Nigerianer bei der WM Ausharren in Russland

Hunderte Nigerianer kamen zur WM nach Russland - dubiose Firmen hatten ihnen versprochen, dass sie nicht nur Fußball gucken, sondern nach dem Turnier in Europa bleiben können. Jetzt kommen sie nicht mehr in ihr Land zurück.

SPIEGEL ONLINE

Von und Katja Kuznetsova 


Auf Isomatten harren sie aus, meist junge Männer. Um die hundert haben die Nacht vor der nigerianischen Botschaft in der Nähe der Metrostation Majakowskaja im Zentrum von Moskau verbracht. Sie sitzen und liegen mit ihren Rucksäcken und Taschen vor dem Gebäude.

 Nigerianer vor der Botschaft in Moskau
Katja Kuznetsova

Nigerianer vor der Botschaft in Moskau

"Wir wollen zurück nach Hause, aber wir können nicht zurück, unsere Flugtickets sind ungültig", erzählt ein Mann. Warum? "Ich weiß es einfach nicht. Wir kommen nicht weg."

Die Nichtregierungsorganisation (NGO) Alternatiwa zählt inzwischen rund 400 Fälle in Russland. Es sind überwiegend junge Männer, die aus Nigeria zur Fußballweltmeisterschaft eingereist sind.

Alle haben sie eines gemeinsam: Sie haben eine Fan-ID. Die braucht man eigentlich, um ins Stadion für ein Spiel zu gelangen. 300 Dollar haben die Männer Firmen in Nigeria dafür bezahlt, bar, wie einer von ihnen erzählt. Dabei ist das Dokument, das die Fußballfans stets als Badge um den Hals tragen, eigentlich kostenlos.

"Ich will jetzt zurück in mein Land"

Die Nigerianer aber dachten, die Fan-ID wäre ihre große Chance für ein neues Leben in Europa.

Sie erhielten zudem auch Hin- und Rückflugtickets und Karten für Fußballspiele. Ein junger Mann namens Aaron sagt: "Wir sind zum Fußballgucken gekommen, ich will jetzt zurück in mein Land."

Abwarten in fünf Tagen soll es nun eine Lösung geben
Katja Kuznetsova

Abwarten in fünf Tagen soll es nun eine Lösung geben

Den Männern sei gesagt worden, sie könnten ihr Glück in Russland versuchen, nach der WM dort arbeiten, als Fußballer oder in einer Fabrik und dann irgendwann zurückfahren", sagt Oleg Melnikow von Alternatiwa. "Sie sind betrogen worden."

Arbeit gibt es nicht, schon gar nicht mit einer Fan-ID ohne Arbeitserlaubnis, das merkten die Männer schnell, denen schon bald das Geld ausging. Sie wollen nach Hause, doch am Flughafen erklärte man ihnen, ihre Rückflugtickets der Fluggesellschaften Royal Air Maroc und Turkish Airlines seien nicht mehr gültig. Irgendwer hat sie storniert - vermutlich die Unternehmen, die die Fan-ID verkauften.

Die nigerianische Botschaft hat nun erst einmal dafür gesorgt, dass die Männer, die in Moskau vor dem Gebäude campierten, Essen bekommen und in ein Hostel gebracht wurden. Dort dürfen sie noch vier Tage bleiben. Man arbeite an einer Lösung, wie die Männer zurückfliegen können, heißt es in der Botschaft.

Versuchte Einreise nach Finnland

Was mit den anderen Nigerianern ist, die anderswo in Russland gestrandet sind, ist unklar. Fünf von ihnen versuchten bereits weiterzufahren, sie wollten in Finnland einreisen - wurden aber wegen fehlender Visa zurück nach Moskau geschickt.



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