Drei Thesen zur WM-Niederlage gegen Mexiko Deutschland braucht Gündogan

Nach der überraschenden Auftaktpleite ist für die DFB-Elf noch nicht alles verloren - wenn Joshua Kimmich besser verteidigt und Joachim Löw die richtigen Schlüsse zieht.

Ilkay Gündogan
DPA

Ilkay Gündogan


1. Kimmich muss Außenverteidiger spielen, nicht Außenstürmer

Die Mexikaner hatten beim 1:0-Sieg gegen Deutschland von Beginn an einen Plan: Angriffe über die rechte deutsche Abwehrseite. Ihr Plan ging auf. Bei seinen Vorstößen sorgte Joshua Kimmich zwar für Gefahr, im Rückwärtsverhalten offenbarte er aber genau wie seine Nebenleute eklatante Schwächen.

So unterschiedlich interpretierten Joshua Kimmich (links) und Carlos Saucedo ihre Position als rechter Außenverteidiger. Dargestellt sind alle Ballaktionen.
Opta

So unterschiedlich interpretierten Joshua Kimmich (links) und Carlos Saucedo ihre Position als rechter Außenverteidiger. Dargestellt sind alle Ballaktionen.

Immer wieder stießen die Mexikaner nach Ballverlusten der Deutschen in ihren linken Angriffsraum vor. Das provozierte auch die DFB-Innenverteidiger zu riskanten Aktionen. Hier muss Bundestrainer Joachim Löw eingreifen: Das Abwehrverhalten des gesamten Teams muss bis zum zweiten Spiel gegen Schweden am Samstag (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD, Sky) deutlich besser werden, und Kimmich darf seine Rolle nicht so hochstehend interpretieren.


Wie Mexiko Deutschland auseinandernahm: Die spannendsten Szenen des Spiels

2. Löw sollte im Mittelfeld umstellen

Die Schwächen in der defensiven Grundordnung sind das eine, das Hauptproblem bei der DFB-Elf waren aber die leichtfertigen Ballverluste im Spielaufbau und das anschließende schwache Umschalten. So fiel das 0:1, und es wäre nicht bei diesem einen Gegentor geblieben, wenn die Mexikaner ihre vielen Kontergelegenheiten konsequenter ausgespielt hätten.

Fotostrecke

13  Bilder
DFB-Pleite gegen Mexiko: Der entzauberte Weltmeister

Besser wurde das deutsche Spiel erst, als Marco Reus ins Spiel kam und Löw von einem 4-2-3-1-System auf ein 4-1-4-1 umstellte. Bei dieser Grundformation sollte der Bundestrainer für die kommenden Partien bleiben. Wichtig dafür: ein ball- und kombinationssicheres Mittelfeld.

Die Position des einzigen Sechsers vor der Abwehr könnte statt des schwachen Sami Khedira auch Sebastian Rudy bekleiden. In der Reihe davor wäre Ilkay Gündogan die beste Lösung neben Toni Kroos, dazu der nach seiner Einwechslung starke Reus über links und Thomas Müller auf rechts. So sollte es möglich sein, die Defensiven von Schweden und Südkorea zu knacken, ohne dabei in so viele Konter zu laufen.

3. Auch nach einem Fehlstart kann man Weltmeister werden

Nach der ersten Auftaktniederlage einer deutschen Mannschaft seit der Weltmeisterschaft 1982 herrscht Katerstimmung. Doch auch damals kam die DFB-Elf nach dem 1:2 gegen Algerien noch ins Finale. Ins Turnier 2010 startete Spanien mit einer Pleite gegen die Schweiz und wurde vier Wochen später Weltmeister.

Aktuell bedeutet das: Schweden und Südkorea sollten mit einer Leistungssteigerung zu schlagen sein, die Mexikaner müssen ihr System gegen diese beiden Teams neu justieren. Platz zwei ist nun das Minimalziel - bei dem im Achtelfinale wohl die Brasilianer warten würden. Der Gruppensieg wäre da die angenehmere Variante, liegt jetzt aber nicht mehr in der eigenen Hand, die Achtelfinal-Qualifikation aber schon.



insgesamt 75 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
AxelSchudak 17.06.2018
1. Mexiko
war heute einfach zu gut in der Abwehr, und gerade gut genug im Konter. Ab heute nur noch Endspiele! Das hebt die Stimmung.
sechsundsiebziger 17.06.2018
2. Guter Kommentar!
Sehe ich genauso! Man kann nicht Khedira blind spielen lassen nur weil er schon ewig dabei ist. Er ist halt momentan außer Form. Gündogan ist aktuell stärker! Kimmich muss verteidigen, nicht stürmen. Und dann noch Reus rein, Draxler raus. Und womöglich sogar Süle statt Hummels, der auch einfach nicht in Form ist. Wenngleich ich seinen Interviewkommentar erfrischend ehrlich und klar fand...
verruca 17.06.2018
3. Andersrum!
"Hier muss Bundestrainer Joachim Löw eingreifen: Das Abwehrverhalten des gesamten Teams muss bis zum zweiten Spiel gegen Schweden am Samstag deutlich besser werden, und Kimmich darf seine Rolle nicht so hochstehend interpretieren." Wer sagt denn, dass Kimmichs Rolle von ihm so "interpretiert" wurde und nicht vielleicht vom Trainer genau so angeordnet? Ein 6er muss bei Ballverlust den AV ersetzen, wenn dieser nahe der gegnerischen Grundlinie steht. Wäre der AV für seine Seite alleinverantwortlich, dann könnte man jeglichen Mittellinienübertritt vergessen. WARUM der Trainer allerdings diese Flanken als Stilmittel #1 auserkoren hat und gleichzeitig alle Ecken kurz ausführen ließ, bleibt wohl sein Geheimnis. Genau andersrum wäre schlauer gewesen. Wenn Hummels und Boateng bei ner Ecke vorn drin stehen, dann kann so nen hoher Ball schon mal klappen. Aus dem Spiel heraus, wenn dort nur das Kopfballungeheuer Werner steht dagegen ...
Sal.Paradies 17.06.2018
4. Bitte etwas genauer hinschauen
Ja, natürlich kann man noch Weltmeister werden. Allerdings ist es leider so, dass die NM ja nicht unglücklich verlor, sondern weil sie faktisch in allen Mannschaftsteilen starke Mängel aufzeigte. Und wer faktisch keinen Ball ordentlich annehmen kann und so einen Konter nach dem anderen provoziert, zeigt eklatante technische Defizite, die man nicht so einfach abstellen kann wie falsches Stellungsspiel. Vermutlich gibt es aktuell kaum eine Elf, die mehr Fehlpässe oder verlorene Bälle auf dem Konto hat? Und die Idee, gerade Gündogan für mehr Stabilität zu bringen, lässt ausser Acht, dass gerade Ilkay dasselbe Weichei wie Özil und Kroos ist. Alle fallen nach dem kleinsten Schubser und allen fehlt die nötige Härte, um sich in einem Infight mal durchzusetzen. DIe Idee Marco Reus sofort zu bringen teile ich, weil er einen nötigen Impuls in`s Spiel brachte. Müller sollte meiner Ansicht nach auf der Bank bleiben. Egal was er macht, es ist destruktiv. Von ihm kommt kein Ball zum Gegenspieler, er verliert faktisch jeden Zweikampf und jeder sieht, dass er mehr mit sich als dem Gegner zu tun hat. Aber hören wir jetzt lieber auf, denn über Abwehr und Mittelfeld könnte man heute Romane schreiben, so viel lief da schief. Apropos "laufen". Schaut mal wie Kroos "schleicht", als die Mexiicaner ihren Konter zum 1:0 fahren! Er bleibt faktisch stehen und guckt sich das alles an, als ob es ihn nicht wirklich etwas angehen würde. Mit mehr Einsatz und mehr "Geschwindigkeit" hätte Toni den Torschuß verhindern können. In der Wiederholung gut zu sehen, was ich meine. Fakt ist, dass mit der Leistung von heute das Turnier nach dem nächsten Spiel wohl zu Ende ist, denn die Schweden werden noch härter als die Mexicaner dagegen halten.
mullertomas989 17.06.2018
5. Gündogan macht noch aus einem anderen Grund Sinn
Er war noch nicht Weltmeister und ist noch hochmotiviert. Problem sind nur einige "Fans", die ihn vermutlich auspfeifen würden. Das wäre ganz schön dämlich...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.