Eden Hazard beim Sieg gegen England Belgiens Bester

Ein Tor erzielt, zahlreiche Chancen kreiert, zum Mann des Spiels gewählt: Eden Hazard war von den Engländern im Spiel um Platz drei nicht zu halten - und bekam auch noch Hilfe von einem Doktor.

Eden Hazard
REUTERS

Eden Hazard

Von Philipp Awounou


Déjà Vu? WM 2018, England gegen Belgien, sportlicher Wert der Partie: überschaubar. Klingelt da was? Sicher: Schon in der Gruppenphase standen sich diese Teams gegenüber, als beide bereits für die K.-o.-Phase qualifiziert waren. Der Unterschied: Damals boten die Trainer B-Teams auf, im Spiel um Platz drei dagegen traten die Mannschaften größtenteils in Bestbesetzung an.

Das Ergebnis: Belgien schlägt England 2:0 und beendet die WM damit auf Platz drei - das beste Turnierergebnis der Landesgeschichte. Hier geht es zum Spielbericht.

Rollentausch: Eigentlich ist Rechtsverteidiger Thomas Meunier im belgischen Offensivspiel für Flanken und Hereingaben zuständig. In der vierten Minute gegen England jedoch versuchte sich Meunier als Vollstrecker - mit Erfolg: Per Schienbeinkick verwertete er Nacer Chadlis Vorlage zum 1:0 für Belgien.

Die erste Hälfte: Mit der Führung im Rücken waren die Roten Teufel das Team mit den vielversprechenderen Aktionen. Häufig mangelte es jedoch an der letzten Konsequenz, weshalb die Mannschaft trotz starker Kombinationen keine hochkarätigen Abschlüsse produzierte. England tat sich gegen kompakte Belgier im Angriff schwer, Harry Kane vergab in der 23. Minute die größte Gelegenheit zum Ausgleich: Bei seinem Schuss im Strafraum rutschte er unglücklich aus.

Wer will nochmal, wer hat noch nicht? Mit Meunier trug sich bereits der zehnte Belgier in die WM-Torschützenliste ein. Das schafften zuvor nur die Franzosen 1982 und Italien 2006.

Die zweite Hälfte: Nach Wiederanpfiff mussten die Zuschauer bis zur 70. Minute auf eine Großchance warten. Diese hätte Erik Dier nach einem Doppelpass mit Marcus Rashford beinahe zum 1:1 genutzt, doch Belgiens Verteidiger Toby Alderweireld rettete auf der Linie für den bereits geschlagenen Schlussmann Thibaut Courtois. Die Engländer schienen dem Ausgleich in der Folge nahe - dann drehte Belgien noch einmal auf: Eine Volleyabnahme von Meunier parierte der englische Schlussmann Jordan Pickford noch sehenswert (79. Minute), gegen Eden Hazards platzierten Abschluss war er kurz darauf jedoch machtlos (83.).

Nicht Eden-bürtig: Was die individuelle Klasse angeht, war Belgien den Engländern klar überlegen - allen voran Hazard, der zum Mann des Spiels gewählt wurde: Von Tempodribblings über Ballannahmen auf engstem Raum bis hin zu Hackentricks und Beinschüssen zeigte der belgische Kapitän alles - und vergoldete seine Leistung mit dem Treffer zum 2:0-Endstand.

Apropos Gold: Harry Kane bleibt mit sechs Treffern weiter Top-Torjäger der WM. Sofern die Franzosen Antoine Griezmann oder Kylian Mbappé (jeweils drei Treffer) im WM-Finale gegen Kroatien keinen Hattrick erzielen, wird Kane den Goldenen Schuh als bester Torschütze mit nach Hause nehmen. Es bliebe allerdings ein fader Beigeschmack: Fünf seiner sechs Treffer erzielte der Engländer in der Vorrunde gegen Tunesien und Panama, insgesamt drei per Elfmeter.

Doktor de Bruyne: Die Passqualitäten der belgischen Nummer Sieben sind weithin bekannt - und doch verblüfft Kevin de Bruyne mit seinen Zuspielen regelmäßig aufs Neue. Auch die englische Abwehrkette sezierte der Belgier mehrfach mit chirurgischer Präzision und setzte seine Nebenleute mit teils brillanten Flachpässen in Szene - so auch bei seiner Vorlage zum 2:0-Endstand.

Fazit: "Kleines Finale"? Diesen Namen verdient ein Spiel um Platz 3 nicht - zu gering der sportliche Wert. Immerhin: Wider Erwarten boten die Trainer fast sämtliche ihrer Stars auf, welche sich ein über weite Strecken unterhaltsames Duell lieferten.

Belgien - England 2:0 (1:0)
1:0 Meunier (4.)
2:0 Hazard (83.)
Belgien: Courtois - Alderweireld, Kompany, Vertonghen - Meunier, Tielemans (78. Dembélé), Witsel, Chadli (39. Vermaelen) - De Bruyne, E. Hazard - Lukaku (60. Mertens)
England: Pickford - Jones, Stones, Maguire - Trippier, Dier, Rose (46. Lingard) - Loftus-Cheek (84. Alli), Delph - Sterling (46. Rashford), Kane
Schiedsrichter: Faghani (Iran)
Gelbe Karten: Stones, Maguire / Witsel
Spielort: St. Petersburg
Zuschauer: 64.000



insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
skeptikerjörg 14.07.2018
1. Seh ich etwas anders
Wie stark könnte Belgien sein, wenn Hazard so mannschaftsdienlich spielte wie De Bruyne? Allein dessen beide Zuckerzuspiele auf Lukaku, die der leider verstolperte, waren das Zuschauen wert. Hazard spielte heute mehr für sich, rannte sich fest oder spielte zu spät. Es war offensichtlich, dass er SEIN Tor machen wollte. Erst, nachdem De Bruyn ihm das mit einem weiteren gut getimten Pass ermöglicht hatte, dachte er an andere, spielte aber schlampig ab- Ohne das Tor wäre Hazard wahrscheinlich noch dreimal in Abwehr aufgelaufen und hätte den Ball verloren. Für mich war, zumindest heute, Kevin De Bruyne der eindeutig effizientere und bessere Spieler.
solltemanwissen 14.07.2018
2.
Fand de Bruyne heute insgesamt auch besser, wie er in regelmäßigen Abständen mit einem Ball die Abwehr filetierte war der Hammer. Aber trotzdem beides Spieler denen ich jederzeit gerne beim Kicken zuschaue.
konterspieler 15.07.2018
3. Hazard ist
der beste Spieler dieser WM ! - Schade das die Belgier nicht im Finale sind. Der spanische Trainer der Belgier hat garantiert noch nie etwas von Sepp Herberger gehört, sonst hätte er in der Vorrunde im letzten Spiel eine komplette Ersatz-Mannschaft gebracht, nur um zu Verlieren und mit dem zweiten Platz in der Vorrunde die Chancen der Belgier für das Erreichen des Finales deutlich zu erhöhen. So hatte es Herberger 1954 gemacht, manchmal gehört es auch zur Taktik und Strategie eines Fussball-trainers in einem Turnier eine erste Runde zu verlieren, um in der letzten Runde den Pott zu gewinnen. Belgien - Frankreich hätte das Super-Finale sein können.
gibmichdiekirsche 15.07.2018
4. Trotz allem Rock'n'Roll
Zitat von skeptikerjörgWie stark könnte Belgien sein, wenn Hazard so mannschaftsdienlich spielte wie De Bruyne? Allein dessen beide Zuckerzuspiele auf Lukaku, die der leider verstolperte, waren das Zuschauen wert. Hazard spielte heute mehr für sich, rannte sich fest oder spielte zu spät. Es war offensichtlich, dass er SEIN Tor machen wollte. Erst, nachdem De Bruyn ihm das mit einem weiteren gut getimten Pass ermöglicht hatte, dachte er an andere, spielte aber schlampig ab- Ohne das Tor wäre Hazard wahrscheinlich noch dreimal in Abwehr aufgelaufen und hätte den Ball verloren. Für mich war, zumindest heute, Kevin De Bruyne der eindeutig effizientere und bessere Spieler.
Einige bedenkenswerte Beobachtungen hinsichtlich Eden Hazards, der in der Tat ab und zu mit dem Kopf durch die Wand will (und das nebenbei bemerkt öfter auch mal schafft). Allerdings fehlt mir bei Ihrer Kritik, dass fast immer er es ist, der Belgiens "pfeilschnelles Umschalten" initiiert, das Spiel ungeheuer beschleunigt und damit de Bruyne überhaupt erst die Räume öffnet, um seine blitzgescheiten Pässe an den Mann zu bringen (oder zu brandgefährlichen Abschlüssen zu kommen). Beide zusammen sind für mich bislang d a s Zauberduo der WM und im Doppelpack kaum zu bremsen. Ich hätte beide gern im Finale gesehen. Sie hätten es sich (inkl. Titel) - natürlich zusammen mit ihren Mannschaftskollegen - redlich verdient und haben mir eine hinsichtlich des gekonnten Offensivspiels ansonsten eher sauer aufstoßende WM versüßt. Ich habe bei der Belgiern viel guten alten Rock'n'Roll gesehen und bin den Jungs dankbar dafür.
architekt09 15.07.2018
5. Brexit
Es hat schon eine gewisse Ironie: vier EU Länder spielen im Halbfinale. Und wer wird Letzter? Der Brexter...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.