Frankreich-Trainer Deschamps Auf den Spuren von Franz Beckenbauer

Didier Deschamps führte sein Land als Spieler zum Welt- und Europameistertitel, als Trainer verpasste er vor zwei Jahren den ersten großen Triumph. Nun hat er erneut die Chance.

Frankreich-Trainer Deschamps
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Frankreich-Trainer Deschamps


"Ich habe den Fußball nie des Spielens wegen gespielt, sondern immer des Gewinnens wegen", hat Didier Deschamps mal gesagt. Ein Satz, der viel aussagt über den 49-Jährigen und seine Art, wie er Fußball als Aktiver betrieben hat - und wie er jetzt als Trainer vorgeht.

Es ist selten das große Spektakel bei Deschamps, aber oft der große Erfolg. Als Kapitän führte er sein Land 1998 zum erstmaligen WM-Triumph, zwei Jahre später zum EM-Titel. Seit 2012 ist der "General", so sein Spitzname in der Heimat, nun Nationaltrainer. Vor zwei Jahren, bei der EM im eigenen Land, verlor sein Team erst im Finale gegen Portugal. Ab 17 Uhr (im Liveticker bei SPIEGEL ONLINE; TV: ZDF) stehen Deschamps und seine Mannschaft wieder in einem Endspiel und haben dort die Chance, den größten Titel der Fußballwelt zu erringen.

Ein Sieg gegen Kroatien wäre für Deschamps der beste Weg, die zahlreichen Kritiker in der Heimat verstummen zu lassen.

Kein Konzept, zu viele Regeln, kein Händchen für schwierigere Charaktere - irgendetwas hatte immer irgendjemand an dem Basken auszusetzen. Variierte er sein System, um die vielen Ausnahmekönner besser zur Geltung kommen zu lassen, wurde es ihm nicht als taktische Raffinesse, sondern als Ratlosigkeit ausgelegt.

"Ich bin oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort"

Ließ er Karim Benzema nach der Erpressungsaffäre - von der der Star von Real Madrid freigesprochen wurde - bei der Heim-EM außen vor, warf man ihm Rassismus vor. Sortierte er nach und nach die Rebellen von 2010 aus, die mit ihrem Trainingsstreik in Südafrika für einen Eklat gesorgt hatten, wurde er als Disziplinfanatiker verspottet.

Seit dem Heimturnier 2016 verfolgt ihn der Ruf, in erster Linie ein großer Glückspilz zu sein. Symbolisch dafür steht eine dicke, blaue Katze, die ein Karikaturist der L'Equipe erschuf ("La chatte a Deschamps"). "Ich bin sicher oftmals zur richtigen Zeit am richtigen Ort", sagte Deschamps kürzlich dazu, "aber dass das mein Image sein soll, kümmert mich nicht."

Und auch während dieser WM in Russland wurde schon wieder gelästert. Da kolportierten die Medien, dass Ex-Real-Trainer Zinédine Zidane seinen früheren Teamkollegen (Vertrag bis 2020) vorzeitig ablösen werde, falls "DD" scheitert. Tat er aber nicht.

Stück für Stück hat Deschamps ein Team nach seinem Abbild geformt. Das nüchterne 1:0 im Halbfinale am Dienstag gegen Belgien war der beste Beleg für die defensive Stabilität, die einst Deschamps als Spieler verkörperte. Der Erfolg basiert jedoch auch auf der Entscheidung, nicht die 23 größten Talente nach Russland mitzunehmen, sondern einen Kader, der zusammenpasst und hundertprozentig hinter seiner Idee vom pragmatischen Fußball steht.

Deschamps hat die Mischung hinbekommen

Deschamps versteht es zudem, seine Stars wie Paul Pogba, Kylian Mbappe und Antoine Griezmann so zu führen, dass sie ihre Brillanz nicht für die Galerie, sondern im Sinne des Teamgedankens ausspielen. "Er weiß, wie man mit Spielern spricht, wie er seine Botschaften vermittelt", sagte Pogba.

Den Teamgedanken verschärfte Deschamps noch durch seinen Jugendstil. Erfahrene Spieler wie Benzema oder Mamadou Sakho sortierte er für die WM aus, ein Shootingstar wie der Stuttgarter Benjamin Pavard (22) wurde zur Stammkraft auf der rechten Abwehrseite.

Deschamps kann nun selbst in einen elitären Zirkel aufsteigen. Bislang haben nur Franz Beckenbauer und Mario Zagallo den WM-Pokal als Spieler und Trainer gewonnen. Für seine Spieler ist der Stern, der dank Deschamps und den Helden von 1998 auf dem französischen Trikot prangt, Antrieb genug. "Ich habe diesen Stern nicht gewonnen. Ich will meinen eigenen", sagte Pogba.

luk/sid/dpa



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noalk 15.07.2018
1. Korinthenkackerei
Zuerst Zagallo, dann Beckenbauer. Zagallo ist bisher der Einzige, der als Spieler und Trainer WM-Titel holte. Beckenbauer war "nur" Teamchef, ist also der Einzige, der als Spieler und Teamchef eine WM-Titel holte. Weil Deschamps Trainer ist, wandelt er auf Zagallos Spuren, nicht auf denen von Beckenbauer.
Berlin1261 15.07.2018
2. und nun hat er es
Herzlichen Glückwunsch D. Deschamps und den Blauen :-).
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