Belgiens Co-Trainer Thierry Henry gegen Frankreich Die Legende auf der anderen Seite

Ein Halbfinale gegen seine Heimat: Thierry Henry ist Frankreichs Rekordtorschütze. Doch nun arbeitet der legendäre Stürmer als Co-Trainer für Belgien - und verrät dem besten Angriff der WM seine Tricks.

Romelu Lukaku, Thierry Henry
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Romelu Lukaku, Thierry Henry

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Es war der Tag nach dem Ende des Sommermärchens, Deutschland hatte 0:2 gegen Italien verloren, da trat die Équipe Tricolore das bisher letzte Mal in einem WM-Halbfinale an. Zwölf Jahre später, wenn Frankreich am Abend (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen Belgien um den Finaleinzug spielt, ist ein Star von damals wieder dabei: Thierry Henry - aber diesmal als Gegner.

2006 holte er noch den Foulelfmeter heraus, der zum 1:0-Siegtreffer gegen Portugal führte. Frankreich erreichte zum zweiten Mal in seiner Geschichte ein WM-Finale, beide Male gehörte Henry zum Kader. Beim Titelgewinn 1998 war Didier Deschamps als Kapitän an seiner Seite, der aktuelle Trainer Frankreichs. "Es ist bizarr", sagte Deschamps zum Wiedersehen in Russland.

Henry im WM-Finale gegen Italien
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Henry im WM-Finale gegen Italien

Kein Spieler traf häufiger für Frankreich als Henry, 51 Treffer gelangen ihm im Nationaltrikot. In seiner Zeit beim FC Arsenal wurde der Angreifer viermal Torschützenkönig. Mit Barcelona gewann er die Champions League und mit Frankreich zwei Jahre nach dem WM-Triumph auch noch die Europameisterschaft. Sein Wissen vermittelt er nun aber dem belgischen Team als Co-Trainer, nicht dem französischen.

In seiner Heimat hätte man das gern anders gesehen. "Ich hätte es vorgezogen, wenn er bei uns wäre und mir und den anderen die Ratschläge geben würde", formulierte es Frankreichs Stürmer Olivier Giroud vorsichtig. Dabei lässt sich Henrys Anteil am Erfolg der Belgier nur schwer bewerten. Es fehlen Vergleichswerte, weil es sich um seinen ersten Trainerjob handelt. Außerdem hat er beinahe gleichzeitig mit Chefcoach Roberto Martínez begonnen.

Thierry Henry bei seiner Vorstellung beim FC Arsenal mit Trainer Arsène Wenger
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Thierry Henry bei seiner Vorstellung beim FC Arsenal mit Trainer Arsène Wenger

Henry selbst hält sich zurück und gibt kaum Interviews. Wenn überhaupt, sagt er eher Belangloses: "Ich bin nur der T3" - also hierarchisch betrachtet nur der zweite Assistenztrainer.

Für Trainer Martínez hat sein Assistent aber auf jeden Fall mehr als nur eine kleine Nebenrolle. Henry sei "das perfekte fehlende Stück in unserem Trainerstab. Er hat die internationale Erfahrung eingebracht, das Know-how, wie man eine WM gewinnt", sagt der Chefcoach Belgiens. Und das scheint nicht alles zu sein. Laut Jean-Marie Pfaff soll der Ex-Stürmer den Angreifern der Red Devils "helfen, im Strafraum die richtigen Entscheidungen zu treffen". Zudem sei Henry für Standardsituationen verantwortlich, sagte Belgiens Torhüter-Legende dem Sport-Informations-Dienst.

Henry verrät Belgiens Angreifern seine Tricks

Hätten sich die Stürmer der Red Devils einen Lehrer aussuchen dürfen, vermutlich wäre die Wahl sogar auf Henry gefallen. Für die heutige Spielergeneration ist er eine Legende. Als er über die Flügel sprintete, Tore erzielte und Titel gewann, waren die jetzigen belgischen Nationalspieler Kinder oder Teenager, hatten Poster von ihrem Idol an der Wand hängen und sahen Henry im Fernsehen.

Thierry Henry und Eden Hazard nach dem Viertelfinal-Sieg gegen Brasilien
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Thierry Henry und Eden Hazard nach dem Viertelfinal-Sieg gegen Brasilien

Michy Batshuayi twitterte schon 2016 ein Bild von sich mit Henry und behauptete, er habe seinen Eltern nie so gut zugehört wie ihm. Romelu Lukaku betont regelmäßig in Interviews, wie gern er mit seinem Offensivcoach fachsimpelt - ob über den FC Arsenal in der Saison 2005/2006 oder über ein Zweitligaspiel von Fortuna Düsseldorf. Ob Lukaku, Batshuayi, Dries Mertens oder Adnan Januzaj, sie alle loben, wie viel der Ex-Torjäger mit ihnen spricht, auch wie er seine Tricks verrät. Henry sucht das Gespräch, spielt auf dem Trainingsplatz mit - das kommt an.

Ob das der Grund dafür ist, dass kein anderes Team mehr Tore bei diesem Turnier erzielt hat als Belgien mit 14 Treffern? In keiner anderen Mannschaft haben auch so viele verschiedene Spieler getroffen (neun), sieben davon waren Offensivspezialisten. Lukaku traf bei der WM 2014 und der EM 2016 zusammengerechnet nur dreimal, nun hat er schon vier Tore erzielt. Und auch sonst präsentiert sich der Angreifer verändert.

"Frankreichs größter Gegner sitzt auf der belgischen Bank"

Wie sich Lukaku vor dem 3:2 gegen Japan bewegte, mit einem Sprint nach links, dann nach rechts zog, auch wie er auf den Torschützen durchließ, all das ermöglichte erst den Siegtreffer. Mit seinen Laufwegen und Finten öffnete er die Räume, die seine Mitspieler beim Kontern benötigen. Anders als bei den vergangenen beiden Turnieren funktioniert auch das Spiel ohne Ball.

Henry beim Training
AP

Henry beim Training

"Frankreichs größter Gegner sitzt auf der belgischen Bank", behauptete Pfaff - sicherlich ist das etwas übertrieben. Denn es ist immer noch Martínez, der Auswechslungen verantworten und die Taktik anpassen muss, wenn es mal nicht läuft wie gegen Japan. Oder weil es der Gegner erfordert, wie gegen Brasilien.

Aber Belgiens Angreifer treffen bei dieser WM sehr häufig die richtigen Entscheidungen. Und das ist wohl das Werk von Henry.



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tomkey 10.07.2018
1. Handballspieler
Was soll er schon verraten? Wie man einen Fußball mit der Hand im Strafraum weiterleitet, so dass ein Mitspieler ein Tor erzielen kann? Das kann er ja mal machen. Heute gibt es zum Glück den Videobeweis. Ich drücke trotzdem den Belgiern die Daumen.
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