Kuriose WM-Premieren Endstand 1:10 - aber das eine Tor feierte El Salvador wie einen Sieg

Das erste Mal ist was Besonderes, das gilt natürlich auch für WM-Premieren. Die von El Salvador war ein Schützenfest, die von Senegal (gegen Frankreich) ein Triumph des Underdogs.

WM 1982: El Salvador gegen Ungarn
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WM 1982: El Salvador gegen Ungarn


In Russland feiern Island und Panama ihre WM-Premiere, da werden wohl eine Menge Getränke-Runden fällig: für die erste Gelbe (oder gar Rote?) Karte, den ersten Sieg - und vor allem für das erste Tor.

Gerade die ersten WM-Tore waren immer wieder von kuriosen Geschichten begleitet. Eine Auswahl:

WM 1974, Emmanuel Sanon, Haiti

Dass Haiti an der WM 1974 teilnahm, war nicht nur eine Premiere, sondern eine Sensation - zu der Emmanuel "Manno" Sanon mit seinen Toren maßgeblich beigetragen hatte. Denn damals konnte sich nur ein Team des Concacaf-Verbands für die WM qualifizieren und als Favoriten galten Mexiko sowie Trinidad und Tobago.

Haitis WM-Vorrundengegner hießen Italien, Argentinien und Polen, das Land war chancenlos und verlor alle Spiele. Aber Haiti schrieb trotzdem Geschichte, dank Sanon: Italiens Torwart Dino Zoff war vor der Auftaktpartie gegen Haiti zwölf Spiele ohne Gegentor geblieben. Auf die Frage, wer diese Serie brechen könnte, wurden nur Namen von polnischen und argentinischen Spielern genannt. "Das hat mich aufgeregt, denn ich wusste, dass ich es schaffen kann", sagte Sanon.

Dino Zoff (Italien, l.), Emmanuel Sanon (Haiti)
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Dino Zoff (Italien, l.), Emmanuel Sanon (Haiti)

Und er konnte die Experten überraschen: In der 47. Minute wurde Sanon im Münchner Olympiastadion mit einem Steilpass angespielt, er ließ Verteidiger Spinosi stehen, umkurvte auch Zoff und schoss das 1:0. Für Zoff war es das erste Gegentor nach 1142 Minuten - für Sanon der größte Moment seiner Karriere. "So schnell, wie ich bin, darf man nicht nur einen Verteidiger gegen mich stellen. Aber das hat Italien getan. Ich bin Spinosi einfach davongelaufen", erinnert sich Sanon.

Als er am 21. Februar 2008 an Krebs starb, ordnete Haitis Premierminister Jacques Edouard Alexis Staatstrauer an.

WM 2002, Papa Bouba Diop, Senegal

42 Jahre nach dem Ende der Kolonialzeit traf Senegal bei seinem WM-Debüt am 31. Mai 2002 in Seoul auf die einstige Kolonialmacht Frankreich. Alle Spieler waren in der ersten französischen Liga unter Vertrag, Trainer Bruno Metsu war Franzose. Kaum verwunderlich also, dass die Senegalesen den Beinamen "Frankreich B" verpasst bekamen.

Die Voraussetzungen hätten unterschiedlicher kaum sein können. Frankreich war amtierender Welt- und Europameister, hatte mit Thierry Henry, David Trezeguet und Djibril Cissé die besten Torschützen der englischen, italienischen und französischen Liga. Dass Zinédine Zidane verletzt fehlte, beunruhigte angesichts der hohen Qualität im Kader niemanden.

Papa Bouba Diop
imago/Pro Shots

Papa Bouba Diop

Doch Senegal schaffte die große Überraschung, oder, wie der englische "Guardian" schrieb: "Senegal verblüfft den Weltmeister mit einer der größten Sensationen der WM-Geschichte:" Der Neuling trat selbstbewusst und robust auf, Frankreich spielte arrogant und fahrlässig.

Beispielhaft dafür war die 30. Minute: Youri Djorkaeff hatte an der Mittellinie den Ball verloren. Anschließend konterte Senegal über El Hadji Diouf, der Frank Leboeuf mühelos überlief, von der Strafraumgrenze vor das französische Tor flankte, wo Torwart Fabien Barthez und Emmanuel Petit nicht konsequent klären konnten, so dass Papa Bouba Diop im Nachsetzen den 1:0-Siegtreffer erzielte.

Auch nach der Überraschung ging die Erfolgsstory weiter. Senegal wurde erst im Viertelfinale von der Türkei gestoppt. Frankreich hingegen fuhr ohne Tor bereits nach der Vorrunde heim.

WM 1982, Luis Ramirez Zapata, El Salvador

Zugegeben, seine WM-Premiere hatte El Salvador schon 1970 - doch das erste Tor sollte dem Land erst zwölf Jahre später gelingen. In der Heimat herrschte seit 1980 ein brutaler Bürgerkrieg, der noch bis zum Friedensvertrag zwischen Regierung und Guerillas am 16. Januar 1992 andauern und rund 80.000 Menschen das Leben kosten sollte.

Wie so oft war es der Fußball, der den Menschen in dem zerstrittenen und geschundenen Land für einige Stunden Abwechslung brachte. Ob Soldat oder Guerilla - alle verfolgten die Spiele der Nationalmannschaft in Spanien. So auch den WM-Auftakt gegen Ungarn in Elche am 15. Juni 1982.

WM 1982: El Salvador vs. Ungarn
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WM 1982: El Salvador vs. Ungarn

Die Partie war für El Salvador spätestens nach dem dritten Gegentor in der 23. Minute bereits verloren. Nach 54 Minuten stand es gar 0:5. Doch dann passierte es: El Salvadors Kapitän Norberto Huezo bekam am Elfmeterpunkt den Ball, passte ihn an drei Ungarn vorbei auf Luis Ramírez Zapata. Und der Offensivmann, den sie in der Heimat nur "Pelé Zapata" nennen, schob ohne Probleme ein.

Ramírez startete umgehend zu einem Jubellauf mit aufgerissenem Mund und geballten Fäusten, als hätte er das Siegtor geschossen. Dabei war sein Treffer nur eine Randnotiz. Ungarn gewann 10:1. Es ist bis heute der höchste Sieg - und das 1:10 somit die höchste Niederlage bei einer Weltmeisterschaft.

Und Zapatas Premierentreffer ist immer noch der Einzige in El Salvadors WM-Historie.



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