WM mit 48 Teams Infantinos Gießkanne

Spätestens 2026 nehmen 48 Teams an der WM teil. Sportliche Qualität wird bei der Erweiterung ignoriert - es wird hart für echte Fußballfans.

Gianni Infantino
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Gianni Infantino


Erst mit der K.-o.-Phase beginnt die eigentliche Weltmeisterschaft. Diese These ist nicht ohne Grund weitverbreitet. In der Vorrunde dürfen sich Außenseiter wie Iran und Marokko austoben, doch am Ende setzt sich fast immer die Qualität der Favoriten durch.

Das Turnier in Russland wird bislang von den europäischen Teams dominiert. Lediglich vier Teams des Kontinents sind auf der Strecke geblieben. Die Uefa, aus deren Reihen die drei letzten Weltmeister kommen, stellt zehn der sechzehn Achtelfinalteilnehmer.

Die Fans, die das niveauarme Spiel Ägypten gegen Saudi-Arabien gesehen haben, ahnen aber schon, was spätestens in acht Jahren auf sie zukommt: Fußball der zweiten und dritten Wahl droht, weil die Fifa die Qualität ihres Produkts vernachlässigt.

Der Weltverband rüstet quantitativ auf. 48 statt 32 Teams werden bei der WM 2026 in Kanada, Mexiko und den USA starten. Zudem gibt es Überlegungen, die Expansion um vier Jahre vorzuziehen. Die Verteilung der hinzukommenden Startplätze folgt nach dem Gießkannenprinzip. Jeder Kontinent wird unabhängig seiner Leistungsstärke bedient.

Das Kontingent der UEFA wird so trotz erwiesener Leistungsstärke lediglich auf 16 Teilnehmer erhöht. Die Vorrunde droht dabei zur Farce zu werden. Der Leistungsunterschied zwischen den Teilnehmern in den dann 16 Dreier-Gruppen wird zwangsläufig expandieren. Frankreich gegen Saudi-Arabien und Haiti könnte ebenso schaler Alltag sein wie ein Aufeinandertreffen zwischen Brasilien, Tunesien und Usbekistan. Die Fifa sollte stattdessen Freilose für die Favoriten verteilen und den stressgeplagten Profis zwei unnötige Spiele ersparen.

Die Union der nord- und mittelamerikanischen Länder (Concacaf) verdreifacht hingegen ihre Zahl gar auf mindestens neun Starter, da die Gastgeber sich nicht qualifizieren müssen. In Russland sind deren Vertreter Panama und Costa Rica bereits nach zwei ihrer drei Vorrundenpartien ausgeschieden. Einzig Mexiko zeigte die nötige internationale Qualität.

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Es gäbe schlauere Wege für den Weltverband, um die Qualität des Turniers weniger unter der Aufstockung auf 48 Teams leiden zu lassen. Die Rugby-Union beispielsweise erteilt den zwölf besten Teilnehmern ihrer Weltmeisterschaft das Startrecht für das nächste Turnier. Wie bei den Fußballern findet die WM alle vier Jahre statt. In dieser Zeit haben acht weitere Länder die Chance, sich wie bei der Fifa in kontinentalen oder abschließend interkontinentalen Spielen zu qualifizieren.

Übertragen auf den Fußball bedeutet das: Der Weltverband könnte die zusätzlich anfallenden Startplätze auf die Achtelfinalisten der WM 2022 verteilen und die bisherigen Kontingente unangetastet lassen. Die Uefa würde in diesem Fall für ihr überragendes sportliches Abschneiden belohnt. Sie dürfte - angenommen sie wäre in Katar ebenso erfolgreich - 23 Teilnehmer der WM 2026 stellen: 13 aufgrund ihres Kontingents, zehn wegen der erbrachten Leistung.

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Die Gefahr, dass der WM-Dritte Niederlande oder der vierfache Weltmeister Italien noch einmal ein Turnier verpassen, würde erheblich reduziert. Die Fifa sollte ein Interesse haben, die besten Fußballer nicht gegen drittklassige antreten zu lassen.

Doch die Politik des Fifa-Präsidenten Gianni Infantino ist eine andere. Um Stimmen für seine Wahl zu sammeln, hatte er einst die Vergrößerung der Kontingente zugunsten der schwächeren Kontinentalverbände versprochen.

Eine nach der bislang vorgesehenen Regelung mögliche Gruppe bestehend aus Co-Gastgeber Kanada, Australien und Neuseeland kann nicht im Interesse des Leistungsfußballs sein. Die Kreativität der Fifa in Sachen Marketing sollte aber keinesfalls unterschätzt werden: 1978 wurde beispielsweise schon vor dem Griff in den Lostopf festgelegt, dass Gastgeber Argentinien und Italien in der Vorrunde aufeinandertreffen. Man versprach sich aufgrund der zahlreichen italienischen Einwanderer ein volles Stadion. Die Begegnung im River Plate wurde zur bestbesuchten des Turniers.



insgesamt 40 Beiträge
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Willi S. 29.06.2018
1. 48 - jetzt also auch wegen Deutschland.
Es ist uns doch allen schon lange aufgefallen. Eine WM ohne Teilnahme von Oranje Holland ist öde. Auch die Azzuri Italiener müssen einfach dabei sein, sonst macht alles keine Laune. Und zukünftig müßte wohl für die Deutschen das gleiche gelten. DESHALB hat die FIFA die Regeln geändert und den Endrunden-Teilnehmerkreis auf 48 Mannschaften erweitert, damit endlich auch Oranje, die Azzuri und die Deutschen wieder mitmachen können - wenigstens in der Gruppenphase.
rigoh 29.06.2018
2. Problemlos
Ich sehe für den Zuschauer kein Problem. Wer zb Kenia gegen Luxemburg nicht sehen will schaltet seinen Fernseh nicht ein. Für Fussballanhänger fängt eine WM erst ab Achtelfinale an.
Kaisersoße 29.06.2018
3. Legende zur Grafik falsch
Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Peru, Uruguay, macht fünf Südamerikaner. Vermutlich wurde in der Grafik Südamerika mit Nord- und Zentralamerika vertauscht.
Proggy 29.06.2018
4. Die WM startet immer erst nach der Vorrunde
Bei der Kommentierung der Erweiterung auf 48 Teams sollte sich Deutschland bzgl. "Sportliche Qualität" - nach dieser Löw-Vorstellung "Der Mannschaft" - nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Ja, die WM beginnt erst nach der Vorrunde (deswegen heißt die auch so) und danach sind die am wenigsten leistungsfähigen Teams auf dem Weg nach Hause.
spon_12 29.06.2018
5.
Zitat von Willi S.Es ist uns doch allen schon lange aufgefallen. Eine WM ohne Teilnahme von Oranje Holland ist öde. Auch die Azzuri Italiener müssen einfach dabei sein, sonst macht alles keine Laune. Und zukünftig müßte wohl für die Deutschen das gleiche gelten. DESHALB hat die FIFA die Regeln geändert und den Endrunden-Teilnehmerkreis auf 48 Mannschaften erweitert, damit endlich auch Oranje, die Azzuri und die Deutschen wieder mitmachen können - wenigstens in der Gruppenphase.
Die Teilnehmerzahl Europas steigt von derzeit 14 auf unglaubliche 16... Ihr Polemikversuch schlägt etwas fehl, wenn man das weiß.
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