Schiedsrichter Felix Brych über WM-Aus "Eine herbe Enttäuschung"

Nach dem DFB-Aus in Russland hatte Felix Brych auf einen WM-Einsatz in einem K.-o.-Spiel gehofft. Doch daraus wurde nichts. Jetzt hat sich der deutsche Schiedsrichter geäußert.

Felix Brych (l.) beim Spiel zwischen Serbien und der Schweiz
AP

Felix Brych (l.) beim Spiel zwischen Serbien und der Schweiz


Eine Fußballweltmeisterschaft ist für viele Profis die Krönung der Karriere. Das gilt für Fußballer, das gilt auch für Schiedsrichter. Für den deutschen Unparteiischen Felix Brych sollte das Turnier in Russland das Highlight seiner Laufbahn werden - und nach dem Aus der deutschen Mannschaft in der Vorrunde standen die Chancen auf Einsätze in den entscheidenden WM-Spielen gut.

Mittlerweile steht fest: Für den Top-Referee der Europäischen Fußball-Union (Uefa) ist die WM nach nur einer Partie in der Vorrunde beendet. Die Fifa hat mehrere Schiedsrichter vorzeitig nach Hause geschickt, Begründungen zu einzelnen Personalien gab es zunächst nicht.

"Der Verlauf der WM ist für mich und mein Team natürlich eine herbe Enttäuschung. Aber das Leben geht weiter, und wir kommen wieder", wird Brych in einer Mitteilung des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) zitiert.

Nachdem der 42-Jährige bereits im Achtelfinale keine Spielleitung hatte, wird er von der Fifa auch für die kommenden Spiele nicht mehr berücksichtigt. Vor vier Jahren in Brasilien war Brych zweimal zum Einsatz gekommen. Damals wurde Deutschland Weltmeister, was einen Einsatz eines deutschen Schiedsrichters in einem K.-o.-Spiel deutlich erschwert.

Welche Rolle letztendlich Brychs einziger WM-Auftritt in Russland gespielt hat, ist spekulativ. "Offensichtlich wurde Felix' schwierige und strittige Elfmeter-Entscheidung von der Fifa als so schwerwiegend bewertet, dass es keine weiteren Ansetzungen mehr für ihn gab. ... Wir müssen diese Entscheidung akzeptieren", sagte Ronny Zimmermann, der für die Schiedsrichter zuständige DFB-Vizepräsident.

Trainer Mladen Krstajic sorgt für Eklat

Gemeint ist die Begegnung zwischen der Schweiz und Serbien (2:1), in der es Aufregung um den deutschen Referee gegeben hatte. Nachdem der Unparteiische den mittlerweile ausgeschiedenen Serben bei einer Szene einen Foulelfmeter verwehrte, sorgte der serbische Trainer Mladen Krstajic für einen Eklat.

"Ich würde ihn nach Den Haag schicken", sagte der frühere Bundesligaprofi in Anspielung auf den Sitz des Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien. Dann ergänzte er in Brychs Richtung: "Dort sollte ihm so der Prozess gemacht werden, wie sie uns (im Spiel) den Prozess gemacht haben." Krstajic wurde für seine Äußerung mit einer Geldstrafe in Höhe 4340 Euro belegt.

Brych war als achter deutscher Schiedsrichter bei mehr als einer WM dabei. Die meisten Partien (fünf) absolvierte bisher Markus Merk. Brych hat bislang 249 Bundesligaspiele in seiner Karriere geleitet. Er pfiff im vergangenen Jahr das Finale der Champions League, 2014 war er im Endspiel der Europa League im Einsatz. Zudem war Brych bei der EM 2016, den Olympischen Spielen 2012 und dem Confed Cup 2013 dabei.

Weiter beim Turnier dabei sind die beiden deutschen Videoassistenten Felix Zwayer und Bastian Dankert.

jan/sid

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modemhamster 05.07.2018
1. Seine Leistung war aber auch grottig
Was alleine nicht schlimm ist. Mit einem schlechten Schiedsrichter, der seine Fahler auf beide Mannschaften verteilt, kann man leben. Sein einseitiges Gepfeife für die Schweiz war aber nicht akzeptabel. Und die Fascho-Handzeichen der drei Schweizer hätte er sofort ahnden müssen.
fccopper 05.07.2018
2. Brych
war eine herbe Enttäuschung, das ist wohl wahr.
materialist 05.07.2018
3. gut so
Nicht nur Fußballspieler sondern auch Fußballschiedsrichter brauchen ein Leistungsniveau ,seines war bei der WM schlecht.Dass er nun geht ist die logische Konsequenz.
sack_reis 05.07.2018
4. Wie bitte?
Dass die Leistung von Herrn Brych "grottig" oder eine "herbe Enttäuschung" gewesen sein soll, kann ich nicht ansatzweise nachvollziehen. Er hatte mit Sicherheit eines der schwierigsten Vorrundenspiele zu leiten und hat das alles in allem souverän über die Runden gebracht. Alleine die strittige Strafraumszene bleibt in der Tat nach Betrachten der TV-Bilder als Fehleinschätzung haften, wurde aber von den unzähligen Video-Assistenten auch nicht in Frage gestellt! Wie viele Spieler werden denn nach einem gravierenden "Fehler" sofort für das restliche Turnier aus der Mannschaft verbannt und was würde die Öffentlichkeit sagen, wenn ein Trainer dies tun würde? Stattdessen hätte Herr Brych alleine schon aufgrund seiner bisherigen Leistungen und Erfahrung ein weiteres Vorrundespiel bekommen sollen, um zu beweisen, dass er es drauf hat. Für mich ist das Ganze viel mehr ein weiteres Indiz dafür, wie intransparent innerhalb der FIFA agiert wird und es tut mir für den SR sehr leid, wie mit ihm umgegangen wurde.
Proserpin de Grace 05.07.2018
5. Zu optimiert
Aber er hat sich doch so bemüht, endlich im Lichte anzukommen. Das dürfen wir nicht vergessen. Er hat alles gegeben. Es hat halt nicht gereicht. Man muss sich den Platz schon untertan machen. Und auch als Icon überzeugen. Ich glaube, er war zu optimiert, zu austauschbar. Man musste ihn einfach ersetzen.
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