Argentiniens Sieg gegen Nigeria Mit Gottes Hilfe

Argentinien hat ein frühzeitiges WM-Aus gegen Nigeria abgewendet. Dank Diego Maradona? In jedem Fall litt und feierte der Weltmeister von 1986 auf der Tribüne mit, bis ihn die Kräfte verließen.

Diego Armando Maradona
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Diego Armando Maradona


Zitat des Tages: "Ich wusste, dass Gott mit uns ist und uns nicht verlassen würde", sagte Lionel Messi nach dem Last-minute-Sieg gegen Nigeria, mit dem sich Argentinien doch noch ins Achtelfinale gerettet hat. Ob er damit Diego Maradona meinte, der von seinem VIP-Platz wie schon in den vergangenen Partien bis zum letzten Moment mitkämpfte?

Die Szene des Spiels: Fünf Minuten vor Schluss sah alles so aus, als sollte die Albiceleste schon nach der Vorrunde ausscheiden. In der Blitztabelle lag Argentinien auf dem letzten Platz in Gruppe D. Bis Gabriel Mercado von rechts eine Flanke nach innen schlug, die der aufgerückte Innenverteidiger Marcos Rojo volley unhaltbar ins Netz schoss (86. Minute). Es war der Toni-Kroos-Moment der Argentinier. Und Maradona fiel fast vom Balkon.

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Argentiniens Sieg gegen Nigeria: Ein Maradona, zwei Matchwinner

Das Ergebnis: Argentinien gewann dank des späten Tors 2:1 und steht im Achtelfinale. Hier geht es zur Meldung.

Die "Historischen": Nach schwachen Auftritten beim Unentschieden gegen Island und bei der klaren Niederlage gegen Kroatien drohte Argentinien das frühe Aus. Nationaltrainer Jorge Sampaoli wurde in der Heimat scharf kritisiert - und soll die Aufstellung mit und auf Superstar Lionel Messi abgestimmt haben. Das Ergebnis war die mit einem Durchschnittsalter von über 30 Jahren älteste argentinische Startelf der WM-Geschichte. Die "Historischen" um Gonzalo Higuaín, Ángel di María und Javier Mascherano sollten den Worst Case verhindern. Im Tor gab der 31-jährige Franco Armani sein WM-Debüt.

Die erste Hälfte: Der "Endspiel"-Konstellation angemessen, begann Argentinien nervös. Javier Mascherano leistete sich einen katastrophalen Fehlpass in der eigenen Hälfte und hatte Glück, dass Kelechi Iheanacho zu lange brauchte, um zum Abschluss zu kommen (13. Minute). Erst durch einen genialen Messi-Moment (siehe unten) fand die Albiceleste ins Spiel und erarbeitete sich weitere Chancen. Messi traf mit einem Freistoß den Pfosten (34.). Kurz vor der Pause hatten die Argentinier Glück, dass ein hohes Bein von Rojo gegen Iheanacho im Strafraum nicht als Foul bewertet wurde (44.).

Der Messi-Moment I: Bislang war Messi bei dieser WM nur mit einem verschossenen Elfmeter in Erscheinung getreten. In der entscheidenden Partie um den Einzug ins Achtelfinale dauerte es genau 13 Minuten und 54 Sekunden, bis sich das änderte. Der argentinische Kapitän nahm einen langen Ball von Éver Banega in vollem Lauf mit dem linken Oberschenkel an, legte ihn sich mit dem linken Fuß vor und traf aus spitzem Winkel mit seinem "schwächeren" Rechten hart und platziert ins lange Eck. Drei perfekte Kontakte in einer fließenden Bewegung und höchstem Tempo. So traumhaft, so wunderschön, so Messi. Ein würdiges Jubiläum.

Der Messi-Moment II: Kurz vor Ende der Halbzeitpause fingen die Fernsehkameras ein, wie Messi seine Mannschaft auf die zweite Hälfte einschwor. Von Sampaoli war weit und breit nichts zu sehen. Man hatte aber ohnehin das Gefühl, dass in dem Moment der wahre argentinische Trainer in Aktion war. Und der nutzte für seine Ansprache natürlich öffentlichkeitswirksam die Mixed Zone im Spielertunnel und nicht die abgeschottete Kabine.

Die zweite Hälfte: Begann mit einem Schock für Argentinien: Nach einem Gerangel zwischen Mascherano und Leon Balogun im Strafraum gab Schiedsrichter Cüneyt Çakir Elfmeter für Nigeria. Victor Moses verwandelte betont lässig (51.). Ein zweiter möglicher Strafstoß nach Handspiel von Marcos Rojo wurde den Nigerianern verwehrt (77.). Erst in der Schlussphase kam Argentinien zu echten Chancen. Higuaín vergab aus aussichtsreicher Position (81.). Auf der anderen Seite vereitelte Armani eine große Möglichkeit des eingewechselten Odion Ighalo (83.), bevor Rojo für die Entscheidung sorgte. Den großen Maradona nahmen die Partie und das große Finale so sehr mit, dass er nach Abpfiff fast von seinem Platz getragen und ärztlich versorgt werden musste.

Auslegungssache: Elfmeter oder kein Elfmeter? Auch der Einsatz des Video Assistant Referees (VAR) ändert nichts daran, dass sich darüber trefflich streiten lässt. Schiedsrichter Çakir gab einen umstrittenen Strafstoß, einen anderen nach VAR-Studium aber nicht. Bei Rojos Handspiel stellt sich dabei die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Am Montag hatte Iran gegen Portugal nach einer vergleichbaren Szene einen Strafstoß zugesprochen bekommen. Auch in der Zweitrundenpartie zwischen Dänemark und Australien gab es Handelfmeter für ein ähnliches Vergehen. In beiden Fällen wurden die Entscheidungen nach Videobeweis getroffen. Es bleibt die Frage, ob der VAR angesichts solcher Szenen wirklich eine Verbesserung darstellt oder die Diskussionen nur auf eine andere Ebene verlegt wird.

Nigeria - Argentinien 1:2 (0:1)
0:1 Messi (14.)
1:1 Moses (51., Foulelfmeter)
1:2 Rojo (86.)
Nigeria: Uzoho - Omeruo (90. Iwobi), Troost-Ekong, Balogun - Idowu, Etebo, Mikel, Ndidi, Moses - Musa (90.+2, Iheanacho (46. Ighalo)
Argentinien: Armani - Tagliafico (80. Agüero), Rojo, Otamendi, Mercado - Di María (72. Meza), Banega, Mascherano, Pérez (61. Pavón) - Higuaín, Messi
Zuschauer: 64.000
Schiedsrichter: Çakir (Türkei)
Gelbe Karten: Balogun, Mikel / Mascherano, Banega, Messi

insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
skeptikerjörg 27.06.2018
1. Ekelhaft
Allein wegen Maradonnas Stinkefinger in Richtung der Nigerianer hätte Argentinien das Rausfliegen verdient gehabt. Wer diesen ekelhaften Kokser als Maskottchen mit sich rumschleppt ... und wer den auf die VIP-Tribüne einläd ...? Zum Spiel gibt es nicht viel zu sagen, beide nicht überzeugend, Nigeria hat sich gewehrt, so gut sie es konnten. Der nicht gegebene Handelfmeter war eher einer, wie der gegebene wegen Halten, so glich sich das aus.
bucketfor99 27.06.2018
2. Der macht aber
mächtig einen auf Elvis!
der_rookie 27.06.2018
3. Hm
Weiss jemand was mit Maradonna los ist? Immer wenn der aufsteht schlingt ein Mann von der Seite die Arme um dessen Bauch als ob um zu verhindern dass ER von der Tribüne runterstürzt. Dabei steht er auf einer WM Tribüne die ein ganz normal stabiles Geländer hat über das man nicht einfach so mal fällt. Kein ander VIP hat so einen Bauch-Festhalter?
RalfHenrichs 27.06.2018
4. Haut die unsportlichen Franzosen weg!
Zwar spielt ihr - ebenso wie Frankreich - nicht wirklich gut Fußball, aber wenigstens habt ihr Herz und Leidenschaft. Bitte rettet den Fußball!
K:F 27.06.2018
5. Es ist immer eine Freude Argentinien verlieren zu sehen
Und die Journaille zeigt Maradonna.
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