Umfrage zu Sexismus Große Mehrheit der Deutschen befürwortet WM-Kommentatorinnen

Wenn ZDF-Reporterin Claudia Neumann ihren Job macht, wütet im Netz der Hass - repräsentativ für die Mehrheit der Deutschen ist diese sexistische Haltung laut einer neuen Umfrage jedoch nicht.

ZDF-Sportreporterin Claudia Neumann
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ZDF-Sportreporterin Claudia Neumann


"Was bei Claudia Neumann passiert, sprengt alle Grenzen" - das sagte ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann vor rund einer Woche, als Social-Media-Nutzer gegen die Fußballexpertin hetzten, die als erste und bisher einzige Frau im deutschen Fernsehen WM-Spiele live kommentiert. Repräsentativ für die Mehrheit der Deutschen ist diese diskriminierende Haltung aber offenbar nicht: Mehr als zwei Drittel der Deutschen befürwortet es, dass WM-Spiele von Frauen kommentiert werden - so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Online-Meinungsforschungsinstituts Civey.

"Wie bewerten Sie es, dass bei der Fußball-WM 2018 auch Frauen als Live-Kommentatorinnen im Fernsehen auftreten?", lautete die Frage, die Civey im Internet mehr als 5050 erwachsenen Menschen gestellt hat. 48,5 Prozent der Befragten antworteten darauf mit "sehr positiv", weitere 20,4 Prozent mit "positiv".

Fünf Prozent antworteten mit "sehr negativ"

Für "unentschieden", die neutrale von fünf Optionen, entschieden sich 18,7 Prozent. "Eher negativ" antworteten 7,4 Prozent, die Option "sehr negativ" wählten nur fünf Prozent der 5056 Umfrage-Teilnehmer. Durchgeführt wurde die Civey-Befragung vom 22. Juni bis zum 25. Juni, der statistische Fehler lag bei 3,4 Prozent.

Schlüsselt man die Ergebnisse weiter auf, scheint noch am ehesten die Altersgruppe 50 bis 64 Kommentatorinnen skeptisch gegenüberzustehen: Hier antworteten 10,5 Prozent der Befragten mit "eher negativ" und 4,4 Prozent mit "sehr negativ". In der Altersgruppen darunter und darüber stimmten 5,8 Prozent (40-49 Jahre) beziehungsweise 7,6 Prozent (65+) für "eher negativ", "sehr negativ" kam hier auf 4,6 Prozent (40-49) beziehungsweise 4,8 Prozent (65+). Grundsätzlich ist aber in allen Altersgruppen "sehr positiv" die meistgewählte Antwort.

Auch die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Befragten sind nicht allzu groß: So stimmten den Civey-Daten zufolge 68 Prozent der Männer für "sehr positiv" oder "eher positiv", während es bei den Frauen 69,9 Prozent sind - darunter allerdings 51,6 Prozent Stimmen für "sehr positiv" (Männer: 45,6 Prozent). Dafür entschieden sich aber nur 11,5 Prozent der Männer für eine Negativ-Option, während bei den Frauen 13,2 Prozent der Entwicklung ablehnend gegenüberstehen.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen.

Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

mbö



insgesamt 129 Beiträge
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tarelsun 26.06.2018
1. Diskussion wert?
Muss man wegen ein paar Deppen denen das nicht gefällt gleich so nen Aufriss machen? Mir gefällt Bela Rethy auch besser. Aber nicht weil er ein Kerl ist sondern weil er die Emotion besser rüber bringen kann. Schlimmer als Fr Neumann sind da diese 2 Hampelmänner die abwechseln kommentieren und so viel unnötiges von sich geben als würde man ein Hör Buch hören und kein Fußball Spiel sehen.
gnarze 26.06.2018
2. Vollkommen egal,
ob X oder Y Chromosom - Frau Neumann hat gestern nicht gut kommentiert, viele Fehler gemacht, Spieler vertauscht. Das geht besser und habe ich auch besser von ihr schon erlebt.
vincent-april 26.06.2018
3. Begeisterung und Qualifikation
sind aus meiner Sicht entscheidend. Beides kann ich in den aktuellen Fällen nicht beurteilen. Wenn Frauen dort nur aus Prinzip oder zur Erfüllung der Quote eingesetzt werden, tut man weder den Frauen noch der Gleichberechtigung einen Gefallen.
Cobolt 26.06.2018
4. Umfrage nicht an Zielgruppe durchgeführt
was soll das ! Da kann ich auch fragen ob man Stierkämpfe gut findet. Wenn man in der Arena nachfragt kommt sicher was anderes heraus als im Web :-)
Raisti 26.06.2018
5.
Sprich man kann festhalten Ihr habt aus einer Mücke einen Elefanten gemacht. Nur weil 2-3 Deppen sich auf Twitter abfällig äußern ist das noch lange kein Shitstorm. Die ewig gestrigen wird es immer geben aber man sollte es tunlichst vermeiden Sie in Rampenlicht zu befördern mit solchen Artikeln.
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