Drei Thesen zur Fußball-WM Frankreich wird Belgien besiegen

Belgien steht im WM-Halbfinale, weil bei Brasilien ein Schlüsselspieler fehlte. Ins Endspiel kommen die "Roten Teufel" aber nicht - weil sich Frankreich ein Beispiel an Deutschland nehmen wird.

Französische Nationalmannschaft
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Französische Nationalmannschaft

Von Henrik Bahlmann und


1. Frankreich geht als Favorit ins Halbfinale gegen Belgien

Belgien ist bislang die Mannschaft des Turniers: Fünf Spiele, fünf Siege - unter anderem gegen die Mitfavoriten England und jetzt auch gegen Brasilien. Dazu 14 geschossene Tore, zwölf davon aus dem Spiel heraus. Und diese Konter. Diese Konter! Kein Team schaltet so schön und schnell um wie die "Roten Teufel". Da kann Frankreich nicht mithalten. Trotzdem werden die Franzosen das Halbfinale gegen die Belgier gewinnen. Warum? Weil Belgien gegen Brasilien Schwächen offenbarte, die Frankreich ausnutzen wird.

In einer starken ersten Halbzeit hatte sich das Team von Roberto Martínez offenbar verausgabt: Nach der Pause baute Belgien spürbar ab, spielte die Konter nicht mehr konsequent aus und ließ 18 Abschlüsse zu - über die gesamte Spieldauer waren es 28. Natürlich haben sie mit Thibaut Courtois einen überragenden Torwart, aber allein darauf dürfen sich die Belgier gegen Frankreich nicht verlassen. Brasilien hätte zum Ausgleich kommen müssen. Kylian Mbappé und Antoine Griezmann werden die Chancen nutzen, die Philippe Coutinho und Renato Augusto ausgelassen haben.

2. Frankreich nimmt sich ein Beispiel an Deutschland

Fußball-Weltmeisterschaft 2014: Deutschland trumpft bis zum Viertelfinale mit einer unorthodoxen Viererkette auf. Statt etatmäßiger Außenverteidiger werden zwei Innenverteidiger auf die Außenpositionen gestellt. Benedikt Höwedes und Shkodran Mustafi spielen - Höwedes sogar bis zum Finale, Mustafi muss nach dem Achtelfinale verletzungsbedingt passen. Das Ergebnis ist bekannt.

Es scheint, als würde Frankreich die deutsche Weltmeister-Defensivtaktik kopieren. Mit Lucas Hernández, Samuel Umtiti, Raphael Varane und Benjamin Pavard spielen vier ausgebildete Innenverteidiger in der Kette, mit bislang großem Erfolg - und dem gleichen Ergebnis wie 2014? Zuzutrauen ist es den Franzosen, die Verteidigung steht - das bewiesen sie beim 2:0-Erfolg gegen Uruguay. Natürlich, in Edinson Cavani fehlte den Südamerikanern ein Weltklassestürmer. Dessen kongenialer Partner Luis Suárez hatte in den 90 Minuten von Nischni Nowograd keinen einzigen Ballkontakt im französischen Strafraum. Keinen!

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Frankreichs Halbfinaleinzug: Bollwerk geknackt

Mit Romelu Lukaku, Eden Hazard und Kevin De Bruyne kommt im Halbfinale eine deutlich größere Herausforderung auf die französische Defensive zu. Die Belgier sind auch stärker einzuschätzen als Argentinien - und gegen Lionel Messi und Co. kassierten die Franzosen immerhin drei Gegentreffer. Ein Grund dafür könnte die mangelnde Erfahrung sein. Mit einem Altersschnitt von nur 23,25 Jahren vertrauen die Franzosen auf eine sehr junge Viererkette. Die deutsche Abwehr 2014 war im Schnitt mehr als drei Jahre älter. Trotzdem wird es für "Les Bleus" zum Finaleinzug reichen, weil die belgische Abwehr noch mehr Schwächen aufweist.

3. Casemiro ist der Hauptgrund für Brasiliens Scheitern

Nur ein Tor bei 28 Schüssen: Auf den ersten Blick war die Chancenverwertung der Grund für das brasilianische Viertelfinalaus. Tatsächlich war aber das Fehlen von Casemiro der entscheidende Faktor dafür, dass die Seleção zur Pause 0:2 zurücklag - ein Rückstand, den sie nicht mehr aufholen konnte. Die große Stärke des Mittelfeldorganisators von Real Madrid ist das defensive Umschaltspiel und das Verhindern von Kontern. Genau das hätte Brasilien gegen Belgien gebraucht.

Vor allem der zweite Gegentreffer zeigte, wie sehr Casemiro fehlte. Lukaku kam tief in der eigenen Hälfte an den Ball und lief nahezu ungestört übers halbe Feld. Fernandinho konnte ihm nicht folgen und wollte aus irgendeinem Grund nicht foulen. Lukaku bediente De Bruyne, der ins lange Eck traf. Insgesamt gewann Fernandinho nicht mal jeden zweiten Zweikampf, Casemiro hatte im Achtelfinale gegen Mexiko über 70 Prozent seiner direkten Duelle für sich entschieden.

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Nonvaio01 07.07.2018
1. das wird spannend
bei haben gute anfriff reihen, aber mittelmaessige abwehr reihen. Ich erwarte ein tolles spiel. Ich hoffe Belgien gewinnt, ich denke ein Team welches noch nie WM war wird gewinnen. Die ganzen Favoriten teams wie Brasilien,Argentienen,Deutschland, waren nie welche, die wurden nur von den medien gehypt wie immer, aber realistische gruende gab es nicht. Mein Tip ist Belgien gegen Kroatien im Finale. Durch die globalisierung haben alle teams Top spieler bei Top Vereinen. Da ist kein unterschied mehr zwischen Brasilien und Kroatien, oder Belgien und Frankreich, oder Deutschland und Mexico. Man muss aufhoeren nur noch nach namen zu gehen. Ich finde diese WM super, und die naechsten WM's werden auch so sein, da es einfach keine klare favoriten mehr geben wird. Ein Team wie Brasilien in den 70ern wird es nicht mehr geben welches ueber 10 jahre Dominiert.
Emil Peisker 07.07.2018
2. Zustimmung...
Zitat von Nonvaio01bei haben gute anfriff reihen, aber mittelmaessige abwehr reihen. Ich erwarte ein tolles spiel. Ich hoffe Belgien gewinnt, ich denke ein Team welches noch nie WM war wird gewinnen. Die ganzen Favoriten teams wie Brasilien,Argentienen,Deutschland, waren nie welche, die wurden nur von den medien gehypt wie immer, aber realistische gruende gab es nicht. Mein Tip ist Belgien gegen Kroatien im Finale. Durch die globalisierung haben alle teams Top spieler bei Top Vereinen. Da ist kein unterschied mehr zwischen Brasilien und Kroatien, oder Belgien und Frankreich, oder Deutschland und Mexico. Man muss aufhoeren nur noch nach namen zu gehen. Ich finde diese WM super, und die naechsten WM's werden auch so sein, da es einfach keine klare favoriten mehr geben wird. Ein Team wie Brasilien in den 70ern wird es nicht mehr geben welches ueber 10 jahre Dominiert.
Mein Sohn hat vor Beginn der WM zwei Teams als seine Favoriten genannt: Belgien und Kroatien. Die Spiegelautoren sind einfach nur frankophil, aber die Wallonen sprechen doch auch französisch, so dass sie ein wenig mitfeiern können...:-))
Peter Friedrichs 07.07.2018
3. Orakelt da dieselbe Expertenrunde,
die Russlands Vorrundenaus geweissagt haben? Und die Deutschland bereits vor dem Turnier als Gruppenersten gesehen haben?
aurichter 07.07.2018
4. Casemiro
hat sein Handwerk bei Real Madrid richtig gelernt, da war ein Ramos der passende Weggefährte. Das dies Handwerk sehr oft mit höchst fragwürdigen Mitteln ausgeführt wird, scheint dem Autor dieses Artikels mit Hinweis auf Fernandinho gefehlt zu haben. Genau das ist es jedoch, was eine Mannschaft wie Real Madrid teilweise so unsympathisch macht und sich im brasilianischen Spiel wiederfindet. Wer lerdings so Erfolge einfahren will, dem gönnt man ein Ausscheiden dann erst Recht, zusätzlich zu den komödiantischen Einlagen eines Neymar und auch Jesus.
at.engel 07.07.2018
5.
@Nonvaio01 Das mit den Favoriten ist ja immer so eine Sache... aber im Grunde bestimmen im Moment die zwei, drei besten europäischen Ligen die künftigen Favoriten. Da sich die Ligen total liberalisiert haben, ist nicht mehr so diese oder jede "Nation" entscheidend, sondern vielmehr, welche Nation die meisten Stammspieler in diesen Ligen unterbringt (der Gastgeber hat immer einen Sonderstatus...). Weshalb eben eine Mannschaft wie Belgien klar zu den Favoriten gehört. Genauso wie die Franzosen, obwohl die wenigsten (PSG mal ausgenommen) noch in Frankreich spielen. Das Resultat ist jedenfalls, dass nur noch vier europäische Nationen spielen werden... wovon die meisten entscheidenden Spieler in spanischen, englischen, italinenischen Clubs spielen... ein paar vielleicht noch in Deutschland oder Frankreich, und das war's...
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