Nach Spiel gegen Deutschland Mexiko kriegt Ärger wegen seiner Fangesänge

Die Fifa hat ein Disziplinarverfahren gegen Mexiko eröffnet. Einige Fans riefen zum Beispiel bei Abschlägen von Manuel Neuer "puto". Um die Deutung des Wortes tobt seit Jahren ein Streit.

Mexikanische Fans im Stadion
AFP

Mexikanische Fans im Stadion


Der Fußball-Weltverband Fifa hat bei der WM in Russland ein Disziplinarverfahren gegen Mexiko eröffnet, wegen homophober Rufe aus dem Fanblock während des 1:0-Sieges gegen Deutschland. Dies bestätigte die Fifa am Montag. Dem mexikanischen Verband Femexfut droht nun eine Geldstrafe.

Am Sonntag waren aus dem mexikanischen Fanblock im Moskauer Luschniki-Stadion bei Abschlägen von Manuel Neuer und Freistößen des deutschen Teams "puto"-Rufe zu hören gewesen. Die Fifa hatte bereits nach dem Spiel angekündigt, die Rufe zu untersuchen und eine Stellungnahme des beim Spiel anwesenden Antidiskriminierungsbeobachters einzuholen.

Über das Wort, das seit Jahren von Mexikos Fußballfans, aber auch von Anhängern aus anderen lateinamerikanischen Ländern bei Schlachtrufen verwendet wird, wird schon länger diskutiert. Das Schimpfwort kann Stricher oder Schwuchtel bedeuten. Es wird im alltäglichen Sprachgebrauch häufig eingesetzt und meint als Adjektiv etwa auch verdammt.

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Deshalb argumentieren einige Fans, dass der Begriff nicht in einem homophoben Zusammenhang verwendet würde und soviel wie feige bedeute. Die mexikanische Zeitung "Milenio" berichtete etwa, das Wort bezeichne in Mexiko zudem auch einen untreuen Mann. Innerhalb von Lateinamerika variiert die Bedeutung und Verwendung stark. So enthalte es in Argentinien etwa nur homophobe Tendenzen, in Kolumbien kann es auch mutig bedeuten.

Die Fifa stufte das Wort im Fußballkontext zunächst als "nicht beleidigend" ein. Doch in den letzten Jahren wertete der Weltverband den Begriff zunehmend anders und sanktionierte ihn bereits häufiger bei Länderspielen. In der WM-Qualifikation wurde etwa Chile wegen entsprechender Verstöße der Fans gar gezwungen, zwei Spiele in kleineren Stadien auszutragen als vorgesehen.

Deshalb hatte der mexikanische Verband die Fans bereits vor der WM gebeten, mit den Rufen aufzuhören. Offenbar kam der Aufruf nicht an oder wurde nicht von allen befolgt.

joe/dpa/sid

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