Drei Thesen zur WM Argentinien muss sich von Messi lösen

Island wird weiter überraschen, Frankreich muss sich keine Sorgen machen und Argentinien - tja, das steht vor einer schwierigen Entscheidung.

Lionel Messi (M.)
AFP

Lionel Messi (M.)


1. Argentinien muss sich von Messi lösen

Eins vorweg: Der verschossene Elfmeter ist nicht das Problem. Das kann selbst den Besten passieren. Trotzdem ist Mitfavorit Argentinien im ersten WM-Spiel gegen Island vor allem an Lionel Messi gescheitert. Die Argentinier machen sich zu abhängig von ihrem Superstar, fast jeder Angriff läuft über "La Pulga". Das wurde vor allem in der Schlussphase deutlich, als Argentinien einen Treffer erzwingen wollte.

Zwölf Torschüsse gab das Team in der letzten halben Stunde ab, acht davon kamen von Messi. Das kann reichen, oft genug hat der fünffache Weltfußballer entscheidende Tore erzielt. Aber es ist eben auch leicht zu verteidigen. Messi wurde gedoppelt, manchmal auch von drei Spielern gedeckt. Dabei achteten die Isländer vor allem darauf, dass sie seinen gefährlichen linken Fuß zustellten. Trotzdem bekam Messi jeden Ball und schloss in seiner Verzweiflung auch mit dem schwächeren Rechten ab - ohne Erfolg.

Ein weiteres Problem: Messi verdrängt mit Paulo Dybala einen sechs Jahre jüngeren Offensivspieler auf die Bank, der bei Juventus in schöner Regelmäßigkeit beweist, dass er Partien durch seinen starken Abschluss im Alleingang entscheiden kann. Nun könnten Dybala und Messi natürlich auch zusammenspielen. Das scheint sich aber noch nicht zu Nationaltrainer Jorge Sampaoli herumgesprochen zu haben.

2. Island wird weiter überraschen

Hinten gut stehen, vorne hilft ein Standard - diese Taktik haben viele von WM-Neuling Island bei diesem Turnier erwartet. Doch bereits gegen Auftaktgegner Argentinien präsentierte sich die Mannschaft von Heimir Hallgrímsson als Einheit, die mehr zu bieten hat.

Wie raube ich dem Gegner seine stärkste Waffe? Diese Aufgabe lösten die Isländer taktisch diszipliniert mit Bravour. Messi sah sich bereits weit vor dem gegnerischen Strafraum isoliert, sodass er zwar viele Abschlüsse zu verzeichnen hatte, aber nur wenige aus ansprechender Position. Auch seine Zuspiele landeten dort, wo sie die Isländer haben wollten: auf den ungefährlichen Außenpositionen, nie im Sechzehner.

Diese Tatsache allein sollte die anstehenden Gegner aus Kroatien und Nigeria bereits nachdenklich stimmen. Doch noch mehr Kopfschmerzen drohen dank des gezeigten Konterspiels. Mit schnellen Gegenstößen brachten die Isländer den Vizeweltmeister in der ersten Hälfte mehrfach in Bedrängnis und erzielten den verdienten Ausgleich. Eine Mischung, die für weitere Punktgewinne und sogar den Achtelfinaleinzug reichen kann.

3. Frankreich muss sich keine Sorgen machen

Die Franzosen gelten als noch heißerer Anwärter auf den WM-Titel als die Argentinier. Entsprechend enttäuschend war der Auftritt der Bleus gegen Australien. Vor allem von der hoch eingeschätzten Offensive um die Top-Stars Antoine Griezmann, Kylian Mbappé und Ousmane Dembélé war wenig zu sehen. Mbappé kam auf nur einen Torschuss (2. Minute), Dembélé auf keinen.

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Frankreichs mühsamer Auftaktsieg: Videobeweis, Torlinientechnik und zwei Elfmeter

Die guten Nachrichten aus Sicht der Franzosen: Mit Glück hat es trotz eines Aussetzers von Samuel Umtiti zum knappen Sieg gereicht; der französische Kader ist so stark besetzt, dass Trainer Didier Deschamps die Schwachstellen gezielt angehen und Wackelkandidaten wie Dembélé und Umtiti mindestens gleichwertig ersetzen kann; und gegen die weiteren Gruppengegner Peru und Dänemark bleibt ausreichend Gelegenheit, die notwendigen Anpassungen vorzunehmen, bevor in der K.-o.-Runde echte Herausforderungen warten.



insgesamt 12 Beiträge
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Papazaca 17.06.2018
1. Island verdient die Schlagzeile ...
mehr als Messi. Wie eine Insel mit 350 00 Einwohner guten Fußball spielt und auch verdient ein Tor schießt, das ist eine der schöneren Nachrichten der WM. Und die Wikinger spielen zwar hart aber nicht unfair. Und Messi's schwache Partie erklärt sich auch durch Island's starkes Spiel. Man kann Island nur alles Gute wünschen, in einer Welt, die die WM's scheinbar nur an die Höchstbietenden verscherbelt.
mariomeyer 17.06.2018
2. Yo!
Warum heißen die Iren nicht "Irländer" bzw. die Isländer nicht "Isen"? Das scheint mir inkonsequent. Sehr konsequent finde ich bei dieser WM die Bandenwerbung. Neben den üblichen Verdächtigen wie McDonalds und Visa (diesmal eher klein und unauffällig) sticht mir vor allem die Werbung für Gazprom und zwei, drei chinesische Firmen ins Auge. Klasse finde ich, dass die chinesische Molkerei, die zurzeit breitbandig in Russland wirbt, komplett auf eine Erklärung ihrer Marke und Produkte für all die Zuschauer verzichtet, die des Chinesischen nicht mächtig sind. Das nennt man wohl Vertrauen in den eigenen Binnenmarkt.
ebmarzt 17.06.2018
3. Brillianz gegen glücklichsten Provinzfussball.
Wohl selten zuvor hat eine Mannschaft so sehr eine andere dominiert wie Argentien das vollkommen überforderte Island. Selbst Ihre publizierten Zahlen drücken das aus. Was sie jedoch nicht zeigen, sind Messis Ballannahmen, wie er ganze Horden von Isländern auf die rechte Seite zieht und somit Räume für auf links schafft sowie die massiven Fouls an seinen Mitspielern. Das Ergebnis mag überraschen, lässt aber wohl kaum auf eine Schwäche im argentinischen System schliessen. Island dagegen war eine Zumutung fûr jeden Fussballiebhaber und mag vielleicht den im Vierjahresplan auftretenden opportunistischen WM Intervall Fans reichen.
kaltschale 17.06.2018
4. Über welchen Artikel wird hier diskutiert?
Die Kommentare haben nichts mit dem Artikel zu tun. Hier ging es darum, dass Island ein Nobody, nicht 5:0 gegen Gigant Argentinien verloren hat. Das Problem ist die Konzentration auf Messi, mehr braucht der Gegner nicht zu kontern. Genau der gleiche Fehler wie Portugal, nur Ronaldo. Das ist keine Mannschaft, sondern auch ein Risiko, tritt die jemand zusammen, dann war's das mit der WM dieser Länder. Das finde ich eine Beleidigung für Fans, nicht die Isländer, die spielen als Mannschaft, ohne Starkult.
eckawol 17.06.2018
5. Wie im Falle Maradona
ergeht es Messi: Er wird als "unersetzlicher " Spieler eingesetzt. Dem Ego des Spielers gefällt es und merkt nicht, dass es quasi vesklavt über das Spielfeld rennt. Messi ist somit Werkzeug Dritter ohne es zu merken.
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