?

Scheunentor: Zehn der vergangenen 13 Schüsse aufs Tor der Brasilianer bei Weltmeisterschaften waren drin. Keeper Alisson Becker kann dafür allerdings nichts: 2014 war er nicht im WM-Aufgebot, beim Ausgleichstreffer, dem einzigen gefährlichen Torschuss der Schweizer, war er chancenlos.

Hacke, Grätsche, Eieiei: Aus Sicht der Seleção hatte das Spiel drei Phasen: Phase 1, vom Anpfiff bis zum Führungstreffer, war gezeichnet von der spielerischen Klasse des Teams. Phase 2 reichte bis zum Ausgleich und stand im Zeichen offensiv passiver, aber defensiv kompakter und bissiger Brasilianer. Phase 3 verkörperte Brasiliens vergebliche Mühe um den Sieg.

Fazit des Spiels: Ihre einzige echte Torchance nutzten die engagierten - aber offensiv ideenlosen - Schweizer für einen Punkt. Auf der anderen Seite deuteten die Brasilianer ihr großes Potenzial an. Allerdings zu selten.

Brasilien - Schweiz 1:1 (1:0)
1:0 Coutinho (20.)
1:1 Zuber (50.)
Brasilien: Alisson - Danilo, Thiago Silva, Miranda, Marcelo - Casemiro (60. Fernandinho) - Paulinho (67. Renato Augusto), Coutinho - Willian, Neymar - Gabriel Jesus (79. Roberto Firmino)
Schweiz: Sommer - Lichtsteiner (87. Lang), Schär, Akanji, Rodriguez - Behrami (71. Zakaria), G. Xhaka - Shaqiri, Dzemaili, Zuber - Behrami, Schär, Seferovic (80. Embolo)
Schiedsrichter: Cesar Arturo Ramos Palazuelos
Gelbe Karten: Casemiro - Lichtsteiner, Schär, Behrami
Zuschauer: 45.000



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
thomas haupenthal 17.06.2018
1. Die...
Niederlage gegen Deutschland 2014 war der vorletzte WM-Auftritt. Danach gab es noch das Spiel gegen die Niederlande um den 3.Platz.
d.joed 18.06.2018
2. Deutsche Außenstelle - Nochmal nachbessern
"Zehn aktuelle oder ehemalige Bundesligaprofis stehen im Kader der Schweizer. Neun durften gegen Brasilien von Beginn an ran." Nicht ganz. Zehn aktuelle Bundesligaprofis stehen im Kader (Sommer, Bürki, Mvogo, Akanji, Elvedi, Zakaria, Fernandes, Zuber, Embolo, Drmic). Zusammen mit den ehemaligen Bundesligaprofis (Schär, Djourou, Rodriguez, Xhaka, Behrami, Shaqiri, Seferofic, Gavranovic) sind das 18 Spieler, von denen neun in der Startaufstellung standen...
Morpheus_Ahrm 18.06.2018
3. Mich hat das nicht...
... an Spaghetti erinnert, sondern eher an Stroh. Hat der Gute denn keine Freunde, die ihm sagen können, wie bescheuert das aussieht? Fußballerfrisuren sind ja eh so eine Sache, aber diese schlägt der Krone die Nägel aus dem Porzellanladen.
gandhiforever 18.06.2018
4. Gratulation
Die Eidgenossen haben diesen Punkt gegen Brasilien redlich verdient. Einer, der da voellig anderer Ansicht ist, ist ein gewisser Alexis Lalas, ehemaliger US-Internationaler. Er laesst kein gutes Haar am der Spielweise der Schweizer, meint, eine solche Mannschaft gehoere nicht an die WM. Anscheinend hat es der TV-Kommentator, der seine Broetchen bei Fox verdient, immer coh nicht ueberwunden, dass das US-Team es nicht geschafft hatte, sich zu qualifizieren. Hopp Schwiizz.
uli.lohmann 18.06.2018
5. Trendsetter?
Ronaldos Frisur 2002 fand damals nicht sonderlich viele Nachahmer. Schätze mal bei Neymar wird es auch nicht anders sein.
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