0:1 gegen Polen Japan weiter trotz Niederlage

Als einziges asiatisches Team hat Japan die Vorrunde der WM überstanden. Gegen Polen stellten am Ende beide Mannschaften das Fußballspielen ein, die Zuschauer pfiffen gellend.

Takashi Usami (l.), Grzegorz Krychowiak (r.)
REUTERS

Takashi Usami (l.), Grzegorz Krychowiak (r.)


Japan hat sich für das Achtelfinale der WM 2018 qualifiziert. Gegen Polen verlor das Team im abschließenden Gruppenspiel zwar 0:1 (0:0), jedoch unterlagen auch die punktgleichen Senegalesen im Parallelspiel Kolumbien (0:1). So kam die Fair-Play-Wertung zum Tragen, in der sich Japan gegen Senegal durchsetzte. Die Polen, die bereits vor der Partie ausgeschieden waren, feierten dank des Siegtreffers von Jan Bednarek (59. Minute) immerhin einen versöhnlichen Turnierabschluss.

Bei über 35 Grad Celsius in Wolgograd erwischten die Japaner, die im Vergleich zum 2:2 gegen Senegal mit sechs Änderungen in der Startelf antraten, den besseren Start. In der 12. Minute kam das Team durch einen Flugkopfball von Shinji Okazaki erstmals zum Abschluss, ehe Yoshinori Muto Polens Keeper Lukasz Fabianski mit einem Flachschuss zur ersten Parade des Spiels zwang (13.). Wenig später tauchte auch Rechtsverteidiger Hiroki Sakai an der Strafraumgrenze auf, schloss jedoch zu unplatziert ab (16.).

Die Polen hatten im ersten Durchgang nur eine Torgelegenheit - allerdings die beste beider Teams: Nach einer Flanke von Piotr Zielinski kam Kamil Grosicki freistehend zum Kopfball, doch Japans Torhüter Eji Kawashima parierte glänzend (32.). Es war die letzte nennenswerte Aktion der ersten Hälfte.

Der zweite Durchgang verlief zäh - bis zum Paukenschlag in der 59. Minute: Eine Freistoßflanke von Rafal Kurzawa schloss Bednarek per Volley ab und brachte Polen damit überraschend in Führung.

Die Japaner drängten zunächst auf den Ausgleich, doch als Kolumbien im Parallelspiel in Führung ging, stellte das Team das Offensivspiel ein und mied jegliche Risiken. Eine echte Torchance erspielten sich letztlich nur noch die Polen: Robert Lewandwoski kam nach einem Konter aus vielversprechender Position zum Abschluss, jedoch rutschte ihm der Ball unglücklich über den Spann. Es blieb beim 1:0.

Japan beendete die Gruppenphase damit punktgleich mit Senegal (vier Zähler). Da auch der direkte Vergleich punkt- und torgleich endete, entschied letztlich die Fair-Play-Wertung. Hier hatten die Japaner zwei gelbe Karten weniger auf dem Konto - wodurch das Team nun im Achtelfinale steht. Dort trifft das Team auf den Sieger der Gruppe F, Belgien oder England.

Japan - Polen 0:1 (0:0)
0:1 Bednarek (59.)
Japan: Kawashima - H. Sakai, Yoshida, Makino, Nagatomo - Yamaguchi, Shibasaki - G. Sakai, Usami (65. Inui) - Okazaki (47. Osako) - Muto (82. Hasebe)
Polen: Fabianski - Jedrzejczyk, Glik, Bednarek, Bereszynski - Krychowiak, Goralski - Grosicki, Zielinski (79. Teodorczyk), Kurzawa (79. Pezsko) - Lewandowski
Schiedsrichter: Janny Sikazwe (Sambia)
Gelbe Karten: Makino / -
Zuschauer: 43.000

paw



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
NoirDesir 28.06.2018
1. Fairplay
Nachdem man sich beim Stand von 0:1 Gijon-like 10 Minuten lang den Ball hin und her schiebt, dank der Fairplay-Wertung weiterzukommen ist mal gelungene Ironie.
dosmundos 28.06.2018
2.
Kein Vorwurf an die Japaner - es zeigt, wie schwachsinnig die Fair-Play-Regelung ist. Bei Losentscheid hätten die betroffenen Mannschaften wenigstens noch entscheiden müssen, ob sie auf ein weiteres Tor gehen, und falls nicht, wären sie eben Fortuna ausgeliefert gewesen. So musste Japan so spielen, dass sie kein Foul mehr riskieren. Dass da kein rechter Kick mehr zustande kommt, ist ja klar...
hm2013_3 28.06.2018
3. Ja, bei über 35 Grad Celsius in Wolgograd....
wie soll die nächste WM in Qatar bei über 45 Grad funktionieren? Nur weil einige FIFA-Leute erwiesenermassen genug Geld von Qatar bekommen haben, soll bei der Hitze Fussball gespielt werden? In Russland war es über 35 Grad sagen Sie; ich habe gegoogelt, es ist 45 Grad heute in Qatar...
Jasro 28.06.2018
4. Schön auf den Punkt gebracht!
Zitat von NoirDesirNachdem man sich beim Stand von 0:1 Gijon-like 10 Minuten lang den Ball hin und her schiebt, dank der Fairplay-Wertung weiterzukommen ist mal gelungene Ironie.
Ganz meine Meinung! Und die deutsche Nationalmannschaft ist bei der WM 1982 in Spanien beim damaligen Skandalspiel gegen Österreich noch - verständlicherweise - übel beschimpft worden: https://de.wikipedia.org/wiki/Nichtangriffspakt_von_Gijón Aber für japanische Fußballer 2018 gelten andere Maßstäbe? Zweierlei Maß?
Crom 28.06.2018
5.
1982 gab es kein Parallelspiel. Heute hätte der Senegal einfach ein Tor schießen müssen und Japan hätte nachlegen müssen.
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