Frankreichs Sieg über Australien Technique tricolore

Verdammt, war das zäh: Das hochfavorisierte Frankreich ist noch nicht in WM-Form. Beim knappen Auftaktsieg gegen Australien musste die Technik nachhelfen.

Frankreichs Team jubelt
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Szene des Spiels: Die Zeigefinger von Schiedsrichter Andrés Cunha gingen nach oben, dann bewegte der Uruguayer seine linke Hand nach links und parallel die rechte Hand nach rechts. Der Unparteiische malte ein Viereck in die Luft. Das ist das Zeichen, was man aus der Bundesliga bereits kennt - und das nun auch bei der Fußballweltmeisterschaft zum Einsatz kommt: Der Videobeweis hat beim Spiel zwischen Frankreich und Australien erstmals zu einem Tor geführt. In diesem Fall gab es Elfmeter für Frankreich.

Referee Andrés Cunha
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Die Elfmeterszene: Antoine Griezmann ging nach einem Kontakt mit Joshua Ridson im Strafraum zu Boden. Schiedsrichter Cunha prüfte die Szene nach einem Signal des Videoassistenten und gab den Strafstoß. Eine korrekte Entscheidung. Griezmann schoss den Elfmeter in der 58. Minute dann selbst - drin. Es sah nach einem Sieg der favorisierten Franzosen aus.

Das Ergebnis: So kam es auch. Allerdings fiel der Erfolg knapp aus: 2:1 (0:0) hieß es am Ende eines schwachen Auftritts der Franzosen gegen Australien. Es war das Auftaktspiel in der Gruppe C mit den weiteren Gruppengegnern Dänemark und Peru.

Jungend forscht: Frankreich ist jung bei dieser WM. Kylian Mbappé (19 Jahre), Ousmane Dembélé (21) oder Benjamin Pavard (22) - die Startformation der Franzosen war mit einem Durchschnittsalter von knapp 24 Jahren die jüngste Startelf der Equipe tricolore in einem WM-Auftaktspiel seit 1930. Das könnte bedeuten: Frankreich wird mit diesem Mix aus hochtalentierten Spielern und gestandenen Superstars (zum Beispiel Griezmann) auch in vier Jahren bei der Endrunde in Katar ein Titelkandidat sein.

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Frankreichs mühsamer Auftaktsieg: Videobeweis, Torlinientechnik und zwei Elfmeter

Die erste Hälfte: Aber der Reihe nach. Erst einmal muss sich die französische Auswahl in Russland beweisen. Und zunächst sah es danach aus, als würde Frankreich die hohen Erwartungen erfüllen können: Paris-Stürmer Mbappé vergab nach nur 90 Sekunden die erste Großchance. Danach? Fehlte Frankreich das Tempo, also die Stärke, die das Angriffsspiel der Franzosen so besonders macht. Deswegen hatte Australiens Verteidigung wenig Mühe - und im Angriff sogar die gefährlicheren Chancen nach Kontern. Die Taktik von Bert van Marwijk ging auf.

Bert van Marwijk? Der mittlerweile 66 Jahre alte Niederländer, der in der Bundesliga für den HSV und BVB tätig war, hat wieder einen Job gefunden und das australische Team vor einem halben Jahr übernommen. Sein Spielstil ist klassischer Außenseiterfußball, also wenig Ballbesitz, kontern, auf ein Tor hoffen. Oder anders gesagt: unansehnlich. Sein Co-Trainer ist ein weiterer Bekannter aus der Bundesliga und van Marwijks Schwiegersohn: Mark van Bommel.

Die zweite Hälfte: wurde zumindest unterhaltsamer. Aber Frankreichs Spiel blieb weiter enttäuschend und wurde zwischenzeitlich bestraft. Mile Jedinak gelang nach Griezmanns Führungstreffer der Ausgleich. Der Auftaktsieg der Franzosen kam erst durch erneute Nachhilfe der Technik zustande.

Szene des Spiels II: Zehn Minuten vor Schluss half diesmal die Torlinientechnologie nach. Was war passiert? Der Australier Behich traf ins eigene Tor, er hatte einen Schuss von Paul Pogba unhaltbar für Torwart Ryan abgefälscht. Der Ball kam knapp hinter der Linie auf, wie die Technik korrekt anzeigte. Der Sieg der Franzosen war perfekt.

Country for old man: Frankreich hat seine Youngster, Australien seinen ewigen Torjäger. Ja, Tim Cahill ist auch für dieses Turnier nominiert - und ist so Symbol der schwachen Nachwuchsarbeit im australischen Fußball. Für den mittlerweile 38-Jährigen vom FC Millwall (früher FC Everton) ist es bereits die vierte WM-Teilnahme seit 2006. Zum Einsatz kam er gegen Frankreich allerdings nicht.

Ausblick: Australien trat besser auf als erwartet und könnte mit seiner destruktiven Spielweise auch die weitaus weniger offensivstarken Gruppengegner Dänemark und Peru ärgern. Das Problem: In diesen Duellen muss van Marwijks Elf mehr riskieren und wird dadurch anfälliger. Frankreich ist mit einem Erfolg gestartet und wird die K.-o.-Runde erreichen. Auch wenn heute der Zauber gefehlt hat: Das Potenzial dieser Mannschaft ist groß.

Frankreich - Australien 2:1 (0:0)
1:0 Griezmann (58., Foulelfmeter)
1:1 Jedinak (62., Handelfmeter)
2:1 Behich (80. Eigentor)
Frankreich: Llori - Pavard, Varane, Umtiti, Lucas - Tolisso (78. Matuidi), Kanté, Pogba - Mbappé, Dembélé (70. Fekir) - Griezmann (70. Giroud)
Australien: Ryan - Risdon, Sainsbury, Milligan, Behich - Leckie, Jedinak, Mooy, Kruse (85. Arzani) - Rogic (72. Irvine) - Nabbout (64. Juric)
Gelbe Karten: Tolisso - Leckie, Risdon, Behich
Schiedsrichter: Cunha (Uruguay)
Zuschauer: 45.105



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