Testspiel gegen Saudi-Arabien Deutschland siegt bei WM-Generalprobe - erneut Pfiffe gegen Gündogan

Nach fünf Spielen ohne Sieg wieder gewonnen: Die DFB-Auswahl konnte im letzten Test vor der WM aber nicht glänzen. Und: Beim Erfolg gegen Saudi-Arabien gab es Buhrufe für Ilkay Gündogan.

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Der deutschen Fußballnationalmannschaft ist der erwartete Erfolg im letzten Testspiel vor der Weltmeisterschaft in Russland geglückt. Er fiel allerdings knapper aus als gedacht: Das Team von Bundestrainer Joachim Löw setzte sich in Leverkusen 2:1 (2:0) gegen WM-Teilnehmer Saudi-Arabien durch.

Es war ein glanzloser Sieg und teilweise schwaches Spiel der DFB-Elf, aber immerhin: Die Serie von zuletzt fünf sieglosen Partien ist beendet. Am vergangenen Samstag hatte die Mannschaft 1:2 gegen Österreich verloren. Seinen ersten WM-Auftritt bekommt der Titelverteidiger am kommenden Sonntag gegen Mexiko (17 Uhr). Im Spiel gegen Saudi-Arabien gab es laute Pfiffe gegen Ilkay Gündogan.

Einem anderen Spieler blieben zu erwartende Buhrufe erspart: Mesut Özil fehlte wegen Knieproblemen. Sein Einsatz und der Empfang der Zuschauer war mit Spannung erwartet worden. Der Profi des FC Arsenal hatte sich wie Teamkollege Gündogan vor wenigen Wochen mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan fotografieren lassen. Die beiden Spieler mit türkischen Wurzeln wurden dafür teilweise heftig kritisiert.

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Deutschland vs. Saudi-Arabien: Eigentor und Pfiffe bei der WM-Generalprobe

Gündogan saß zunächst auf der Bank und wurde nach der Pause begleitet von Pfiffen eingewechselt. Auch wenn der 27-Jährige an den Ball kam, gab es laute Buhrufe. Bereits beim Test gegen Österreich wurden Gündogan und Özil von einem Teil der Anhänger ausgepfiffen.

Sportlich lief das Spiel so ab: Die DFB-Elf bekam den Gegner schnell unter Kontrolle und ging nach einem sehenswerten Spielzug über Joshua Kimmich, Marco Reus und Torschütze Timo Werner in Führung (9. Minute). Das mittlerweile mutiger gewordene Saudi-Arabien geriet danach seltener in Bedrängnis - ein Treffer fiel aber noch in den ersten 45 Minuten: Omar Hawsawi, bedrängt von Thomas Müller, schob den Ball ins eigene Tor (43.) - 2:0 für Deutschland.

In der Defensive feierte Jérôme Boateng sein Comeback. Der zuletzt verletzte Verteidiger und die Teamkollegen zeigten sich bei schnelleren Gegenstößen anfällig. Torwart Manuel Neuer musste aber kaum eingreifen, Marc-André ter Stegen ersetzte die Nummer eins nach der Pause. Und ter Stegen ließ seine unbestrittene Klasse einmal aufblitzen: Der Torwart des FC Barcelona wehrte in der 84. Minute einen Elfmeter ab, der Nachschuss von Taisir Al-Jassim war jedoch drin. Danach hatte Deutschland sogar Glück, Saudi-Arabien hatte in den Schlussminuten eine Großchance zum 2:2.

Timo Werner und Teamkollegen beim Torjubel
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Timo Werner und Teamkollegen beim Torjubel

Einer der aktivsten deutschen Angreifer war der Dortmunder Reus, der vor seiner ersten WM-Teilnahme steht und gute Chancen auf einen Startplatz im DFB-Team hat. Gegen Saudi-Arabien war Reus an den ersten beiden Treffern mitbeteiligt. Der zuletzt vor großen Turnieren immer wieder verletzte Reus profitiert mit Blick auf einen Stammplatz auch von der Nicht-Nominierung von Leroy Sané. Der Offensivspieler von Manchester City (33 Torbeteiligungen in der vergangenen Saison) wurde am Montag überraschend von Löw aus dem Kader gestrichen.

In der kommenden Woche reist das DFB-Team nach Russland. Nach dem ersten Turniereinsatz gegen Mexiko am Sonntag warten die weiteren Vorrundenduelle gegen Schweden am 23. Juni (20 Uhr) und vier Tage später gegen Südkorea (16 Uhr, alle Spiele im Liveticker von SPIEGEL ONLINE).

Für Saudi-Arabien beginnt die WM mit dem Eröffnungsspiel am Donnerstag gegen Gastgeber Russland (17 Uhr). Der Test gegen Deutschland hat gezeigt: Der WM-Außenseiter vom spanischen Trainer Juan Antonio Pizzi dürfte in dieser Verfassung zumindest nicht völlig chancenlos sein.

Deutschland - Saudi-Arabien 2:1 (2:0)
1:0 Werner (8.)
2:0 Omar Hawsawi (Eigentor, 43.)
2:1 Al-Jassim (Elfmeter-Nachschuss, 85.)
Deutschland: Neuer (46. ter Stegen) - Kimmich (81. Ginter), Boateng (46. Süle), Hummels, Hector - Kroos, Khedira - Müller (74. Brandt), Draxler, Reus (57. Gündogan) - Werner (62. Gomez)
Saudi-Arabien: Al-Mayouf - Al-Shahrani, Os. Hawsawi, Om. Hawsawi (82. Al-Bulaihi), Al-Harbi (46. Al-Breik) - Otayf (75. Al-Mogahwi), Al-Jassim - Al-Faraj (90.+1 Abdullah Al-Khaibari), Al-Shehri, Al-Dawsari (87. Bahebri) - Al-Muwallad (62. Al-Sahlawi)
Schiedsrichter: Slavko Vincic (Slowenien)
Gelbe Karten: - / Al-Mogahwi
Zuschauer: 30.210 (ausverkauft)

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jan

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WeEmm2010 08.06.2018
1. Tore Saudi 2 Deutschland 1
Die schwächste WM Mannschaft schießt gegen den Weltmeister im Spiel mehr Tore und verliert. Die heutige A-Mannschaft ist noch kein Garant für die Titelverteidigung. Kimmich im gegnerischen 16.er ist total fehlplaziert. Kroos Eckbälle und Pässe kommen nicht an. Bernd hat die Haare schön. Draxler ein Totalausfall.
wiseacre 08.06.2018
2. Hoffnung
Immerhin nicht verloren. Das macht doch Hoffnung, wenigstens die Gruppenphase zu überstehen.
knacki42 08.06.2018
3. Von den Spieler erreichten lediglich...
... Reuss und Werner Normalform. Bei Neuer reicht die Kondition offenbar nur für eine Halbzeit, genau wie für Boateng. Alle anderen schleichen über den Platz. Sane hätte mit seiner Schnelligkeit und überraschenden Aktionen da ohnehin nur unnötig Unruhe reingbracht. Kann bei Brandt ja nicht passieren.
bretone 08.06.2018
4. Was für ein mieses Verhalten, ...
... populistisch und xenophob, Gündogan in dieser Art und Weise zur WM zu schicken. Schande über Jene, die gepfiffen oder sich mit Buh-Rufen nicht gerade mit Ehre begossen haben. Gündogan hat sich eindeutig positiv zur Nationalmannschaft und auch zu deutschen Werten bekannt, und daher sollte diese Sache nun ruhen, damit man sich auf das Wichtigste konzentrieren kann: die Vorbereitung auf die WM!
romeov 08.06.2018
5. Müde und ausgelaugt
Eine Woche vor dem WM-Start ist immer noch keine Struktur zu erkennen, die Spieler wirken vollkommen Müde und ausgelaugt. Wenn das politische Pfiffe waren gegen Kündigen, hätte das Publikum die gesamte Mannschaft Saudi-Ariabiens auspfeifen müssen, aber so ist es halt, wenn man seine Informationen aus der Bild-Zeitung bezieht.
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