Drei Thesen zur WM Warum Ronaldo Torschützenkönig wird

Harry Kane, Romelu Lukaku und Cristiano Ronaldo sind die bislang überragenden Stürmer der WM. Ein Blick auf die Tore und Gegner der Angreifer ergibt aber einen Favoriten auf den Titel des Torschützenkönigs.

Cristiano Ronaldo
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Cristiano Ronaldo

Von Michel Massing und


1. Kane ist noch gar nicht richtig im Spiel

Harry Kane
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Harry Kane

Harry Kane (26 Länderspiele/18 Tore) führt die Torschützenliste der Weltmeisterschaft mit fünf Treffern an. Er war mit dafür verantwortlich, dass England gegen Panama seinen höchsten Sieg der WM-Geschichte einfuhr. Kanes Abschlussquote ist überragend: Die fünf Tore erzielte er mit nur fünf Schüssen aus zwei Spielen. Auf den ersten Blick spricht alles für den großen Durchbruch des Torjägers als Nationalspieler bei einem großen Turnier - bei der EM 2016 war er in vier Spielen ohne Tor geblieben.

Im ersten Gruppenspiel hatte er doppelt getroffen und war damit Matchwinner beim 2:1-Erfolg gegen Tunesien. Allerdings fielen beide Treffer durch Standards: nach Eckbällen. Beim 6:1-Kantersieg gegen Panama traf Kane zweimal vom Elfmeterpunkt. Bei seinem dritten Treffer wurde er an der Hacke angeschossen und der Abpraller fand den Weg ins Tor. Das heißt: Aus dem Spiel heraus erzielte Kane bei dieser WM noch keinen Treffer.

2. Lukaku ist schwerer auszurechnen

Romelu Lukaku
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Romelu Lukaku

Belgien hat bei dieser WM von Beginn an überzeugt, gerade durch die überragende Offensive: Erst 3:0 gegen Panama, dann 5:2 gegen Tunesien. Großen Anteil daran hat Romelu Lukaku (71 Länderspiele/40 Tore): Der 25-Jährige traf in den ersten beiden Partien jeweils doppelt. Zwei Tore in zwei WM-Spielen hintereinander - das war zuletzt Argentiniens Diego Maradona 1986 in Mexiko gelungen. Jetzt schafften es auch Kane und Lukaku.

Aber der Belgier hat seinem Kontrahenten um den Gruppensieg und den Goldenen Schuh etwas voraus. Lukaku erzielte seine Tore variabler: Zweimal traf der Stürmer von Manchester United mit links, einmal mit rechts und einmal mit dem Kopf - und jedes Mal traf er aus dem Spiel heraus. Das passt auch zum Vergleich beider Teams: England erzielte sieben von acht Toren nach Standards, Belgien traf nur einmal auf diesem Weg - bei ebenfalls acht Treffern.

Dass sich Belgien so viele Chancen und Tore erspielt, liegt auch daran, dass das Offensivspiel des Teams nicht nur auf Lukaku zugeschnitten ist - so wie das der Engländer auf Kane. Die belgische Offensive präsentiert sich durch Eden Hazard, Dries Mertens und Kevin De Bruyne bisher auch jenseits des Stürmers torgefährlich. Das schafft Räume und hilft auch Lukaku. Im direkten Duell mit Kane zum Abschluss der Gruppenphase könnte ihn allerdings die erlittene Sprunggelenksblessur stoppen.

3. Ronaldo kann es auch gegen die Großen

Cristiano Ronaldo
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Cristiano Ronaldo

In der WM-Torschützenliste belegt Cristiano Ronaldo (152 Länderspiele/85 Tore) hinter Kane und zusammen mit Lukaku Platz zwei. Wie der Belgier erzielte auch der Portugiese seine Tore variabler als Kane: Gegen Spanien traf er mit links per Distanzschuss, verwandelte mit seinem starken rechten Fuß einen Elfmeter und einen Freistoß. Das Spiel gegen Marokko entschied er mit einem Kopfball nach einer Ecke.

Noch eindeutiger als bei Kane und England hängt der Erfolg von Portugal an der Leistung Ronaldos. Der Angreifer hat alle Tore seines Teams erzielt, die vier Treffer waren für Portugal insgesamt vier Punkte wert. Aber diesem enormen Druck kann Ronaldo standhalten, das hat er schon im Auftaktspiel gegen Spanien bewiesen, als er seinem Team mit einem späten Freistoßtor einen Punkt rettete.

Was allerdings gegenüber Kane und Lukaku besonders für Ronaldo spricht, ist der Gegner im ersten Spiel. Der Portugiese traf nicht dreifach gegen die klaren Außenseiter Panama oder Tunesien. Sondern gegen Spanien, Weltmeister von 2010, Europameister von 2008 und 2012. England und Belgien sind bereits für das Achtelfinale qualifiziert, Portugal steht kurz vor dem Weiterkommen. Schon bald werden die drei Stürmer also vermehrt auf starke Gegner treffen. Gegen Topteams hat bisher aber nur Ronaldo seine Klasse bewiesen.



insgesamt 11 Beiträge
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Him 25.06.2018
1. Ronaldo...
...ist sicherlich der beste Fussballspieler der letzten Jahre (Jahrzehnete), aber die drei Tore und den Siege Portuaglas sollte man mal nicht überbewerten. Ein Tor war ein Elfmeter, einmal patzt de Gea ganz gewaltig und einmal trifft CR7 per Freistoss (dafür hat er auch >50 Versuche benötigt!)....was ist daran jetzt die große Leistung? Ich sehe sie nicht. Soviel Glück wie gegen Spanien werden die Portugiesen wohl nicht nochmal haben und daher im Achtelfinale rausfliegen
duke_van_hudde 25.06.2018
2. Eine ziemlich steile These
Konnten Lukaku oder Kane gegen Topteams Tore schiessen? Wenn man das als wichtigen Punkt ansieht, dann müste man abwarten bis genau das passiert ist. Lukaku hat in den 20 Spielen unter den neuen Trainer 21 Toe geschossen. Das Belgien super Kontern können wenn sie erst mal führen sollte jeden klar sein und das dann ein Lukaku von keinen Team 100 % sicher rausgenommen werden kann. Mit Mertens(haeufig unterschätzt, aber nach dem Tor wohl nicht mehr so stark),Hazard und KDB haben sie halt drei Spieler die Lukaku halt super freispielen können. Man sollte erstmal das Spiel gegen England abwarten und dann sehen wir ob einer der beiden gegen ein Top Team Tore schiessen wird. Dazu kommen noch eine andere these von mir Portugal könnte mit den Uru´s oder Russland zwei deutlich schwierigere Gegner bekommen. Sollten in der Gruppe H Japan und Senegal weiterkommen sieht das für Belgien und England als eine sichere Sache aus. Wenn ich tippen müste würde ich Lukaku ganz knapp vor Kane tippen, aber auch nur weil ich Belgien auch eine Chance gebe ins Endspiel zu kommen. Bei England und Portugal kann ich mir dasn icth vorstellen. Wobei halt Kane 1 Tor Vorsprung hat und ich England auch im Viertelfinale sehe und das heisst er hat noch einige Spielzeit.
child3k 25.06.2018
3.
Also ich sehe das ähnlich wie die Vorredner: Ronaldo trägt sein Team. Die drei Tore gegen Spanien sind eher "Eigentore" der Spanier gewesen. Insgesamt glaube ich nicht, das Portugal noch besonders weit kommen wird - dazu waren die bisherigen Leistungen zu durchschnittlich. Da haben mich die Engländer und vor allem die Belgier doch mehr überzeugt.
tommit 25.06.2018
4. Na das ist doch klar
weil im Schweif von Ronaldo beim Vorbeigehen mehr Geld für die Presse zu machen ist , als in der Bezirksliga mit 12 Monatsgehältern... Für Begriffsstutzige: Weil es in der ganzen Kette um geld geht
carinanavis 25.06.2018
5. der erste gegner
Spanien war defensiv schlecht organisiert, was nach dem schlagartigen Trainerwechsel kein Wunder war. Es wurde von anderen Foristen schon erwähnt, dass zwei Tore eher glücklich zustande kamen. Im übrigen schießt Ronaldo fast jeden Freistoß bei Real Madrid, trifft aber fast nie. Nun gelang ihm noch ein Tor gegen einen schwachen Gegner. Ja, er könnte Torschützenkönig werden, aber es kann sogar heute schon vorbei mit den sehr-weit-aus-dem-Fenster-gelehnt-Prognosen der SPON-Experten sein, wenn Portugal ausscheidet. Auch wenn es nicht allzu wahrscheinlich ist, kann der Iran Portugal besiegen. Dafür ist es nicht einmal notwendig, dass der Iran besser spielt. Nicht selten gewinnt im Fussball die schlechtere Mannschaft, da etwa 40% der Tore ein erhebliches Zufallselement besitzen. Und irgendwann ist auch das Glück aufgebraucht, das Portugal bei der letzten EM in unfassbarem Übermaß hatte.
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